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StartseiteSport am WochenendeSpitzfindige Milde07.11.2011

Spitzfindige Milde

Anti-Doping-Berichte 2010 ohne finanzielle Folgen für Verbände

Mitte Dezember berät der Sportausschuss die Anti-Doping-Berichte der Verbände für 2010. Zum dritten Mal prüften Nationale Anti-Doping-Agentur Nada und Bundesverwaltungsamt, ob es Verstöße gegen den Nada-Code gab. Dem Deutschlandfunk liegt der Bericht schon vor, spannend ist er - nur vordergründig nicht.

Von Grit Hartmann

Andrea Gotzmann, Vorstandsvorsitzende der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA), kann die Angaben der Verbände mangels Personal nicht überprüfen. (picture alliance / dpa / Ralf Jarkowski)
Andrea Gotzmann, Vorstandsvorsitzende der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA), kann die Angaben der Verbände mangels Personal nicht überprüfen. (picture alliance / dpa / Ralf Jarkowski)

Der Anti-Doping-Kampf im deutschen Sport läuft sauber - und verhält es sich mal anders, dann bleibt das auch folgenlos. So darf man das Ergebnis der Überprüfung der Sportfachverbände für das Jahr 2010 zusammenfassen. Rein faktisch lautet es: Kein einziger Verband muss Fördermittel zurückzahlen. Das folgert die so genannte zuwendungsrechtliche Stellungnahme des Bundesverwaltungsamtes, kurz BVA, zum Prüfbericht der Nada. Dieser Bericht basiert auf Selbstauskünften der Verbände, für echte Prüfung fehlt der Nada das Personal. Auch das BVA unterzog nur sechs Verbände einer Stichprobe. Deshalb verwundert das lupenreine Resultat erst auf den zweiten Blick: Denn nur 34 Verbände bekamen, im Bürokratendeutsch: "Entlastung ohne Hinweise".

Bei 21 Verbänden war der Persilschein "mit Hinweisen" versehen. Ihnen wurden - Zitat - "redaktionelle Defizite" in der Umsetzung des seit 2009 gültigen Nada-Codes attestiert. Das mündete aber nur in die Forderung, diese Mängel "schnellstmöglich zu beheben". Von der Nachsicht profitieren gleich zwölf olympische Spitzenverbände, darunter dopinggefährdete wie Boxen, Gewichtheben, Ringen, Triathlon und auch der Schwimmverband, dem Christa Thiel vorsteht, die DOSB-Vizepräsidentin Leistungssport.

Nur bei einem Verband schienen die Verstöße gravierend genug für eine Anhörung: Im Deutschen Ruderverband, 2010 mit 2,1 Millionen Euro vom Bund alimentiert, fehlten die Schiedsvereinbarungen mit den Athleten. Diese legen fest, dass bei Dopingfällen zunächst die Sportgerichte anzurufen sind. Der DRV meldete erst vor acht Wochen Vollzug, bei 95 Prozent des Kaders. Die Milde für 2010 erklären die Prüfer spitzfindig: Es reiche aus, wenn ein Athlet nach einem positiven Test unterschreibe. Fragen wirft auch das Ende des achtseitigen BVA-Papiers auf: Verwiesen wird schon jetzt auf Verstöße, die "gegebenenfalls" für 2011 relevant sein könnten.

Das wird vielleicht der Sportausschuss erklärt haben wollen, auch wenn nicht sicher ist, wie weit die Nachfrage geht. Bei der ersten Überprüfung mussten noch 19 Verbände zahlen. Im letzten Jahr war es nur einer. Als die Abgeordneten Genaueres wissen wollten, verweigerte BMI-Staatssekretär Christoph Bergner Auskünfte. Dafür müsse schon "besonderes Informationsinteresse" geltend gemacht werden. Der Ausschuss verzichtete.

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