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StartseiteKommentare und Themen der WocheMartin Schulz demontiert sich gerade selbst23.10.2017

SPD-PersonalentscheidungenMartin Schulz demontiert sich gerade selbst

SPD-Parteichef Martin Schulz stößt mit seiner Personalpolitik reihenweise Genossen vor den Kopf. Auch wenn er sich zerknirscht gebe, von Selbstkritik keine Spur, kritisiert Frank Capellan. Und mehr noch: Dass Schulz' Sozialdemokraten als intriganter Haufen dastehen, dafür sei maßgeblich seine Kommunikation nach innen verantwortlich.

Von Frank Capellan

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Martin Schulz stellt den designierten Generalsekretär Lars Klingbeil vor (dpa/Bernd von Jutrczenka)
Martin Schulz stellt den designierten Generalsekretär Lars Klingbeil vor. Auch die Personalie Thomas Oppermann ist bei vielen als Affront angekommen. (dpa/Bernd von Jutrczenka)
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"Die SPD hat in den letzten Tagen kein gutes Bild abgegeben!" Zitat Martin Schulz, Eingeständnis eines zerknirschten Parteivorsitzenden heute Mittag in Berlin. Wohl wahr! Nichts läuft rund bei dem Mann, der im Dezember wiedergewählt werden möchte.

Schulz demontiert sich gerade selbst. Dass seine Personalentscheidungen vorzeitig nach außen dringen, darin sieht er den alleinigen Fehler. Von Selbstkritik keine Spur. Der Chef scheint das Gespür dafür zu verlieren, was gerade im Innern seiner demoralisierten Partei vorgeht.

Jung und weiblich soll die Erneuerung bei der SPD daherkommen. Das erste Kriterium erfüllt der 39-jährige Lars Klingbeil, der nun Generalsekretär werden soll. Das zweite nicht, und damit bleibt Fraktionschefin Andrea Nahles die einzige SPD-Frau an führender Stelle.

Dennoch ist Klingbeil eine gute Wahl. Er ist ein fähiger Kopf mit frischen Ideen, er kennt sich mit Digitalisierung und Netzpolitik bestens aus – er steht für einen Generationenwechsel. Er hat gegen den Trend bei der Bundestagswahl sein Direktmandat verteidigt, nur leider in Niedersachsen. Und er gehört dem konservativen Seeheimer Kreis an. Und das macht die Sache kompliziert. Niedersachse, Seeheimer und ein Mann.

Ein Schlag gegen Nahles?

Dass Martin Schulz diesen Vorschlag ausgerechnet an dem Tag präsentiert, an dem ein anderer um das Amt des Bundestagsvizepräsidenten kämpft, muss  als Affront ankommen. Denn auch Thomas Oppermann ist Niedersachse, Seeheimer und ein Mann. Und Thomas Oppermann ist zudem der Wunschkandidat von Fraktionschefin  Andrea Nahles.

Schnell stand ein böser Verdacht im Raum: Schulz will Oppermann verhindern, weil der ihn davon abgehalten hat nach der Wahlschlappe auch zum Fraktionsvorsitz zu greifen. Schulz schwächt Nahles.

Immerhin ist ihm ganz zum Schluss der Schaden bewusst geworden, den er da anrichten könnte. Schulz spricht sich öffentlich für die Ernennung von Thomas Oppermann aus , nicht für Ulla Schmidt, die bis vor wenigen Minuten an ihrer Kandidatur festhalten wollte. Sie stammt aus  Schulz´ Heimatverband Nordrhein-Westfalen. Anders als die Parteilinke Christine Lambrecht, die ihre Kandidatur vor einer guten Stunde zurückzog, wollte die Ex-Gesundheitsministerin Schmidt bis zuletzt nicht erkennen, was die Stunde geschlagen hat. Ihre Zeit war nach vier Jahren im Bundestagspräsidium definitiv abgelaufen. Doch statt ihr das klarzumachen, hat Schulz sehenden Auges die Kampfkandidatur laufen lassen.

Und auch an anderer Stelle beweist er keinerlei Geschick. Krokodilstränen weint er seiner Bundesgeschäftsführerin Juliane Seifert nach. Tatsächlich aber hat er sie zum Aufhören gezwungen, weil er noch Juso-Chefin Johanna Ückermann mit diesem Posten kaltstellen wollte. Schulz macht es sich also viel zu leicht, wenn er nur der Kommunikation nach außen die Schuld gibt.

Dass seine Sozialdemokraten heute Abend als intriganter Haufen dastehen, dafür ist seine Kommunikation nach innen verantwortlich. Nicht die SPD hat in den letzten Tagen ein schlechtes Bild abgegeben, vor allem war es ihr Vorsitzender.

Frank Capellan, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Bettina Straub  )Frank Capellan, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Bettina Straub )Frank Capellan, geboren 1965 im Rheinland, studierte Publizistik, Neuere Geschichte und Politikwissenschaften, Promotion an der Universität Münster. Nach einer Ausbildung bei der Westdeutschen Zeitung folgte ein Volontariat beim Deutschlandfunk, dem er bis heute treu geblieben ist. Zunächst Moderator der Zeitfunk-Sendungen, unter anderem der Informationen am Morgen; seit vielen Jahren als Korrespondent im Hauptstadtstudio tätig, dort u. a. zuständig für die SPD, die Familienpolitik und Entwicklungszusammenarbeit.

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