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StartseiteSport am WochenendeUmgang mit Missbrauch24.05.2015

SportpolitikUmgang mit Missbrauch

In Kirchen, Schule und Sportvereinen ist sexueller Missbrauch nicht selten. Die Täter nutzen das Vertrauensverhältnis aus. In Berlin ist jetzt ein Betroffenenrat vorgestellt worden - ohne Vertreter aus dem organisierten Sport.

Matthias Katsch im Gespräch mit Andrea Schültke

Ein Trainer und eine Spielerin beim Fußballtraining (afp / Patrik Stollarz)
Ein Trainer und eine Spielerin beim Fußballtraining (afp / Patrik Stollarz)

Vor fünf Jahren hat das Bekanntwerden vieler Fälle des sexuellen Missbrauchs in Kirchen, Schulen und anderen Institutionen die deutsche Öffentlichkeit erschüttert. Aufarbeitung wurde versprochen, durch einen runden Tisch und durch einen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Betroffene kamen dabei kaum zu Wort. Das soll sich jetzt ändern. 15 Frauen und Männer bilden jetzt einen Betroffenenrat und arbeiten mit dem Unabhängigen Beauftragten zusammen.

Am Freitag hat sich der Betroffenenrat offiziell vorgestellt, ohne Vertreter aus dem organisierten Sport. Dabei ist aber Matthias Katsch, der im Berliner Canisiuskolleg Missbrauch erlebt hat. "Wir wissen von Betroffenen aus zahlreichen Sportkontexten, Leistungs-  wie Vereinssport", sagte der 52-Jährige im Deutschlandfunk. Er verwies auf Olympiatrainer, die wieder zum Einsatz gekommen seien, "obwohl man von ihren Übergriffen wusste, weil man sich erhoffte, Goldmedaillen zu erringen."

Die Schweigestrukturen im Sport hätten mit diesem enormen Druck, der auf allen Beteiligten laste, zu tun. "Solange wir nicht das durchbrechen, werden wir nur schwer diesen Sumpf trocken legen können", sagte Katsch im DLF.

Er äußerte die Hoffnung auf eine "ernsthafte" Initiative seitens des Sports, damit für Betroffene ein Klima entstehe, sich auch öffentlich zu zeigen. "Ich würde zudem wünschen, dass es eine Aufarbeitungsanstrengung für die Verquickungen von Gewalterfahrung, Strukturen des Schweigens, Missbrauch und Doping im Bereich des Sports gebe."

Katsch setzte sich für eine externe Aufarbeitung ein. "Um Vertrauen zu haben, müssen Aufarbeitung und Aufklärung eine Distanz haben zum Tatort und den Strukturen, die zu diesem Tatort mit dazu gehören."

Das vollständige Gespräch können Sie bis mindestens 24. November 2015 nachhören.

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