Wirtschaft und Gesellschaft / Archiv /

 

Steuerfahnder bei der Hypovereinsbank

Erstattungen bei Aktiengeschäften offenbar doppelt kassiert

Von Michael Watzke

Im Visier der Steuerfahndung: die Hypovereinsbank
Im Visier der Steuerfahndung: die Hypovereinsbank (picture alliance / dpa - Stephan Jansen)

Wegen des Verdachts auf millionenschwere Steuerhinterziehung haben Staatsanwälte und Steuerfahnder die Zentrale und mehrere Büros der Hypovereinsbank durchsucht. Die Bank bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Aktienhändler des Geldinstituts und ein Kunde sollen den Staat um knapp 124 Millionen Euro geprellt haben.

Es war ein raffinierter Buchungstrick, mit dem die Hypovereinsbank und ein hessischer Börsenhändler den Staat um 124 Millionen Euro Steuern betrogen haben sollen. Die Bank soll dem Händler Bescheinigungen über Kapitalertragssteuern ausgestellt haben, die dieser gar nicht gezahlt hatte. Beim Finanzamt ließ sich der Geschäftsmann die angeblich gezahlten Steuern mit anderen Abgaben verrechnen. Von den so erzielten Gewinnen kassierte er angeblich ein Drittel, die Bank zwei Drittel. Ein weiteres Verfahren war nach Angaben der Steuerbehörden, dass die HVB mehrere Bescheide über Kapitalertragssteuer ausstellte, obwohl die Steuer nur einmal gezahlt wurde.

Nach Ansicht der Steuerbehörden ist das ganz klar illegal, die Hypovereinsbank wisse das auch schon seit Jahren und habe trotzdem "aktiv an dem System mitgewirkt".

Die offizielle Reaktion der Bank lautet: "Wir kooperieren mit den Behörden und sind an einer umfassenden Klärung interessiert." Der Aufsichtsrat der HVB habe den Bescheid des Finanzamtes angefochten. Er sei nicht rechtskräftig. Und die Bank habe auch nie aktiv an einem System einer möglichen Steuerhinterziehung mitgewirkt. Die beteiligten Bank-Mitarbeiter seien fünf bis sechs Ebenen unterhalb der Chefetage angesiedelt. Und man habe sich schon 2008 von ihnen getrennt.

Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums ist die Hypovereinsbank kein Einzelfall. Auch gegen andere Banken gebe es den Verdacht der Steuerhinterziehung nach dem gleichen Muster. Um welche Summen es geht, dazu gibt es bisher keine Angaben. Spekuliert wird laut Süddeutscher Zeitung aber über Milliardenbeträge.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Wirtschaft und Gesellschaft

Milliarden-Deal mit russischem InvestorRWE darf Tochterunternehmen DEA verkaufen

Das Logo von Deutschlands zweitgrößtem Energiekonzern RWE auf einem Schild, dahinter das Gebäude des Firmensitzes in Hamburg. 

Ein heikler Deal mit Russland, der trotz aller Spannungen in der Ukraine-Krise jetzt auch die Zustimmung der Bundesregierung erhalten hat: Der Energieversorger RWE darf seine Öl- und Gasfördertochter DEA an einen russischen Investor verkaufen.

Wirtschaftswachstum"Der Westen könnte einen Boom erleben"

Das Frankfurter Bankenviertel

INTERVIEW Dass viele westliche Volkswirtschaften derzeit schwächeln, hat nach Ansicht des US-amerikanischen Wirtschaftsnobelpreisträgers Edward Prescott nichts mit dem Finanzsektor zu tun. Sie litten vielmehr unter einer zu hohen Regulierungslast. Es könnte aufwärts gehen - wenn die Politik eine bestimmte Reform anpacke.

Berliner SpeditionsunternehmerZum Tode von Klaus Zapf

Langer weißer Rauschebart, dicke Brille: Der Berliner Umzugsunternehmer Klaus Zapf

Er war links, Dutschke-Freund, er trug einen langen Bart und war Millionär: Klaus Zapf baute eines der größten Umzugsunternehmen in Europa auf. Der Berliner Unternehmer ist jetzt mit 62 Jahren überraschend gestorben.