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Seit 06:50 Uhr Interview
StartseiteSport am WochenendeDüsseldorf fehlen Sponsoren21.02.2016

Start der Tour de FranceDüsseldorf fehlen Sponsoren

Düsseldorf träumt von der ganz großen Bühne, wenn am 1. Juli 2017 in dort die Tour de France startet. Der "Grand Départ" soll Düsseldorf zur Sportmetropole machen. Doch nach der Hochglanzpräsentation vor einigen Wochen geht es jetzt um die Details - und die zeigen, dass es teuer werden könnte.

Von Matthias Friebe

Start der Tour 2015 - um den von 2016 in Düsseldorf gibt es noch Klärungsbedarf. (dpa / picture-alliance / Francis Nicolas)
Start der Tour 2015 - um den von 2016 in Düsseldorf gibt es noch Klärungsbedarf. (dpa / picture-alliance / Francis Nicolas)
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Eine Frage steht über allen Vorbereitungen und Planungen. Wie viel Geld muss die Stadt Düsseldorf selbst in die Hand nehmen, um den Grand Départ auszurichten? In einem "überschaubaren Rahmen" sollen die Investitionen bleiben, verspricht Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD). Daran gibt es inzwischen erhebliche Zweifel.

Erst drei Sponsoren fix

"Ich bin sehr skeptisch, dass das zu einem guten Ende führt", beklagt Rüdiger Gutt, der Fraktionsvorsitzende der CDU im Düsseldorfer Stadtrat. Er fürchtet, dass die Stadt auf den Kosten sitzenbleibt. Denn Sponsoren aus der privaten Wirtschaft, die den Großteil der kalkulierten elf Millionen Euro Ausgaben refinanzieren sollen, sind bis dato Mangelware - trotz einer Werbe-Gala unmittelbar nach der Präsentation der Grand Départ-Pläne im Januar.

Aktuell sind aus der privaten Wirtschaft erst drei Sponsoren fix, eine Augenklinik, ein Versicherungsmakler und eine Rechtsanwaltskanzlei. "Bislang gibt es nur eine Diskussion in Düsseldorf über die Beteiligung der städtischen Tochterfirmen und das ist für uns kein echtes Sponsoring".

Rolle der Messe unklar

Eine halbe Million Euro wird der Flughafen beisteuern. Eine siebenstellige Summe erhoffen sich die Tour-Organisatoren von der Messe Düsseldorf, deren Aufsichtsrats-Chef Oberbürgermeister Geisel ist. CDU-Politiker Gutt schüttelt mit dem Kopf: "Das halten wir für völlig utopisch, auch nicht angemessen und wahrscheinlich rechtlich auch nicht durchsetzbar."

Derzeit läuft eine rechtliche Prüfung. Die sei notwendig und wichtig, betont Norbert Czerwinski von den Düsseldorfer Grünen, "damit dieser Verdacht, da läuft so eine versteckte Finanzierung, um Steuern zu sparen, ausgeräumt wird. Das muss sein. Wir gehen davon aus, dass das Gutachten dann auch sagt, bis zu welcher Höhe ein Sponsoring zulässig ist, nämlich bis zu der Höhe, bis zu der auch ein Werbeeffekt für die Messe feststellbar ist."

Drei Millionen Euro, diese Zahl geistert seit Tagen durch Düsseldorf. Prinzipiell sei die Messe an einer Unterstützung des Tour-Starts interessiert. Genauere Angaben wollte Messe-Direktor Werner Dornscheidt aber noch nicht machen. "Wir prüfen das sehr konstruktiv im Moment. Ich kann da noch nicht viel zu sagen, da es letztendlich auch ein einstimmiger Gremienbeschluss werden muss."

Von den fünf Gesellschaftern dürfen zwei, die Stadt und eine Stadttochter nicht mit abstimmen. Einstimmigkeit bedarf es deshalb zwischen Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer und dem Land Nordrhein-Westfalen. Ob es dazu kommt, scheint aktuell zumindest nicht ausgemachte Sache zu sein.

1,7 Millionen Euro bereits an Tour-Veranstalter überwiesen

Klar ist auch, es könnte sich noch viele Wochen hinziehen. Die schleppende Sponsoren-Suche, die der Oberbürgermeister auch damit begründet, dass vertragliche Grundlagen von Veranstalter ASO erst seit kurzem verfügbar sind, ist nicht das einzige Problem in Düsseldorf. Fraktionsübergreifend wird zu mehr Transparenz aufgerufen. Selbst vom Koalitionspartner, von den Grünen und deren Fraktionschef Norbert Czerwinski: "Wir erwarten hier ganz klar Transparenz geschaffen wird. Haushaltsklarheit, Haushaltswahrheit. Da muss eine Haushaltsstelle rein. Da muss für jeden sichtbar sein, soviel Geld ist drin, soviel Geld ist überwiesen worden. Das gehört zur versprochenen Transparenz dazu. Die muss der OB nachholen."

Groß war der Aufschrei, als bekannt wurde, dass bereits eine erste Tranche von 1,7 Millionen Euro an den Tour-Veranstalter ASO überwiesen wurde. Vor der letzten Ratssitzung vergangene Woche, ging Oberbürgermeister Geisel deshalb in die Offensive und veröffentlichte in einer Pressekonferenz einige der Vertragsdetails. Im Stadtfernsehsender "Center-TV" sagte er: "Ich hab immer gesagt, wir wollen die Tour de France sehr professionell aber auch sehr transparent durchführen. Wenn bestimmte Maßnahmen erforderlich werden, die einer Zustimmung des Rates bedürfen, werden wir die Zustimmung des Rates suchen."

Bisher gibt es lediglich ein Rats-Votum aus dem November, dass für die Opposition keine Abstimmung über die Planung und Finanzierung war, sondern nur ein Votum über die grundsätzliche Bereitschaft zur Bewerbung. Doch Diskussionen gibt es über diese Abstimmung noch aus einem weiteren Grund. Das hauchdünne Ergebnis der geheimen Abstimmung macht nicht klar, ob die Mehrheit mit Stimmen von AfD oder Republikanern erreicht wurde. Für die weitere Zusammenarbeit fordert Grünen-Chef Czerwinski seinen Koalitionspartner auf, breitere Bündnisse zu schmieden. "Für uns gibt es kein Ja, wenn nicht vorher auch klar ist, dass die CDU oder die FDP mit im Boot ist. Wir wollen nicht, dass es platzt. Wir wollen, dass es gelingt. Daran arbeiten wir, weil die Alternative wirklich doof wäre."

Platzt der Start? Wahrscheinlichkeit ist gering

Ausschließen will Czerwinski nicht, dass der Tour-Start noch platzt, die Wahrscheinlichkeit dafür liege aber bei unter einem Prozent. Deutlich skeptischer sieht das Oppositionsführer Rüdiger Gutt. An allererster Stelle müsse geklärt werden, wie hoch die Kosten für die Stadt sind. Der Stadthaushalt sei durch die Versorgung der Flüchtlinge ohnehin sehr belastet. "Insofern braucht es auch eine ehrliche Debatte darüber, wenn es nicht zu den Sponsoring-Einnahmen in der geplanten Höhe kommt, ob dieses Event so stattfinden kann."

Dafür brauche es aber noch eine viel bessere Diskussionsgrundlage in Form von Zahlen. "Da der Oberbürgermeister bislang dieses Finanzierungskonzept dem Rat nicht vorlegen will, werden wir in einem Antrag in der nächsten Ratssitzung genau dieses Konzept beantragen. Wir hoffen damit eine Mehrheit des Rates auch zu bekommen, damit wir möglichst schnell im Rat darüber Beschluss fassen können." Also schon vor dem Prolog der Tour hat Düsseldorf einige Etappen vor sich. Die nächste ist am 10. März in der nächsten Ratssitzung.nächste ist am 10. März in der nächsten Ratssitzung.

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