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StartseiteVerbrauchertippTeuer und überflüssig25.09.2017

SpezialversicherungenTeuer und überflüssig

Immer häufiger werden Versicherungen für Smartphones, Laptops oder Brillen gleich beim Kauf angeboten. Was vernünftig klingt, ist jedoch nicht immer sinnvoll. Denn diese Spezialversicherungen sind vergleichsweise teuer. Doch es gibt noch ein anderes Problem.

Von Annette Eversberg

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Ein gesplitterter, defekter Touchscreen eines Smartphones, fotografiert am 18.02.2016 in Berlin. (dpa / Jens Kalaena)
Ein Schaden am teuren Smartphone ist ärgerlich - da liegt es nahe, eine Spezialversicherung abzuschließen (dpa / Jens Kalaena)
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Handy, Tablet, eine Kamera und die Gleitsichtbrille - jedes Teil für sich kostet schon mehrere Hundert oder sogar mehr als 1000 Euro. Ein Schaden oder gar der Verlust sind dann besonders ärgerlich.

Versicherungen im Fachhandel

Deshalb werden gleich beim Kauf im Elektronikfachhandel oder beim Optiker immer häufiger Versicherungen angeboten, die bei Beschädigungen und teilweise sogar bei Diebstahl zahlen sollen. Ein willkommenes Zusatzgeschäft für die Händler, sagt Dr. Hans-Georg Jenssen, Geschäftsführender Vorstand des Verbands Deutscher Makler.

"Meistens sind diese Art von Versicherungen, die an ein Produkt gekoppelt sind, hier also das Handy oder ein Tablet, ein bewährtes Mittel natürlich für den Verkäufer, noch einen zusätzlichen Gewinn zu generieren."

Der Versicherungsmakler rät, sich nicht gleich zu entscheiden, sondern erst einmal ins Kleingedruckte zuschauen und Angebote verschiedener Versicherungen zu vergleichen. Außerdem sollte geprüft werden, ob die eigene Hausratversicherung nicht ohnehin schon einen gewissen Schutz für Handy, Tablet oder Kamera bietet.

"Da sind technische Geräte zum Teil dabei, zum Teil sind sie nicht dabei. Das hängt auch sehr stark von dem jeweiligen Tarif ab, den man abgeschlossen hat."

Vergleichsweise teure Policen

Mehr als die Hälfte aller Handys werden bereits im ersten Jahr beschädigt. Deshalb sind Versicherungen für Handy oder Smartphone vergleichsweise teuer und können bis zu 100 Euro pro Jahr kosten. Und kommt es zum Schadensfall, zahlt die der Versicherung meist deutlich weniger als dass Telefon ursprünglich gekostet hat. Bianca Boss vom Bund der Versicherten:

"Tatsächlich, und das wissen viele nicht, sind alle diese Gegenstände nur zum Zeitwert versichert: Also ein Handy, das vor einem Jahr noch 600 Euro gekostet hat, ist nach dieser Zeit nur noch 400 Euro wert."

Ist dazu noch eine Selbstbeteiligung vereinbart, wird noch weniger erstattet. Und das auch nur dann, wenn das gesamte Zubehör noch vorhanden ist. Ähnlich sieht es aus, wenn jemand seine hochwertige Kameraausrüstung versichern möchte. Das kann je nach Kaufwert und Versicherer bis zu 400 Euro kosten.

"Wenn ich eine Kameraausrüstung habe, die mehrere Tausend Euro kostet, dann kann ich so eine Kameraversicherung abschließen. Aber auch dort muss ich mir über die Nachteile im Endeffekt im Klaren sein: Über eine Zeitwertentschädigung, über eine Selbstbeteiligung, die ich zu tragen habe. Und da lohnt sich auf jeden Fall ein Blick in die Versicherungsbedingungen.

Brillen nur zum Teil versichert

Auch Brillen gehören heute nicht selten zu den Luxusartikeln: Die Sonnenbrille vom Designer oder die aufwändige Gleitsichtbrille. Dafür bieten manche Optiker ebenfalls schon beim Verkauf günstige Versicherungen. Für rund zehn Euro beziehungsweise 50 Euro pro Jahr. Je nachdem, ob es sich um eine einfache oder eine Gleitsichtbrille handelt, versprechen sie ihren Kunden einen Schutz für ihre Brille für etwa 300 Euro. Aber, so Bianca Boss:

"Dann muss man sich tatsächlich überlegen, lohnt sich solch ein Vertrag. Denn ich habe nicht die Möglichkeit, mir jede Brille dort auszusuchen, denn es sind ja nur ganz bestimmte Brillen. Und wenn ich auf eine Markenbrille gehe, dann bin ich schon wieder nicht in diesem Tarif drin. Davon können wir nur abraten."

Deshalb rät Bianca Boss vom Bund der Versicherten, Spezialversicherungen kritisch zu prüfen und sich am besten nur gegen das zu versichern, was die eigene Existenz gefährden kann.

"Handyversicherungen, Elektronikversicherungen, Brillenversicherungen. Alles das, was einen finanziell nicht wirklich ruinieren würde, das wird jeder noch selber tragen können. Oder man legt dafür tatsächlich Geld zur Seite."

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