Dienstag, 23.01.2018
StartseiteGesichter EuropasZwischen Ost und West, Asien und Europa06.01.2018

Standortbestimmung TürkeiZwischen Ost und West, Asien und Europa

Für Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk war die Sache klar: Die Zukunft der Türkei liege in Europa, bläute der westlich orientierte Staatsmann seinen überwiegend muslimischen Landsleuten ein. Bald 100 Jahre später klingt das nach verstaubter Geschichte. Die westlichen Werte und die Politik von Staatspräsident Erdogan klaffen auseinander.

Von Luise Sammann

Eine große Türkeifahne hängt am Gelände des Parlamentes in Ankara. (picture alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand)
Wohin gehört das Land, das sich geographisch über zwei Kontinente erstreckt? (picture alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand)

Die jüngsten Spannungen zwischen der deutschen und der türkischen Regierung haben eine alte Frage neu aufgeworfen: Wohin gehört das Land, das sich geographisch über zwei Kontinente erstreckt? Ost oder West, Asien oder Europa? Und was denken die Bürger der Türkei? Von Vorbildern, Träumen und Traditionen.

Gewürzbasar in Istanbul: Das L-förmige Gebäude stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und wurde ursprünglich als Karawanserei erbaut. (picture alliance / zb) (picture alliance / zb)Nach Mekka beten, an Europa orientieren
Europa oder Asien – wohin gehört die Türkei? Darüber streitet das Land nicht erst, seit der Präsident Erdogan heißt. Gerade in der Wirtschaft haben viele Türken längst ihren eigenen Weg gewählt. Die EU ist dabei weniger kulturelle Inspiration als vielmehr Mittel zum Zweck.

Hipper Laden in Istanbul (AFP / Mustafa Ozer) (AFP / Mustafa Ozer)Typisch türkisch, aber anders
Ladenbesitzerin Aytül blickt lieber nach Berlin als nach Mekka. Deswegen wohnt sie auch in Moda. Das Viertel im asiatischen Teil Istanbuls gilt als eine der "liberalen Inseln" der Stadt. Sie möchte nirgendwo anders leben, sagt Aytül. Auch wenn es um sie herum zunehmend konservativer wird.

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Im Istanbuler Viertel Kasimpasa dominieren Männer das öffentliche Leben. Das war schon so, als ein gewisser Recep Tayyip Erdogan hier aufgewachsen ist. Und das soll auch so bleiben, findet Sevinc. Sie hilft nur ausnahmsweise im Laden ihres Vaters aus. Frauen sollten nicht arbeiten, meint sie.

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Das Atatürk-Kulturzentrum in Istanbul galt lange als Symbol für eine Türkei, die ihre Zukunft in Europa sieht. Seit einigen Jahren aber verfällt das Gebäude. Und das ist kein Zufall.

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Viele junge Türken glauben nicht mehr an den EU-Beitritt. In den Russland- und China-Ambitionen ihres Präsidenten finden sie sich aber auch nicht wieder. Dieses "weder-noch" weckt Kreativität. Mit weltweitem Erfolg, wie sich in der Küche zeigt.

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