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Stipendien ergattern leicht gemacht

Suchmaschine "myStipendium.de" checkt 1200 Stipendiengeber

Mira Maier im Gespräch mit Sandra Pfister

Studieren im Hörsaal: Chancen auf ein Stipendium können sehr, sehr gut sein.
Studieren im Hörsaal: Chancen auf ein Stipendium können sehr, sehr gut sein. (AP)

Studierende bewerben sich oft nicht für ein Stipendien, weil sie denken, dass sie ohnehin keine Chancen haben, sagt Mira Maier. Sie ist Gründerin der Suchmaschine "myStipendium.de". Kleine, unbekannte Stiftungen blieben daher manchmal auf ihrem Geld sitzen.

Sandra Pfister: Der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft hat die Internetplattform "myStipendium.de" ausgezeichnet und damit auch deren Gründerin, die 27-jährige Mira Maier. Die wurde übrigens gerade an der Uni Witten-Herdecke in Mathematischer Volkswirtschaftslehre promoviert.

Mit ihr habe ich vor der Sendung geredet und sie gefragt, warum sie sich das eigentlich angetan hat, so eine Heidenarbeit, eine Suchmaschine für Stipendien aufzubauen, die 1200 Stipendiengeber umfasst. Warum hat sie das gemacht?

Mira Maier: Bei mir war es selber so, dass ich für meine eigene Doktorarbeit ein Stipendium gesucht habe und mich eben mit den alten Datenbanken im Internet konfrontiert gesehen habe. Habe selber sehr lange gebraucht, um mir da einen Überblick zu verschaffen, und bin schlussendlich fündig geworden, habe eine kleine Stiftung gefunden, die mich gefördert hat, auch ohne die meine Doktorarbeit so nicht möglich gewesen wäre. Und hatte selber eben vorher auch keinen Überblick über Stipendien, kannte eben auch nur die zwölf Begabtenförderungswerke, beziehungsweise daraus auch nur ein paar.

Und hab mir dann einfach gedacht, nachdem ich selber so wahnsinnig lang gesucht hab, dass man doch diese Suche einfach abkürzen könnte. Und hab dann auch ein bisschen im Internet recherchiert, auch ein paar Studien dazu gefunden, die eben meinen eigenen Eindruck auch bestätigt haben. Und hab dann schlussendlich einen Kommilitonen von mir, einen ehemaligen, angesprochen, der technisch versiert ist, und wir haben uns zusammengetan und "myStipendium" gegründet.

Pfister: Was machen Sie denn anders als die anderen Suchmaschinen und Plattformen, die es im Internet so gibt? Was machen Sie besser?

Maier: Also bislang war es so, dass man in den alten Stipendiendatenbanken nach ein oder zwei Filterkriterien sortieren konnte. Das heißt, man hatte so eine Datenbank von vielleicht 800 Einträgen oder so was gehabt und konnte dann ein oder zwei Kriterien oder vielleicht drei eingeben. Also beispielsweise das Studienfach oder welche Art von Förderung man sucht, also ob es jetzt für den Lebensunterhalt oder ein Auslandsjahr oder so was ist. Und hat dann aus diesen 800 Treffern, 800 Stipendien in der Datenbank, bei einem Durchschnittsprofil zirka so 200 Treffer erhalten, wovon dann wirklich so zwei oder drei wirklich passten. Und, ja, diese 200 Treffer im Detail durchgehen, also jeweils auf die Stiftungswebsite gehen, schauen, ob das wirklich passt, kann gut und gerne Wochen in Anspruch nehmen.

Nun ist es so: Was haben wir gemacht? Wir erfassen das Profil des Einzelnen nach 34 Kriterien, also wir haben alle Kriterien erfasst, die für Stiftungen relevant sind oder für bestimmte Stiftungen, um Stipendiaten auszuwählen, und gleichen dieses individuelle Profil mit den bei uns hinterlegten Stiftungsprofilen ab.

Das heißt, wir haben ebenfalls alle Stiftungsprofile nach diesen selben 34 Kriterien klassifiziert und durch einen automatischen Abgleich - also es ist so ein intelligenter Matching-Algorithmus, den wir da entwickelt haben - können wir eben nur jene Stipendien anzeigen, die wirklich auf den eigenen Lebenslauf passen. Und das sind bei einem Durchschnittsprofil ungefähr so 15 Stück.

Pfister: Die großen Stiftungen, von denen Sie sprachen, also die Ebert-Stiftung, die Adenauer-Stiftung, die Studienstiftung, die haben aber natürlich einen Riesen-Pool an Stipendien. Wenn ich jetzt die kleine Unternehmensstiftung in Pusemuckel anspreche, hab ich dann überhaupt Erfolgschancen?

Maier: Also grundsätzlich ist es so, dass normalerweise im Schnitt die Chancen viel besser sind bei den kleinen Stiftungen, weil die oftmals ein sehr spezifisches Profil haben. Also, dass man beispielsweise im selben Ort wie der Stifter geboren sein soll, und das ist dann irgendwie ein ganz kleiner Ort in Deutschland. Und zusätzlich wenig Mittel für Marketingaktivitäten haben, also sie können ihr Stipendienprogramm gar nicht bekannt machen. Sodass, wenn man dann wirklich davon erfährt und sich dort bewirbt und tatsächlich diese sehr speziellen Bewerbungsvoraussetzungen erfüllt, da können die Chancen sehr, sehr hoch liegen.

Bei den Begabtenförderungswerken, die haben immerhin, wenn denn jemand etwas kennt, kennt er eben diese Begabtenförderungswerke, sodass die Chancen da natürlich relativ gesehen am geringsten sind. Also so ungefähr hat man eine Erfolgschance von zirka zehn Prozent bei den Begabtenförderungswerken und ja, bei den kleinen Stiftungen, da gibt es eine Statistik, die besagt, dass jede fünfte Stiftung nicht ausreichend Stipendiaten findet. Also, im Einzelfall kann man einfach direkt Glück haben und keinen anderen Bewerber haben, der sich ebenfalls für dasselbe Stipendium bewirbt.

Pfister: Also es stimmt wirklich, es gibt Förderer, die auf ihrem Geld sitzen bleiben, weil niemand es abruft?

Maier: Genau.

Pfister: Und diese Stipendien, sind die nur was für Hochbegabte, wenn wir jetzt auch an die etwas selteneren Stipendien kleiner oder mittelständischer Unternehmen denken?

Maier: Ja, das liegt mir ganz besonders am Herzen. Es ist so, dass eben wirklich, wie Sie sagen, in Deutschland glauben die meisten eben, Stipendien seien für Hochbegabte, oftmals noch kombiniert mit der Tatsache, dass viele glauben, es sei noch für besonders Engagierte und Bedürftige. Also die Kombination dreier besonderer Eigenschaften. Und niemand hält sich für so toll. Und das führt eben dazu, dass sich fast niemand bewirbt.

Aber allein, es ist nicht so. Es gibt natürlich Stipendien, die nach Leistungskriterien vergeben werden, aber genauso gibt es auch eine große Fülle an Stipendien, die ganz anders gelagerte Kriterien haben. Also das kann reichen vom Geburtsort der Eltern über den ehemaligen Beruf hin zum Wohnort; übers Studienfach zum gesellschaftlichen Engagement, über einen vorhandenen Migrationshintergrund. Also die Fülle der Bewerbungsvoraussetzungen ist sehr groß, unabhängig von irgendwelchen, ja, akademischen Leistungen.

Pfister: Mira Maier hat aus Sicht des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft die bislang umfassendste Stipendiensuchmaschine aufgebaut. Sie heißt "myStipendium.de".


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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