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StartseiteComputer und KommunikationSpielend zu besseren Geschäften05.10.2013

Spielend zu besseren Geschäften

Konferenz Bizplay zeigt, wie Unternehmen Mechanismen von Computerspielen nutzen

Auf der Arbeit mit dem Computer spielen? Das hört sich erst einmal nach viel Spaß an. Tatsächlich soll das Daddeln aber die Produktivität von Konzernen erhöhen. Wie das funktionieren soll, wurde nun auf der Karlsruher Konferenz Bizplay erläutert.

Von Pia Grund-Ludwig

Mit Video- und Computerspielen soll das allgemeine Engagement von Mitarbeitern gesteigert werden.  (dpa)
Mit Video- und Computerspielen soll das allgemeine Engagement von Mitarbeitern gesteigert werden. (dpa)

Auf der Bizplay in Karlsruhe haben Entwickler und Unternehmen Konzepte vorgestellt, die sie unter dem englischen Begriff Gamification zusammenfassen. Das ist ein Kunstwort, das sich vom englischen "Game" für Spiel ableitet. Einen deutschen Begriff gibt es nicht, es lässt sich wohl am ehesten mit "die Spielfreude nutzend" übersetzen. Die Marktforscher von Gartner beobachten derzeit einen großen Hype für solche Ideen im IT-Umfeld. Zu den Vordenkern gehört das Royal Melbourne Institute of Technology in Australien. Dort arbeitet und forscht Marigo Raftopoulos, auf der Bizplay hat sie eine Arbeitsgruppe geleitet. Raftopoulos versucht herauszufinden, wie sich Motivation, Engagement und Empathie, die Menschen bei Spielen entwickeln, für Unternehmen nutzen lassen:

"Mit Gamification lassen sich viele unterschiedliche Bereiche abdecken. Dazu gehören Aktivitäten, die die Spielfreude nutzen, um innerhalb einer Organisation den Teamgeist zu fördern. Dazu gehören aber auch Spiele, die helfen, Probleme zu lösen oder die Möglichkeit, bestimmte neue Anwendungen kennenzulernen."

Gespielt wird nicht um des Spielens willen, sondern um Unternehmen produktiver zu machen. Dabei spielt die Informationstechnologie eine zentrale Rolle, denn Unternehmen können enorme Datenmengen gewinnen, wenn sie die Spielfreude nutzen, sagt Marigo Raftopoulos:

"Wenn das richtig eingesetzt wird, lassen sich damit riesige Datenmengen sammeln. Über die spielerische Interaktion sammeln Sie Daten dazu, was Kunden tun, was sie denken, was sie kaufen. Intern erhalten sie Auskunft darüber, wie Mitarbeiter bestimmte Systeme nutzen. Es lässt sich also viel über die Kunden lernen."

Heißt das, dass Big Brother, der große und immer wachsame Bruder, sich nun als guter Freund und Spielpartner tarnt? Das wäre der falsche Weg, sagt Raftopoulos:

"Nein, nein, keineswegs. Ein Element ist ja, dass diese Systeme darauf bauen, Leute zu motivieren. Die Leute sind ja nicht dumm. Sie merken, ob ein System so gebaut ist, dass es sie ausspioniert und ausnutzt. Das können sie schnell sehen und verstehen."

Unternehmen nutzen die Motivation über Elemente von Spielen aber nicht nur, um mehr über Kunden zu wissen und sie an sich zu binden. Sie wollen außerdem die eigenen Mitarbeiter produktiver machen. Die niederländische Rabobank hat mit Maarten Molenaar dafür sogar einen eigenen Gamification Manager unter Vertrag. Sein Unternehmen nutzt von Spielen entliehene Denkweise unter anderem dazu, um die Bearbeitungszeiten bei Anrufen der Kunden zu verkürzen. Die Indikatoren, um Verbesserungen zu messen, kommen aus der Unternehmenssoftware. Spielanreize wie Wettbewerbe, schnelles Feedback zu Erfolgen und direkte Belohnung haben die Bearbeitungszeiten der Anfragen deutlich reduziert. Also doch Big Brother? Maarten Molenaar gibt dazu eine klare Antwort:

"Big Brother war immer da, aber nun haben wir ein transparenteres System. Die Leute wurden schon immer gefeuert oder befördert aufgrund ihrer Leistung. Aber es war nicht klar, wie sie in den Prozess eingreifen können."

Es gehe um Transparenz, nicht um Überwachung, betont Molenaar. Der sinnvolle Umgang mit Daten sei einer der großen Herausforderungen, unterstreicht Amir Kassaei, internationaler Kreativchef der Werbeagentur DDB:

"Das Verstehen von Daten ist ein Riesenproblem, und zwar weniger, was die Aufgeregtheit der Beteiligten anbelangt, sondern dass man versteht, wenn man die Daten in der richtigen Art und Weise miteinander verknüpft und wirklich Werte daraus zieht, dass man das Leben der Menschen besser, einfacher und effizienter machen kann."

Bestehende IT-Plattformen könnten diese Anforderungen nur teilweise bedienen, sagt Raftopoulos. Deshalb könne sie auch die Frage nach ihrer Lieblingsanwendung mit Spielkonzepten noch gar nicht beantworten:

"Die wurde noch nicht erfunden. Ich denke, die bestehenden Lösungen unterstützen die bestehenden Systeme. Teilweise werden sie auch benutzt, um deren Unzulänglichkeiten zu beheben. Die große Chance ist es, die Denke von Spielen und das Design von Spielen zu nutzen, um Systeme neu zu erfinden. Derzeit halten wir sinkende Schiffe über Wasser. Das ist in Ordnung. Was wir aber tun sollten, ist, ein ganz anderes Schiff zu bauen."

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