• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 18:00 Uhr Nachrichten
StartseiteVerbrauchertippBessere Milch von glücklicheren Kühen?27.09.2017

Stiftung WarentestBessere Milch von glücklicheren Kühen?

Die Stiftung Warentest hat länger haltbare Frischmilch untersucht. Ihr Fazit: Wem Tierwohl und faire Preise für die Landwirte wichtig sind, sollte am ehesten zu Bioprodukten greifen. Allerdings gelte nicht der Umkehrschluss, dass es bei konventionellen Herstellern zu gravierenden Verstößen komme.

Von Dieter Nürnberger

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Kühe auf einer Almwiese am Wildkogel in Österreich. (dpa/M. C. Hurek)
Um ein Biosiegel für ihre Milch zu bekommen, müssen Bauern hohe Anforderungen erfüllen. Unter anderem ist entscheidend, wie viel Platz die Tiere zum Laufen haben. (dpa/M. C. Hurek)
Mehr zum Thema

Käse muss aus Milch sein

Milch-Zertifikat Glückliche Kühe kommen von der Weide

Mode aus Milch Auf diese Idee muss man erst kommen

Themenreihe Mittelpunkt Mensch Mode aus Milch

Schlechtes Image Die Milch macht's nicht mehr

Umweltbundesamt Milch und Fleisch sollen teurer werden - da sie klimaschädlich sind

Dubais "Weißes Gold" Milch und Schokolade aus der Wüste

Allgäuer Molkerei Milch von glücklichen Kühen

In den Kühlregalen der Supermärkte dominiert inzwischen die länger haltbare Frischmilch. Während traditionell hergestellte Produkte gekühlt innerhalb von zehn Tagen verbraucht werden sollten, schafft die länger Haltbare bis zu drei Wochen. Dank zweier besonderer Herstellungsmethoden, sagt Warentesterin Anke Kapels:

"Entweder wird es kurzzeitig hocherhitzt, aber nicht so ultrahocherhitzt, wie H-Milch. Die bekommt dadurch oft auch so einen Kochgeschmack. Ein zweites Verfahren ist Mikrofiltration: Da wird dann die Milch durch Membranen gepresst. Weniger Keime, die Milch ist länger haltbar."

14 von 18 Produkten wurden mit "gut" bewertet, "mangelhaft" war keine der länger haltbaren Frischmilchen. In Einzelfällen wurde wegen eines doch deutlicheren Kochgeschmacks abgewertet, oder auch, weil die Verpackung leicht zu schmecken war. Zudem gab es ein Bioprodukt mit viel zu hohen Jodwerten. Doch im Wesentlichen waren die Labor-Ergebnisse nicht zu beanstanden.  

Hochleistungsmilchkuh wird nicht allein von traditionellen Futterpflanzen satt

"Keine krankmachenden Keime gefunden, auch keine Antibiotika-Rückstände. Da ging es eher darum, dass auf einer Milchpackung versprochen wurde, es erfolge ausschließlich eine Fütterung mit traditionellen Futterpflanzen. Es handelte sich dabei um eine konventionelle Milch. Und es ist so, dass eine Hochleistungsmilchkuh nicht allein von traditionellen Futterpflanzen satt werden kann. Das führt den Verbraucher ein wenig hinters Licht." 

Die Stiftung Warentest wollte diesmal auch wissen, welchen Herstellern Tierwohl, Umweltschutz und faire Preise am Herzen liegen. Befragt wurden Anbieter, Molkereien und Landwirte. Und hier sah das Ergebnis schon etwas anders aus. Jene Unternehmen, die hinter den recht bekannten Marken "Weihenstephan" und "Bärenmarke" stehen, verweigerten generell die Auskunft, dafür bekamen sie eine mangelhafte Bewertung. Überzeugen konnten bei diesem Aspekt nur sechs Produkte und fünf davon waren Bio, so Anke Kapels: 

"Biomilch heißt immer höheres Engagement: Sowohl, was das Tierwohl angeht, als auch die Erzeugerpreise. Konkret: Was der Bauer für seine Milch bekommt. Bioverbände haben eben sehr viel höhere Anforderungen an die Bauern: Wie sie ihre Kühe halten, welches Futter diese benutzen. Und dafür wird denen auch ein fairerer Preis bezahlt."

Vor allem günstige Discounter-Märkte machten ihren Lieferanten kaum Vorgaben, wie die Milch produziert werden sollte. Ebenso blieben die von ihnen gezahlten Preise ein Geheimnis.

"Wir haben keine gravierenden Missstände gefunden"

Fazit der Stiftung Warentest: Wem Tierwohl und faire Preise für die Landwirte wichtig ist, sollte am ehesten zu Bioprodukten greifen. Allerdings gelte nicht der Umkehrschluss, dass es bei konventionellen Herstellern zu gravierenden Verstößen komme. Das zumindest zeigen die Ergebnisse von jenen, die sich der Umfrage nicht verweigerten. Anke Kapels:

"Die Tiere waren alle gesund und wurden auch ordentlich behandelt. Aber es waren eben diese Unterschiede, wie viel Platz sie zum Laufen haben. Ob es einen Laufstall mit Weide gab.  Aber wir haben keine gravierenden Missstände gefunden." 

Am Ende erreichten nur vier länger haltbare Milchen eine doppelt gute Bewertung: Von der Qualität her und auch hinsichtlich der Unternehmensverantwortung: Es sind die Bioprodukte von "Arla", "Dennree" und "Gläserne Molkerei." Zudem die Milch von "Berchtesgadener Land" – letztere aus konventioneller Herstellung.    

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk