• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 05:30 Uhr Nachrichten
StartseiteVerbrauchertippViele Schadstoffe in Alltagsgegenständen03.07.2017

Stiftung WarentestViele Schadstoffe in Alltagsgegenständen

Griffe von Fahrrädern und Werkzeugen, Fußbetten und Sohlen von Schuhen, Kabel-Ummantelungen: Alltagsgegenstände, die schon beim Kauf komisch riechen, kennen viele Verbraucher. Die Stiftung Warenrest hat jetzt 20 Produkte untersucht - mit alarmierenden Ergebnissen.

Von Dieter Nürnberger

Ein Paar Flip-flops (Deutschlandradio/Maja Ellmenreich)
Noch immer werden die Grenzwerte für Schadstoffe in vielen Alltagsgegenständen überschritten. (Deutschlandradio/Maja Ellmenreich)
Mehr zum Thema

Schadstoffe dünsten aus Dicke Luft in Outdoor-Läden

Schadstoffe in Spielzeug Höhere Grenzwerte müssen auch in Deutschland gelten

So überraschend es klingt: Die Nase spielte bei dieser Untersuchung der Stiftung Warentest eine entscheidende Rolle. Denn ausgewählt wurden Produkte, die verdächtig rochen oder besser gesagt, stanken. Geschnüffelt wurde vor allem an den Gummiteilen eines Produktes, beispielsweise an den Griffen von Hämmern oder Schraubendrehern, sagt Warentesterin Sara Wagner-Leifhelm:   

"Die in unserem Test untersuchte Schadstoffgruppe polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe zeichnet sich - zwar konzentrationsabhängig - durch einen penetranten Geruch aus, der sich als gummiartig ölig beschreiben lässt. Ich persönlich habe mit dem Geruch immer die Ummantelung von Fahrradreifen in Verbindung gebracht. Auch wenn Sie die Produkte anfassen, könnten sie den Geruch an Ihren Händen identifizieren. Er geht also auf die Haut über."

Im Labor gefahndet wurde nach drei gefährlichen Stoffgruppen. Zum einen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK. Die sind für den unangenehmen Geruch verantwortlich. Aber auch Chlorparaffine, die mitunter als Bindemittel in Lacken eingesetzt werden und Phthalate, Weichmacher also, standen auf der Liste. Für einzelne PAK-Stoffgruppen gelten inzwischen Grenzwerte, die auf einer relativ neuen EU-Verordnung beruhen:

"Die EU-Verordnung greift seit Dezember 2015. Hier werden die Grenzwerte für die acht als krebserregend eingestuften Einzelsubstanzen der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe reguliert. Dennoch haben in unserem Test immer noch Gegenstände gefunden, die diese enthalten, die über die Grenzwerte der EU-Verordnung hinausgehen."

Verschärfte Test-Kriterien

Da die EU-Regeln aber nur bestimmte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe berücksichtigen, verschärften die Warentester ihre Kriterien. Grundlage der Untersuchung waren die strengeren Höchstwerte des Gütesiegels GS, das steht für Geprüfte Sicherheit. 20 Produkte wurden untersucht - jedes zweite erhielt die Note mangelhaft.

"Sie finden sie also in Werkzeuggriffen, in der Kabel-Ummantelung des Fahrradschlosses, in Fahrradgriffen, auch im Fußbett der Zehen-Sandale oder der Schuh-Untersohle."

Beispielsweise ein Hammer des Herstellers "Germania" mit der durchaus schönen Bezeichnung "Feierabend". In den Griffen wurden zu viel PAK und auch Chlorparaffine nachgewiesen. In Plastikteilen des Fahrradschlosses "Jes Collection" sorgte ein beunruhigend hoher Phthalat-Anteil für die schlechte Bewertung.

Umtausch nur bedingt möglich

Wer solche Produkte nun einfach beim Händler zurückgegeben möchte, hat es allerdings nicht einfach, so Sara Wagner-Leifhelm:

"Sie müssen damit rechnen, dass Sie auf die Kulanz des Händlers angewiesen sind. Bei teuren Produkten könnte auch im Rahmen der Gewährleistung die Möglichkeit bestehen, den Mangel durch den Händler beheben zu lassen. Ob eine Nachbesserung jetzt für billigere Produkte sinnvoll ist, das ist eher fraglich."

App als Kaufhilfe

Als Vorsichtsmaßnahme empfiehlt die Stiftung Warentest, keine auffällig stinkenden Produkte zu kaufen. Allerdings gab es in der Untersuchung auch solche, die trotz intensiven Geruchs keine oder nur geringe Mengen der geprüften Schadstoffe enthielten. Die Auswahl für den Kunden bleibt somit schwierig. Empfohlen wird deshalb auch die App "Scan4Chem" des Umweltbundesamtes. Damit können Händler oder Hersteller gefragt werden, wie sicher ihre Produkte sind.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk