• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
StartseiteSport am WochenendeChina kauft Winterspiele04.04.2015

SportrechteChina kauft Winterspiele

Der europäische Sportrechtemarkt steht im Fokus von Investoren und Medienkonzernen aus aller Welt. Staatsfonds und Unternehmen aus dem Mittleren Osten, China und den USA kaufen sich in europäische Unternehmen ein. Neben der Rendite im milliardenschweren TV-Rechtemarkt verfolgen die Geldgeber auch sportpolitische Ziele.

Heinz Peter Kreuzer

Eine TV-Kamera mit Sucher und Spielern der deutschen Fußball-Nationalmannschaft,  (AP)
Für Sportrechte ist ein globaler Markt entstanden (AP)

Beim Wettbieten um die Fernsehrechte der englischen Premier League konnten sich die Sender Sky und BT Sports noch gegen den US-Konzern Discovery Communications durchsetzen. Aber immer öfter gewinnen Unternehmen aus dem Mittleren Osten, China und den USA im Rechtepoker. Professor Henning Vöpel, der Direktor des Hamburger Weltwirtschafts-Instituts, ist von dieser Entwicklung nicht überrascht.

"Wir erleben nach der Kommerzialisierung des Sports so etwas wie eine Instrumentalisierung. Man versucht tatsächlich über den Sport Märkte zu erschließen, und das wird ganz strategisch angegangen."

Der Wirtschaftswissenschaftler Vöpel beobachtet seit Jahren die globalen, ökonomischen Strömungen im Weltsport:

"Dahinter steckt natürlich die Idee, dass man sich in die Entscheidungsnetzwerke einkauft, um eben später einmal bessere Chancen zu haben, Sport-Großereignisse ins eigene Land zu holen, das versucht man jetzt sehr strategisch anzugehen."

Bestes Beispiel für Vöpels These ist der chinesische Immobilienkonzern Dalian Wanda. Im Januar verkündete das Unternehmen eine 20 Prozent-Beteiligung am spanischen Fußball-Meister Atletico Madrid. Im Februar dieses Jahres erwarb die Wanda-Gruppe für mehr als eine Milliarde Euro die Schweizer Sportvermarktungs-Agentur Infront. Wanda-Vorstandschef Wang Jianlin begründete den Kauf unter anderem mit dem Drei-Stufen-Plan von Staats-Präsident Xi Jinping für die Entwicklung des Fußballs in China:

"Unser Präsident hat gesagt, er hat drei Träume: Die Teilnahme Chinas an der Fußball-Weltmeisterschaft, das WM-Turnier zu veranstalten und vielleicht irgendwann Weltmeister zu werden. Die Stärke von Infront ist das Geschäft mit Fußball und Wintersport. Und mit den Ressourcen von Infront können wir die Verwirklichung dieser drei Träume beschleunigen."

China will Winterspiele 2022

Die Entscheidung über die Weltmeisterschaft 2026 fällt erst 2017. In diesem Jahr will China aber mit Hilfe von Infront die Olympischen Winterspiele 2022 nach Peking holen. Denn die Schweizer Agentur vertreibt die internationalen Marketing- und TV- Rechte fast aller Wintersport-Verbände.

"Das hat sicherlich auch mit der Olympiabewerbung zu tun, dass man auch versucht, sich in die Netzwerke einzukaufen. Die dann eben sehr einflussreich sind, auch bei der Vergabe Olympischer Spiele oder anderer Großveranstaltungen."

Für Dalian Wanda wäre eine erfolgreiche Olympiabewerbung auch in anderer Hinsicht ein gutes Geschäft. Der Immobilienkonzern könnte von den zahlreichen Neubauten für Olympia profitieren und so den überhöhten Kaufpreis für Infront refinanzieren.

TV-Konzern aus Katar expandiert in Europa

Auch der TV-Konzern und Rechtehändler beIN Sports aus Katar expandiert in Europa. Im französischen Pay-TV-Markt ist die Al Jazeera-Tochter Marktführer. Und in Spanien hat beIN schon erste Joint Ventures geschlossen und Digital-Lizenzen beantragt. Alles im Hinblick auf die zukünftige Zentralvermarktung der Fernsehrechte der Primera Division. Frankreich und Spanien sind die geeigneten Einstiegsländer für beIN, erläutert Professor Vöpel:

"Das ist natürlich für diese Investoren ein guter Einstieg in Länder zu gehen, die eine gewisse Nähe haben, politische Nähe, kulturelle Nähe."

Aber beIN makelt auch mit Rechten. Das katarische Unternehmen kauftedie Rechte für die Handball-Weltmeisterschaft 2015 für die Rekordsumme von 80 Millionen Euro. Beim Rechteweiterverkauf liegt der Schwerpunkt nicht unbedingt auf den Erlösen, sondern dem Schutz der eigenen Kanäle. So blieb in Deutschland der Bildschirm bei ARD und ZDF schwarz, weil die öffentlich-rechtlichen Sender die Übertragungen über Satellit nicht verschlüsseln wollten. Als Notlösung war die Handball-WM in Deutschland nur beim Bezahlsender Sky zu sehen. Obwohl doch der Weltverband dem nicht qualifizierten deutschen Team eine umstrittene Wildcard zugespielthatte, damit der wichtigste Handball-Markt der Welt in Katar vertreten war.

"Das heißt, nicht einmal die Interessen der Weltverbände oder des Sports, der Sportfachverbände stehen hier im Vordergrund, sondern ganz offensichtlich nimmt man hier in Kauf, dass auch der Bildschirm mal schwarz bleibt. Also die Übertragungsrechte gar nicht genutzt werden oder vermarktet werden. Und wie gesagt, das zeigt umso mehr, wie die strategischen Interessen hinter diesen Engagements sind."

Interessen auch aus den USA

Strategische Interessen in Europa hat auch Discovery Communications  aus den USA. Erst kaufte das bisher hauptsächlich auf Dokumentationen spezialisierte Medienhaus die skandinavische Senderkette SBS des ProSiebenSat1-Konzerns und kontrolliert jetzt 12 Sender in den nordischen Ländern. Und 2014 übernahm der US-Konzern die Mehrheit an Eurosport. Discovery-Vorstandsboss David Zasley:

"Eurosport ist für uns ein großartiges Asset. Der Sender ist in 71 Ländern zu sehen, wir erreichen über 200 Millionen Haushalte und er ist profitabel. Eurosport ist die einzige paneuropäische Sport-Plattform und sie verfügt über unverzichtbare Live-Rechte. Für uns als der weltgrößte Pay-TV-Anbieter ist Eurosport das Zentrum unseres internationalen Geschäftes.

Wie Discovery nutzen die Medienkonzerne für ihre internationale Expansion die technologische Weiterentwicklung der Digitalisierung. Dadurch ist ein globaler Markt für Sportrechte entstanden.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk