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StartseiteSport am Wochenende"Sport wehrt sich" gegen Rechtsextreme14.08.2010

"Sport wehrt sich" gegen Rechtsextreme

Konferenz in Leipzig arbeitet gegen Rechts

Brandis, Mügeln oder zuletzt Laucha. Die kleinen Ortschaften in Ostdeutschland stehen mittlerweile beispielhaft für rechte Übergriffe auf Sportvereine. Um den Vereinen eine Hilfestellung zu geben, hat der Landespräventionsrat in Sachsen eine Konferenz in Leipzig organisiert.

Von Peer Vorderwülbecke

Rechtsradikale Skinheads (AP)
Rechtsradikale Skinheads (AP)

"Sport wehrt sich - Leipziger Sportvereine gegen Vereinnahmung durch Rechtsextremisten", das war der Titel dieser Regionalkonferenz. Im Leipziger Umland hört man immer wieder von angeblich "national befreiten Zonen", bekennende rechtsextreme nehmen am Spielbetrieb Teil und auch bei manchen Trainern ist die rechtsextreme Gesinnung mittlerweile allgemein bekannt. Aber sind Sportvereine bereits von rechten unterwandert? Martin Döring vom sächsischen Verfassungsschutz gibt, zumindest teilweise, Entwarnung:

"Wir können nicht sagen, dass es gezielte Infiltrationsversuche gibt, aber es ist sehr wohl feststellbar, dass einzelne Aktive ihre Akzeptanz innerhalb des Vereins nutzen, um ihre rechtsextremistischen Ideologien, ihre verfassungsfeindlichen und rassistischen Ideologien zu verbreiten."

Allerdings wird diese Verbreitung nicht gezielt und systematisch von der NPD oder rechten Kameradschaften gesteuert. Bekannt ist aber, dass die NPD schon seit Jahren nicht nur den Kampf um die Köpfe, sondern auch den Kampf um die Straße propagiert. Und dazu gehört eben auch der Kampf um die Sportplätze. Dass sich rechtsradikale also gezielt im Sportverein engagieren - diese Bestrebungen hat der Verfassungsschutz durchaus festgestellt. Beobachtet wird deshalb aber noch kein sächsischer Sportverein.

Ist die Übernahmeangst also unbegründet, die Regionalkonferenz gar überflüssig? Sven Forkert, Geschäftsführer des Landespräventionsrates in Sachsen und Mitveranstalter sieht das aus einem anderen Blickwinkel – ihm geht es um die Prävention:

"Wenn es jetzt schon die gezielte, strukturierte Unterwanderung an allen Orten gäbe, dann ginge es ja nur noch um Intervention und Schadensbegrenzung, soweit sind wir ja Gott sei Dank noch nicht. Insofern sind wir am richtigen Punkt, um vorbeugend und intensiv anzusetzen."

Und deshalb wurden auch verschiedene Workshops abgehalten. Dabei ging es um rechtsextreme Symbolik, um konkrete Antidiskriminierungsarbeit im Verein, oder auch um die zahlreichen Beispiele aus Hessen und Thüringen, wo bereits konkrete Arbeit geleistet wird gegen Rechtsextremismus im Sport. Am gefragtesten war der Workshop von Rechtsanwalt Michael Röcken aus Bonn. Er zeigte die rechtlichen Rahmenbedingungen auf, wie man gegen politische Extremisten im Sportverein vorgeht und wie man diese Extremisten auch wieder los wird:

"Man kann beispielsweise einen Unvereinbarkeitsbeschluss in die Satzung implementieren, der sagt: Eine Mitgliedschaft in der NPD ist mit einer Mitgliedschaft im Verein unvereinbar. Dann könnte man perspektivisch schon so was vermeiden."

Aber gerade in der Jugendarbeit ist der Ausschluss ja nicht immer der beste Weg, denn schließlich kann das Leben in einem Sportverein ja auch eine positive, integrierende Wirkung haben. Martin Döring – der im sächsischen Verfassungsschutz ja auch für Prävention zuständig ist, fordert eine klare Linie:

"Setzt euch zusammen, macht euch Gedanken, sprecht die Mitläufer an, versucht sie für eine demokratische Vereinsarbeit zu gewinnen. Und wo das nicht geht, bei den ideologisch gefestigten Kadern, da kann es nur eins heißen: Raus mit ihnen."

Auf diese Weise wäre dann auch für den Verein die Gefahr gebannt, von Rechtsextremen unterwandert oder gar übernommen zu werden.

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