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StartseiteEuropa heuteStändig konfrontiert mit Vorurteilen16.09.2010

Ständig konfrontiert mit Vorurteilen

Auch Italien will Rumänen loswerden

Zwar ist ist die Kritik an Frankreich in der Roma-Frage groß, doch alleine steht das Land nicht da. Italien kann dem französischen Kurs einiges abgewinnen. Ministerpräsident Berlusconi verweist in einem Interview heute darauf, dass der Umgang mit den Roma ein Probelm sei, das alle Länder Europas betreffe.

Von Karl Hoffmann

Roma-Lager in Italien (AP)
Roma-Lager in Italien (AP)

Eine aufgebrachte Menge versuchte im vergangenen Jahr zwei Rumänen zu lynchen. Sie beschuldigten die beiden Männer, eine Frau in der Nähe von Rom vergewaltigt zu haben. Der Zorn war groß, vier unbescholtene Rumänen in einem nahegelegenen Lebensmittelladen mussten sich verbarrikadieren, nachdem sie von jungen Italienern auf offener Straße angegriffen worden waren:

"Sie haben sie bis zu mir in den Laden verfolgt, dann sind sie zum Glück abgehauen. Und das nur um sich an den Rumänen zu rächen."

Nur wenig später gab der römische Bürgermeister Gianni Alemanno die neue Strategie der Behörden bekannt: Razzien gegen nicht sesshafte Menschen in der italienischen Hauptstadt:

"Viele dieser Leute sind der sozialen Kontrolle entglitten. Deshalb ist unser Einschreiten so wichtig. Wir müssen die Lebensqualität der Bürger verbessern und die Sicherheit in den Stadtrandvierteln."

Ziel der Polizeimaßnahmen waren vor allem die Zigeuner in ihren Wohnwagen, die nach Auskunft einer jungen Frau nicht gerade sanft behandelt wurden

"Sie kamen und haben uns aus dem Wohnwagen getrieben, wollten uns wegjagen. Und wir durften nicht mal die Kinder in die Schule bringen. Es war eine regelrechte Razzia von Spezialeinheiten der Polizei, die waren richtig gewalttätig. Dabei haben wir uns nie was zuschulden kommen lassen. Und deshalb pochen wir auch auf unsere Rechte."

Rumänen gelten in Italien, zusammen mit den Bürgern aus Bulgarien als Europäer 2. Klasse. Sie dürfen - obwohl EU Bürger wie alle anderen - ohne offizielle Genehmigung nur bestimmte Tätigkeiten ausüben, etwa in der Landwirtschaft, auf dem Bau, in den Küchen der Hotels und in der häuslichen Pflege. Das regelt ein Gesetz aus dem Jahr 2007.

Tatsächlich sind die circa 650.000 Rumänen unverzichtbar als Haushaltshilfen und in der Altenbetreuung. Trotzdem herrscht in der öffentlichen Meinung das Vorurteil, alle Rumänen seien Zigeuner und deshalb besonders kriminell. Die Statistik beweist das Gegenteil. 18,2 der Immigranten in Italien sind Rumänen. In den Gefängnissen beträgt ihr Anteil unter den inhaftierten Ausländern nur 13 Prozent. Mit ihnen will die italienische Regierung jetzt ähnlich verfahren wie Frankreich. Innenminister Roberto Maroni verlangte deshalb letzte Woche von der EU mehr Handlungsfreiheit bei der Ausweisung :

"Nach europäischem Recht dürfen sich EU-Bürger zu bestimmten Bedingungen in einem anderen EU-Land aufhalten. Sind diese Bedingungen nicht erfüllt, können wir nicht einschreiten. Das hat überhaupt nichts mit den Roma zu tun. Es geht um EU-Bürger, die nach den gemeinschaftlichen Normen kein Aufenthaltsrecht haben. Ich verlange, dass man uns Mittel an die Hand gibt, damit wir Europäische Normen durchsetzen können."

Das heißt: eine reguläre Ausweisung der unbeliebten Rumänen aus Italien.

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