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StartseiteVerbrauchertippAuch für Studenten lohnt sich das Sammeln von Belegen22.09.2017

SteuererklärungAuch für Studenten lohnt sich das Sammeln von Belegen

Obwohl Auszubildende und Studenten keine Steuern zahlen, können sie trotzdem ihre Ausgaben während der Ausbildung absetzen. Darunter fallen nicht nur Bücher, sondern beispielsweise auch der Fahrtweg. Die Steuererklärung lohnt sich vor allem bei einer Zweitausbildung.

Von Sebastian Moritz

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Eine Frau entleert die letzten Münzen aus ihrer Geldbörse auf ein Steuerformular, das am 12.04.2017 in Berlin auf dem Tisch liegt.  (dpa / Hans-Jürgen Wiedl)
Vor allem bei der Zweitausbildung kann sich die Steuererklärung lohnen. Hier kann man die Kosten über die komplette Dauer der Ausbildung wie auf einem Konto sammeln (dpa / Hans-Jürgen Wiedl)
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Eigentlich gibt es eine einfache Faustregel: Nur, wer tatsächlich Steuern zahlt, kann später auch etwas vom Finanzamt zurückbekommen. Die meisten Auszubildenden brauchen sich deshalb normalerweise nicht um die Steuererklärung zu kümmern. Wer weniger als 12.082 Euro brutto im Jahr verdient, zahlt schließlich auch keine Lohnsteuer.

Finanziell deutlich interessanter ist die Steuererklärung daher bei der Zweitausbildung. Also etwa dann, wenn man sich nach der Ausbildung noch für ein Studium entscheidet oder, wenn man an das Bachelor-Studium noch einen Master dranhängt. Dann nämlich kann man seine Ausgaben über die Dauer der kompletten Ausbildung sammeln und später, wenn man richtig Geld verdient, als vorweggenommene Werbungskosten geltend machen. Walter Niermann, Lohnsteuerreferent im Ministerium der Finanzen in NRW:

"Vereinfacht gesprochen sieht dann der Steuerbescheid wie folgt aus: Positives Einkommen null, Aufwendungen für die Berufsausbildung meinetwegen 8.000 Euro. Dann kann ich diese 8.000 Euro zeitlich unbegrenzt in die kommenden Kalenderjahre mitnehmen."

Entfernungspauschale trotz Semesterticket

Die Steuererklärung muss man dann übrigens nicht zwingend jedes Jahr machen, sondern kann sie auch rückwirkend erledigen. Im Idealfall zahlt man so aber im ersten Jahr der Berufstätigkeit gar keine Steuern oder genauer gesagt: Man bekommt sie mit der Steuererklärung zurück. Im Laufe eines Studiums können schließlich schnell mehrere Tausend Euro zusammenkommen: Studiengebühren, Bücher, teure Nachhilfestunde - selbst den Weg zur Uni kann man geltend machen, sagt Anke Pfeilsticker vom Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe in Köln:

"Auch wenn die das Semesterticket haben, dürfen sie - das ist eben unabhängig vom Verkehrsmittel - die 30 Cent für die Entfernungspauschale geltend machen. Das heißt, man trägt es anders ein, aber es ist egal, ob man ein Fahrrad nutzt, einen PKW oder die öffentlichen Verkehrsmittel."

Sogar die Kosten für die teure Uni-Exkursion ins Ausland bekommt man unter Umständen teilweise wieder, sagt Walter Niermann vom Ministerium:

"Da schaut sich das Finanzamt natürlich an: Was ist auf der Exkursion gemacht worden? Ist da nur nett gefeiert worden oder sind da auch im Zusammenhang mit der Ausbildung stehende Bildungsstätten aufgesucht worden? Was hat man da getan?"

Quittungen und Belege wichtig

Wenn das Finanzamt entscheidet, dass die Exkursion wichtig für das Studium war, gibt es später Geld zurück. Voraussetzung ist allerdings, dass man rechtzeitig daran denkt, Quittungen und Belege aufzuheben, meint Anke Pfeilsticker:

"Da ist mein Vorschlag immer, zum Beispiel bei Internetanbietern, dass man einfach noch mal reingeht und sucht: Habe ich da gegebenenfalls noch Rechnungen, die ich vor vier Jahren hatte. Es gibt manchmal die Eltern, die noch was aufbewahren. Ansonsten die Empfehlung: Immer so viel wie möglich aufbewahren."

Also am besten zu Beginn der Ausbildung einen Ordner anlegen, dann geht auch nichts verloren. Unterm Strich gilt: Vor allem bei der Zweitausbildung kann sich die Steuererklärung lohnen. Hier kann man die Kosten über die komplette Dauer der Ausbildung wie auf einem Konto sammeln. Doch Vorsicht: Dieser Kontostand sinkt, wenn man schon während der Ausbildung Geld verdient. Wer während der Zweitausbildung arbeitet, kann später weniger als Verlustvortrag geltend machen. In der Erstausbildung lohnt sich die Steuererklärung in der Regel nicht. Bei dieser Ungleichbehandlung ist aber das letzte Wort noch nicht gesprochen, da wird das Bundesverfassungsgericht bald eine Grundsatzentscheidung treffen.

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