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StartseiteKommentare und Themen der WocheWer Merkel beerben will, muss etwas bieten17.05.2017

SPD-KriseWer Merkel beerben will, muss etwas bieten

Die Reaktionen der SPD auf die Wahlschlappe in Nordrhein-Westfalen seien planlos und überstürzt, kommentierte Frank Capellan im DLF. Es fehle an Abstimmung und an Inhalt. Fehler dürfe sich die SPD nicht mehr erlauben, denn die zeitweise strauchelnde Kanzlerin habe den Nimbus der Unbesiegbarkeit schon wieder zurückerlangt.

Von Frank Capellan

SPD-Parteichef Martin Schulz im Willy-Brandt-Haus nach der Wahlschlappe der SPD in Nordrhein-Westfalen. (dpa/M. C. Hurek)
SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz nach der Wahlschlappe in NRW (dpa/M. C. Hurek)
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Leberhaken! Beim Boxen bedeutet das oft K.o.! Wenn die Leber getroffen ist, wird dem Kämpfer schwarz vor Augen, Kreislaufprobleme, Kollaps, Mann am Boden, angezählt, chancenlos! Martin Schulz selbst war es, der nach dem Aus seiner SPD in NRW dieses Bild aufgegriffen hat. Aber er steht wieder, das betont der Boxer aus Würselen nun täglich.

Schulz macht sich und seiner schwer getroffenen Partei mit scharfen Angriffen auf die Union Mut. Heute nimmt er sich von der Leyen und de Maizière vor. Die "Selbstvereidigungsministerin" beleidige die Soldaten und der Innenminister flüchte sich in die Leitkultur, um davon abzulenken, dass seine Migrationsbehörde einem mutmaßlichen Terroristen in deutscher Uniform Asyl gegeben hat.

Genossen saßen mit am Kabinettstisch

Da ist viel dran, dumm nur, dass die SPD immer noch fröhlich mit diesen Ministern regieren muss. Da dürfte auch der Vorwurf ins Leere laufen, der Innenminister habe die Polizei kaputt gespart. Allzu lang saßen die Genossen eben mit am Kabinettstisch. Und die zeitweise strauchelnde Kanzlerin hat den Nimbus der Unbesiegbarkeit schon wieder zurückerlangt.

Martin Schulz gibt sich nicht geschlagen. Selbstbewusst bekennt er Fehler und gesteht ein: "Vielleicht habe ich mich doch zu sehr vom Hype um meine Person beeindrucken lassen." Mit Selbstkritik kann er punkten, seine Kampagne allerdings läuft gerade alles andere als rund - wer geglaubt hatte, dass die SPD-Spitze in der vergangenen Woche einen Gedanken an den Super-Gau in Nordrhein-Westfalen verschwendet hätte, mag es heute nicht mehr glauben. Die Reaktionen sind eher planlos und überstürzt.

Das Angebot muss stimmen

Dass Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil mit einem Steuerkonzept vorprescht, obwohl eigentlich Partei-Vize Schäfer-Gümbel ein solches im Namen von SPD-Chef Schulz vorlegen sollte, zeugt nicht von guter Abstimmung. Gute Diskussionsgrundlage, heißt es von der SPD-Spitze.

Na ja, ob ein Steuerplan, der die oft zitierte Krankenschwester um jährlich sage und schreibe 500 Euro entlasten könnte, tatsächlich der große Wurf im Gerechtigkeitswahlkampf des Martin Schulz sein kann, darf bezweifelt werden. Auch bei der Rente ist die SPD nicht entschieden.

Es hilft nichts, immer darauf zu verweisen, dass Merkel doch auch noch unkonkret bleibt. Sie ist im Amt, sie gilt vielen Deutschen wieder als Garant der Stabilität in einer unsicheren Welt. Wer sie beerben will, muss etwas bieten und darf nicht warten. Das birgt Risiken, klar. Das Angebot muss stimmen. Überzeugen. Fehler darf sich die SPD nicht mehr erlauben. Ein zweiter Leberhaken würde nur noch eines bringen: K.o. gegen Merkel!

Frank Capellan, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Bettina Straub  )Frank Capellan, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Bettina Straub )Frank Capellan, geboren 1965 im Rheinland, studierte Publizistik, Neuere Geschichte und Politikwissenschaften, Promotion an der Universität Münster. Nach einer Ausbildung bei der Westdeutschen Zeitung folgte ein Volontariat beim Deutschlandfunk, dem er bis heute treu geblieben ist. Zunächst Moderator der Zeitfunk-Sendungen, unter anderem der Informationen am Morgen; seit vielen Jahren als Korrespondent im Hauptstadtstudio tätig, dort u. a. zuständig für die SPD, die Familienpolitik und Entwicklungszusammenarbeit.

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