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StartseiteCampus & KarriereWird künftig auf Englisch statt Deutsch gelehrt?04.12.2015

Sprache an HochschulenWird künftig auf Englisch statt Deutsch gelehrt?

Im internationalen Vergleich ist die Sprache der akademischen Wahl Englisch. Auch deutsche Bachelorarbeiten werden immer öfter mit englischem Titel versehen, um im wissenschaftlichen Diskurs nicht unterzugehen. Droht der Untergang der deutschen Sprache an den Hochschulen? Das Goethe-Institut hat darüber an der TU Berlin diskutiert.

Von Verena Kemna

Gebäude der Technischen Universität (TU) Berlin in der Straße des 17. Juni. (dpa / picture alliance / Hubert Link)
Bereits jetzt wird etwa jeder zehnte Masterstudiengang in Deutschland auf Englisch angeboten: Ein Plus für den Studienstandort Deutschland im globalen Wettbewerb. (dpa / picture alliance / Hubert Link)

Falk Morano studiert im 3. Semester Lebensmittelchemie an der Technischen Universität Berlin, Lehrsprache ist Deutsch. Aber Englisch gehört völlig selbstverständlich zum Handwerkszeug eines jeden Chemiestudenten. Im Grundstudium muss der deutsche Muttersprachler zunächst die internationale "Formelsprache der Chemie" erlernen. Spätestens im Masterstudiengang wird das Verstehen aktueller Forschungsberichte, die meist auf Englisch verfasst sind, vorausgesetzt, erklärt Falk Morano:

"Meine persönliche Empfindung ist, dass es nahezu obligatorisch ist, wenigstens im Grunde Englisch zu können. Wenn man später in den Job geht, findet man quasi nichts mehr, wo man nicht wenigstens etwas bilingual arbeiten muss."

Den ohnehin schwierigen Studiengang aber komplett auf Englisch umzustellen, hält der Chemiestudent auch für keine gute Lösung. Er plädiert stattdessen für bilinguale Seminare:

"Die Vorlesungen sind schwer genug und dann auch noch auf Englisch, da würde sehr wenig hängen bleiben. Wir könnten als Kompromiss Seminare auf Englisch führen. Hier kann man dann schwierige Sachverhalte auf Deutsch klären, aber dann wenigstens ein bisschen Englisch reinbringen, sodass man wenigstens den Grundbedarf abdeckt. Denn später im Berufsleben wird man ins kalte Wasser geworfen oder man hat sowieso sehr eingeschränkte Berufsaussichten."

Seminare auf Englisch - Alltag auf Deutsch

Englischsprachige Seminare sollten in naturwissenschaftlichen Studiengängen Alltag sein, sie erleichtern den Einstieg in die spätere Arbeitswelt, so der Chemiestudent. Auch Gerhard Müller, Vizepräsident für Studium und Lehre an der Technischen Universität München, hält Englisch als Sprache der Lehre spätestens nach dem Bachelorstudium für obligatorisch:

"Beim Master ist es so, dass ich davon überzeugt bin, dass man in Abhängigkeit der jeweiligen Fächer, aber in den Natur- und Ingenieurwissenschaften sicherlich durchgängig, besser beraten ist, dort dann englischsprachig zu lehren. Es ist aber nicht so, dass die deutsche Sprache an der Pforte der Universität abgelegt wird."

Deutsch, quasi als "Alltagssprache" an der Uni und Englisch als Rüstzeug, um international gut aufgestellt zu sein. Bereits jetzt wird etwa jeder zehnte Masterstudiengang in Deutschland auf Englisch angeboten. Ein Plus für den Studienstandort Deutschland im globalen Wettbewerb.

Andererseits zieht es auch immer mehr Studierende aus dem Ausland nach Deutschland, die später hier arbeiten wollen, so wie Pandiyan Kannadasan. Der Inder studiert an der TU Berlin "New Energy Technologies", kurz, Regenerative Energien. Der Masterstudiengang wird auf Englisch angeboten. Doch Pandiyan Kannadasan bemüht sich, immer besser Deutsch zu lernen. Schließlich möchte er einmal hier arbeiten:

"Deswegen glaube ich, ist die deutsche Sprache sehr wichtig für mich. Zum Beispiel, wenn ich als Projektleiter in einem Kraftwerk arbeiten möchte, dann muss ich mit den Arbeitern in deutscher Sprache reden."

"Mehrsprachigkeit muss das Ziel sein"

Ein passendes Konzept, nach dem Kannadasan parallel auch noch Deutsch lernen könnte, hat die Universität nicht parat. Keine Ausnahme, meint Christian Fandrych, Direktor des Herder Instituts an der Philologischen Fakultät der Universität Leipzig. Er ist überzeugt, dass das Phänomen "Sprache in der Wissenschaftlichen Lehre" viel zu stiefmütterlich behandelt wird. Weder könnten Studiengänge beliebig auf Englisch umgestellt werden, noch hätten deutsche Studierende die fachlichen Voraussetzungen, um ihr Studium mal eben auf Englisch zu absolvieren. Christian Fandrych fordert deshalb neue Konzepte für die deutschen Universitäten:

"Wie man fachbezogen Sprachunterstützung anbietet, aber eventuell auch bestimmte Fachveranstaltungen vor- und nachbereitet, mit Materialien, auch mit Tutorien, um Mehrsprachigkeit zu ermöglichen. Ich glaube, Mehrsprachigkeit muss das Ziel sein, nicht eine monolinguale Universität, weder auf Deutsch noch auf Englisch."

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