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StartseiteNachrichten vertieftOffenbar systematischer Pfusch bei Forschungsarbeiten06.01.2016

Sportmedizin FreiburgOffenbar systematischer Pfusch bei Forschungsarbeiten

Eigentlich sollte die "Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin" sich mit der Dopingvergangenheit der Hochschule beschäftigen. Doch dabei stieß sie in etlichen Doktorarbeiten und Habilitationen auf Plagiate und andere Formen wissenschaftlichen Fehlverhaltens. Die Kommission spricht von einem "Forschungsskandal" und machte die Vorwürfe jetzt öffentlich.

Wegweiser an der Uni Freiburg zur Sportmedizinischen Abteilung (picture alliance / dpa  / Patrick Seeger)
Nach den Dopingvorwürfen muss sich die Freiburger Sportmedizin nun mit Plagiatsfällen befassen (picture alliance / dpa / Patrick Seeger)
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Zahlreiche sportmedizinische Arbeiten mit zum Teil erheblichen wissenschaftlichen Mängeln hat die Untersuchungskommission gefunden. Die Vorsitzende des Gremiums, Letizia Paoli, sagte, es handle sich dabei um eine "neue Dimension wissenschaftlichen Fehlverhaltens mit möglicherweise gravierenden Folgen für das Fach Sportmedizin".

Entdeckt wurden bei den untersuchten Arbeiten aus den Jahren nach 1980 unter anderem Fälschungen von Daten, Selbstplagiate und Manipulationen. In dem jetzt vorgelegten Zwischenbericht heißt es, dass hochkarätig publizierte Arbeiten wohl auf Fälschungen von Daten und Selbstplagiaten beruhten, Originaldaten aus den ursprünglichen Arbeiten weggelassen wurden, wissenschaftliche Arbeiten "mit geringfügigen Änderungen ohne entsprechenden Hinweis mehrfach in unterschiedlichen Fachzeitschriften publiziert" wurden und fehlerhafte Publikationen die Grundlage für erfolgreiche Bewerbungen auf Lehrstühle und Forschungsanträge waren.

Als Konsequenz verlangt die Kommission die Einsetzung einer Task Force, um die Vorwürfe zu klären. Sie rief Wissenschaftler, die an Forschungsarbeiten an der Abteilung Sportmedizin beteiligt waren, dazu auf, sich an der Aufklärung zu beteiligen.

Offenbar systematisch und bewusst manipuliert

Der Dopingforscher Perikles Simon, Mitglied der Kommission, sagte im Deutschlandfunk, es sei erschreckend, wie systematisch von manchen Autoren Manipulationen durchgeführt worden seien. Dies müsse den Autoren und auch dem damaligen Abteilungsleiter Joseph Keul bewusst gewesen sein. Wie Simon erklärte, stieß die Kommission auch auf wissenschaftliche Publikationen, bei denen die Namen der Autoren falsch geschrieben wurden. Möglicherweise seien also auch Forscher ohne ihr Wissen als Autoren genannt worden. Zugleich betonte Simon, es habe an der Uni Freiburg auch sehr gute Arbeiten gegeben.

Die Sportmedizin an der Universität Freiburg war besonders im Zusammenhang mit den Dopingpraktiken bei der Radsport-Mannschaft "Team Telekom" in Verruf geraten. Diese hatten 2007 zum Rückzug der Deutschen Telekom aus dem Radsport-Sponsoring geführt. ARD und ZDF beendeten im Jahr darauf die Live-Übertragungen von der Tour de France. Auch die Evaluierungskommission an der Uni Freiburg wurde 2007 eingesetzt. Sie soll in den kommenden Wochen ihren Abschlussbericht vorlegen.

(adi/am)

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