Freitag, 15.12.2017
Startseite@mediasres"Mit dem Begriff Wahrheit habe ich ein Problem"21.03.2017

Stefan Aust in @mediasres"Mit dem Begriff Wahrheit habe ich ein Problem"

Journalisten? Zu empfindlich gegenüber Kritik! Fake News? Nicht neu! Eine Instanz zur Kontrolle von Wahrheit? Auf keinen Fall! "Welt"-Herausgeber Stefan Aust mit einer medialen Bestandsaufnahme.

Stefan Aust im Gespräch mit Brigitte Baetz

Stefan Aust, Herausgeber der Zeitung "Die Welt" (picture alliance / dpa / Klaus-Dietmar Gabbert)
Stefan Aust, Herausgeber der Zeitung "Die Welt" (picture alliance / dpa / Klaus-Dietmar Gabbert)
Mehr zum Thema

Journalismus und Sprache "So propagieren Journalisten Inhalte, ohne es zu wollen"

Sogenannte Fake News seien nicht neu, schon in der Vergangenheit hätten Nachrichtendienste versucht, Berichterstattung zu beeinflussen, stellt der ehemalige "Spiegel"-Chefredakteur im Interview mit @mediasres klar. "Neu ist, dass jeder heutzutage Meldungen in die Welt setzen kann." Problematisch werde das Thema erst, "wenn eine Kontrolle im Internet eingeführt werden soll, die Wahres vom Falschen unterscheiden soll" - vor allem dann, wenn eine derartige Überprüfung "irgendeinem Ministerium" angegliedert würde.

Grundsätzlich habe er mit dem Begriff Wahrheit "ein bisschen Probleme", gibt Aust zu Protokoll. Oft handle es sich dabei um "Anmaßung". Denn: Viele Informationen könne man unterschiedlich interpretieren. Es gebe viele Dinge, die von den einen als Fälschung aufgenommen würden und von denen andere sagten, ein Teil sei richtig.

"Ein bisschen hysterisch"

Journalisten sollten sich bei einem so "religiösen Begriff" wie Wahrheit nicht festbeißen, fordert der 70-Jährige. Stattdessen gehe es darum, zu "verbreiten, was ist und was man sieht" und "möglichst durchsichtig zu machen, wie man an die Informationen gelangt ist".

Die Berichterstattung im Internet sei "ein bisschen hysterisch geworden", findet Aust. Informationen würden inzwischen zu "immer größeren Tsunamiwellen", manche davon, obwohl sie nicht überprüft seien. Und schon nach kurzer Zeit werde dann wieder "eine neue Sau durchs Netz getrieben".

Und Journalisten reagierten inzwischen zu empfindlich auf Kritik an ihrer Arbeit. "Wer sich von Begriffen wir Lügenpresse verschrecken lässt und das für ernst nimmt, hat nicht genügend Selbstbewusstsein."

Hören Sie hier das Gespräch mit Stefan Aust nach.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk