• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 02:05 Uhr Kommentar
StartseitePost aus BrasilienDie Liebe zum Spiel11.07.2014

StrandfußballDie Liebe zum Spiel

Die 7:1-Rekordniederlage im Halbfinale hat die Brasilianer zwar geschmerzt, vom Sport wenden sie sich aber trotzdem nicht ab. An der Copacabana in Rio sind die Sportplätze am Strand weiterhin gut besucht, auch die Footvolley-Felder. Ein Schauspiel.

Von Jonas Reese

Strandfußballer in der Nähe der brasilianischen Großstadt Natal. (picture alliance / dpa / Marcus Brandt)
Strandfußballer in der Nähe der brasilianischen Großstadt Natal. (picture alliance / dpa / Marcus Brandt)

Ein bewölkter Nachmittag an der Copacabana in Rio de Janeiro. Nur wenige Menschen liegen noch am Meer. Auf den Sportplätzen im Sand geht es aber hoch her. Beach-Volleyball. Beach-Tennis. Strand-Fußball oder Foot-Volley. Bei letzterem versuchen zwei Teams, genauso wie beim Volleyball, den Ball mit nur drei Berührungen so übers Netz zu bringen, dass er im gegnerischen Feld landet. Nur wird der Ball nicht mit der Hand gespielt, sondern wie beim Fußball mit Fuß, Bein, Hüfte, Schenkel, Brust, Schulter, Kopf, ...

Die spielenden Akteure sind alle um die 40: Cabezao (Großkopf), Olho (Auge), Palmito (Palmenherz) und Pica-Pau (Specht). Am Rand sitzen noch einige andere Spieler und Zuschauer in Campingstühlen und kommentieren das Spiel lauthals. Alle Schimpfwörter werden hier abgemildert oder weggelassen. Es waren sehr viele.

Pica-Pau: Hey, Cabezao, machst Du heute noch den Aufschlag oder kann ich zwischendurch noch meine Frau anrufen?

Cabezao: Hör auf zu meckern, bin doch schon dabei.

Cabezao tritt den Aufschlag in einer Art Flanke übers Netz. Pica-Pau nimmt ihn mit dem Oberschenkel so an, dass sein Mitspieler Olho den Ball bequem in der Mitte des Feldes mit der Brust nah ans Netz in die Höhe stellen kann. Von dort bugsiert ihn Cabezao wiederum mit dem Kopf weit ins gegnerische Feld. So geht es noch eine Weile hin und her bis ein Kopfball  von Palmito im Netz landet.

Cabezao und Pica-Pau stoßen einen kurzen aber kräftigen Jubelschrei aus, blicken dabei finster zur anderen Spielfeldseite und klatschen sich triumphierend ab.

Olho (genervt, laut): Man Palmito, jetzt reiß Dich zusammen. Das war ein mega-einfacher Kopfball. Das darf nicht wahr sein. Vorhin hast Du auch schon so einen versemmelt. Biste spät ins Bett gegangen oder was?

Palmito erwidert nichts. Aufmunternd klopft er sich selbst auf die Oberschenkel.

Wieder tritt Cabezao einen Aufschlag. Olho nimmt ihn nicht an. Es ist schwer zu sehen, ob der Ball im Feld aufkommt oder nicht. Olho öffnet die Arme als Zeichen dafür, dass der Ball im Aus gelandet ist.

Cabezao: (sehr laut, sehr wütend) Was? Was ist das jetzt? He, Olho? Was ist das jetzt schon wieder? Der soll Aus gewesen sein? Hast Du denn noch alle Tassen im Schrank? Siehst Du überhaupt noch richtig? Den hat der halbblinde José ja sogar noch richtig sehen können, oder José? Ich hab gleich keinen Bock mehr. Ständig versucht ihr uns hier zu bescheißen.

Olho: Was willst Du überhaupt von da hinten Cabezao? Du willst Du mir erzählen, dass Du den Ball drin gesehen hast? Hier komm doch her, hier ist der Abdruck. Klar im Aus.

Cabezao: (ist mittlerweile ans Netz vorgekommen) Das ist doch nicht der Abdruck. Bist Du jetzt völlig verrückt geworden. Der nebendran wars. Ganz klar drin im Feld.

Auch unter den umsitzenden Leuten bricht eine rege Diskussion über den Abdruck aus. Irgendwann steht ein kleiner Kreis um die besagte Stelle und streitet.

Olho: Ach, komm Cabezao. Du kannst mich mal. Dann nimm diesen verdammten Punkt und spiel endlich weiter. Mit dir ist man die ganze Zeit immer nur am Diskutieren.

Cabezao: Ja, ja so siehst Du mir aus. Jetzt sind wir wieder schuld. Du kannst keinen Ball gescheit annehmen und dann sind wir auch noch schuld. Also das ist mir noch nie passiert.

Olho: (wirft den Ball übers Netz) Halt einfach die Klappe Cabezao und mach Deinen Aufschlag.

Cabezao: Nein, ich will keinen Punkt geschenkt haben. Entweder machen wir Wiederholung oder wir hören auf. So will ich nicht gewinnen.

Olho: (lachend) Keine Sorge, Cabezao, Du wirst nicht gewinnen. Also spiel endlich.

Palmito: (lachend) Ja gute Idee. Spiel endlich. Sieh nur Pica-Pau hat sich schon eine Jacke angezogen, weil ihm kalt geworden ist.

Cabezao schreitet also wieder zum Aufschlag. Schiebt mit den Füßen eine kleine Sandburg zusammen. Auf dessen Spitze platziert er den Ball.

Cabezao: Also können wir? Es steht dann weiter 6:6.

Olho: Nein wir führen immer noch 7:5.

Cabezao: Nein, 6:6 steht es!

Olho: Nein es hat 5:5 gestanden und dann haben wir zwei Punkte hintereinander gemacht. Erinnerst Du Dich nicht mehr mit Deinem kleinen Hirn?

Cabezao: (nimmt den Ball unter den Arm und läuft Richtung Spielfeldrand) Jetzt reicht's ich hab die Nase voll. Ich geh jetzt nach Hause. Da muss ich mir nicht so viel Mist anhören.

Von der Seitenbank: Ach komm Cabezao, mit Deiner Frau ist es doch noch schlimmer.

Gelächter.

Cabezao: (lachend) Ja stimmt. Aber wenigstens betrügt mich meine Frau nicht.

Cabezao ist am Netz stehengeblieben und hält sich mit seinen Händen darin fest.

Cabezao: Ich bin der einzige von Euch allen Stümpern hier, der schon mal als Profi gespielt hat. Also versucht nicht mich die ganze Zeit zu veräppeln.

Pica-Pau: Ach, jetzt kommt die Leier wieder. Die Geschichte vom großen Profi.

Cabezao: War ich Profi oder war ich es nicht? Im Gegensatz zu Dir Pica-Pau. Du hängst den ganzen Tag hier nur am Strand ab und glotzt den Mädels hinterher.

Während sich die Zuschauer und Spieler lauthals am Netz unterhalten, ruft Palmito einen älteren Mann herbei. Er will den Spieleinsatz von 20 Reais (etwas mehr als sechs Euro) zurück.

Cabezao:  Palmito, was machst Du da? Wo willst Du hin? Jetzt komm! Wir spielen hier doch gerade!

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk