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StartseiteKommentare und Themen der WocheEin abgesagter Gipfel ist besser als ein geplatzter26.05.2018

Spitzentreffen der USA mit NordkoreaEin abgesagter Gipfel ist besser als ein geplatzter

Angesichts der Differenzen sei es gut gewesen, das Treffen zwischen US-Präsident Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un zunächst abzusagen, meint Asienkorrespondent Martin Fritz. Das größte Risiko bleibe die Geltungssucht von Präsident Trump, der unbedingt als der Größere und Mächtigere hervorgehen wolle.

Von Martin Fritz

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US-Präsident Donald Trump und der nordkoreanische Machthhaber Kim Jong Un (imago)
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US-Präsident Donald Trump war gut beraten, das Gipfeltreffen mit Kim Jong-un zunächst abzusagen. Das Risiko eines Scheiterns in Singapur, die Gefahr eines diplomatischen Eklats mit einer anschließenden Eskalation, war einfach zu groß. Ein abgesagter Gipfel ist besser als ein geplatzter. Der Deal-Maker Trump konnte einfach nicht mehr ignorieren, dass der große Abstand zwischen seiner Position und der von Kim einen Deal unmöglich machte, den Trump als Sieg verkaufen könnte.

Der US-Präsident will ein sofortiges, vollständiges und überprüfbares Ende der Atomrüstung. Doch die Nordkoreaner wollen als Atommacht anerkannt werden, nur schrittweise abrüsten und dafür mit einem sofortigen Abbau der Sanktionen belohnt werden. Das wäre ein Geschäft zwischen den USA und Nordkorea nach dem alten Muster gewesen. Ein Geschäft nach dem Muster von Barack Obama, George W. Bush und Bill Clinton. Solche Deals hatte Trump immer kritisiert, daher konnte er jetzt nicht in die gleichen Fußstapfen treten.

Geöffnete Türen sind wieder geschlossen

Die Führung von Nordkorea hat Trump das Gipfeltreffen in der Hoffnung angeboten, dass der impulsive und selbstverliebte Präsident aus dem alten Verhaltensmuster der USA in den Beziehungen zu Nordkorea ausbrechen würde. Diese aus der Sicht von Nordkorea historische Chance will man nutzen. Man habe auf eine Trump-typische Lösung gehofft, erklärte der nordkoreanische Vize-Außenminister Kim nach der Absage entwaffnend ehrlich. Als dem Norden jedoch klar wurde, dass sich diese Hoffnung nicht erfüllen würde, schlug man die selbst geöffneten Türen wieder zu. Die Telefonanrufe der Amerikaner blieben unbeantwortet.

Denn Nordkorea sieht sich in einer Position der Stärke: Erstens kann man die USA erstmals in seiner Geschichte mithilfe von atomaren Langstreckenraketen direkt bedrohen. Zweitens hat der diplomatische Prozess der vergangenen Monate die weltweite Einheitsfront für harte Wirtschaftssanktionen aufgeweicht: Sowohl Südkorea als auch China haben Nordkorea bereits ihre Bereitschaft zum Nachgeben signalisiert.

Beide Seiten müssen ihre Arroganz zügeln

Für Präsident Trump wäre ein erfolgreicher Gipfel in Singapur die beste vorstellbare Imagepflege, deshalb wollte er ihn haben und will ihn auch weiter haben. Aber einen Erfolg wird es nur geben, wenn sowohl die USA als auch Nordkorea ihre Arroganz zügeln und eine Kompromissformel finden, die für beide Seiten schmerzhaft ist. Ohnehin kann das Treffen in Singapur nur eine vertrauensbildende Maßnahme sein und ernsthafte Verhandlungen nicht ersetzen. Diplomatie funktioniert nicht wie der Kauf und Verkauf von Immobilien. Das scheint Trump immer noch nicht verstanden zu haben.

Doch die Hardliner in Washington – also Sicherheitsberater John Bolton, Außenminister Mike Pompeo und Vize-Präsident Mike Pence – wollen lieber keinen Deal als einen vermeintlich schlechten Deal, egal ob mit Iran oder Nordkorea. Sonst hätten Bolton und Pence Nordkorea nicht öffentlich mit Libyen verglichen. Dessen Staatschef Muammar al-Gaddafi gab seine Atomprogramm auf und durfte dafür zurück in die internationale Gemeinschaft, aber wurde acht Jahre später von seiner eigenen Bevölkerung ermordet.

Dominanz der Betonköpfe in beiden Regierungen

Aber auch die Verantwortlichen in Pjöngjang haben einfach ihr altes Drehbuch aus der Schublade geholt, das nach dem Motto geschrieben ist: Viel versprechen, wenig liefern. Die Sprengung des Atomtestgeländes für Fernsehjournalisten war eine Propagandaschau, wie sie jeder ausländische Besucher in Nordkorea in der einen oder anderen Variante vorgeführt bekommt. Fachleute wurden nicht eingeladen. Transparenz geht anders.

Die Dominanz der Betonköpfe in beiden Regierungen bedeutet auch, dass das Treffen doch nicht zustande kommen könnte. Dann droht das Verhältnis beider Länder schnell wieder aus dem Ruder zu laufen. Das größte Risiko bleibt die Geltungssucht von Präsident Trump, der aus der Begegnung mit Kim oder einem Kräftemessen zu einem späteren Zeitpunkt unbedingt als der Größere und Mächtigere hervorgehen will. Das ist leider keine gute Voraussetzung, um einen fast 70 Jahre alten äußerst komplexen Konflikt zu beenden.

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