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StartseiteVerbrauchertippBitcoin-Gewinne richtig versteuern08.02.2018

SpekulationsgewinneBitcoin-Gewinne richtig versteuern

Kryptowährungen, vor allem Bitcoins, haben im vergangenen Jahr einen Höhenflug erlebt: Allein zwischen Mitte November und Mitte Dezember stieg der Kurs von 6.000 auf dann 20.000 Dollar. Risikofreudige Anleger konnten also gute Gewinne erzielen - doch diese Gewinne muss man auch versteuern.

Von Brigitte Scholtes

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Ein ATM-Automat für die Digitalwährung Bitcoin in Hongkong (AFP / Anthony Wallace)
Ein ATM-Automat für die Digitalwährung Bitcoin in Hongkong (AFP / Anthony Wallace)

Der Höhenflug der Bitcoins ist inzwischen vorbei. Die Blase scheint geplatzt. Gut, wer da rechtzeitig seine Bitcoins oder andere Kryptowährungen veräußert und die Gewinne eingestrichen hat. Nun freut sich der Staat. Denn diese Gewinne müssen versteuert werden. Das geschieht aber anders als etwa bei Zinseinkünften,  die ja der Abgeltungssteuer unterliegen. Die gilt hier nicht, erklärt Klaus Himmer, Experte für steuerrechtliche Fragestellungen am Frankfurt School Blockchain Center:

"Hier greift der Paragraf 23 Einkommensteuergesetz, das heißt, sie werden steuerlich wie private Wirtschaftsgüter behandelt, und dem entsprechend muss der Investor selbst seine steuerliche Bemessungsgrundlage berechnen und in seiner Steuererklärung angeben."

Das klingt kompliziert, und das ist es auch. Denn solche Wirtschaftsgüter müssen wie andere Vermögensgegenstände, zum Beispiel Kunstwerke, Antiquitäten oder Immobilien, in der Anlage "Sonstige Einkünfte" der Steuererklärung angegeben werden. Doch die Cyber-Währungen sind ja nicht greifbar wie ein Goldbarren. Deshalb muss man eine sogenannte Verbrauchsfolge ermitteln. Dieses Prinzip wird auch bei Aktien angewandt. 

"Das im deutschen Steuerrecht geläufige Verbrauchsfolgeverfahren ist das so genannte "first in - first out"- Verfahren, das heißt, ich tue so, als veräußere ich die zuerst angeschafften Güter wieder als erstes. Wenn ich meine Bemessungsgrundlage für das Finanzamt berechnen will, muss ich mich auf dieses Verbrauchsfolgeverfahren beschränken oder berufen. Und dann muss ich allerdings in granularer Feinstarbeit immer dieses Verbrauchsfolgeverfahren auf meine Veräußerungen, die sukzessiv stattgefunden haben, anwenden."

Steuersünder könnten relativ einfach ermittelt werden

Der Steuerpflichtige muss also für jedes Veräußerungsgeschäft mit Bitcoins den Zeitpunkt von An- und Verkauf auflisten. Ein mühsames Geschäft, auch wenn diese Transaktionen in der digitalen Bitcoin-Geldbörse und in der Blockchain aufgelistet werden. Denn die Finanzbehörden müssen dies auch nachvollziehen können. Die aber dürften sehr aufmerksam sein, glaubt Himmer, denn dem Staat winken aus den Transaktionen zusätzliche Steuereinnahmen in Höhe von 726 Millionen Euro – das entspricht etwa einem Prozent des Einkommensteueraufkommens 2016. Mogeln gilt also nicht – denn anders als viele Nutzer glauben, sind Bitcoin-Transaktionen nicht wirklich anonym.

"Da alles auf der Blockchain gespeichert ist, wird auch die Finanzverwaltung immer mehr technische Mittel erforschen und dann auch betreiben, die eben auch retrospektiv die Blockchain auslesen und dementsprechend Steuersünder im Nachhinein identifizieren können."

Allerdings kommt es darauf an, wie lange ein Käufer seine Bitcoins behält. Denn verkauft er sie erst nach einem Jahr, also nach Ablauf der Spekulationsfrist, kann er die Gewinne steuerfrei behalten. Verkauft er innerhalb dieser Frist, dann muss er den Gewinn mit seinem persönlichen Einkommenssteuersatz versteuern. Eine Ausnahme gilt außerdem, für alle, die mit allen Veräußerungsgeschäften insgesamt weniger als 600 Euro verdient haben. Auch dann bleiben diese Gewinne steuerfrei. Einen schwachen Trost bieten die Steuergesetze übrigens auch allen, die mit ihren Bitcoins Verluste aufgehäuft haben. Diese können die Betroffenen gegebenenfalls auch später noch in der Steuererklärung geltend machen.

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