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StartseiteInterview"Dem IS laufen die Muslime davon"22.11.2015

Strategie des Terrors"Dem IS laufen die Muslime davon"

Die Anschläge von Paris seien Teil einer größeren Aktion, meint Stephan Rosiny vom GIGA-Institut in Hamburg. Im Deutschlandfunk sagte der Politikwissenschaftler, die Anschlagsserie sei eine Reaktion auf Angriffe gegen den Islamischen Staat. Dieser sehe sich in seinem Territorium in der Defensive - und betrachte die Anschläge auch als PR-Maßnahme.

Stephan Rosiny im Gespräch mit Petra Ensminger

Der Islamwissenschaftler Dr. Stephan Rosiny vor einem Bücherregal. (imago / Rolf Zöllner)
Der Islamwissenschaftler Dr. Stephan Rosiny. (imago / Rolf Zöllner)
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Es wurden natürlich genau die Länder angegriffen, die sich im Krieg mit dem IS befänden, sagte Rosiny. Man hätte es schon in der Vergangenheit beobachten können, dass der IS immer dann, wenn er militärisch ins Rücktreffen geraten sei, auf Ersatzschauplätze ausweiche. So habe er dann auch angefangen, antike Kulturstätten zu zerstören.

Ein weiterer Grund sei der universale Anspruch des IS. Er wolle die komplette Welt islamisieren. Diese Vorstellung habe sich in den letzten Monaten aber als völlig illusiorisch erwiesen. Selbst die Anhänger des IS seien enttäuscht. Deshalb brauche die Terrormiliz auch für ihre innere Dynamik unbedingt Erfolgserlebnisse.

Ein weiterer Faktor sei, dass dem IS die Muslime davon laufen würden, so Rosiny. Die große Fluchtbewegung sei ein PR-Desaster für den Islamischen Staat. Und dass die Flüchtlinge dann auch noch zu den "Ungläubigen" nach Europa fliehen, widerspreche völlig dem Weltbild des IS. Und deshalb müsse man sich auch überlegen, ob die Anschläge nicht auch verübt würden, um einen Keil zu treiben zwischen der Aufnahmegesellschaft und diesen Flüchtlingen. Der IS habe möglicherweise auch über gefälschte Pässe versucht, den Eindruck zu erwecken, dass Flüchtlinge die Anschläge verübt hätten.

Rosiny: Alleine militärisch nicht zu besiegen

Militärisch alleine sei der IS nicht zu besiegen. Je mehr er in die Enge getrieben würde, desto brutaler würde er agieren. Wichtig sei, dass man nun endlich die ökonomischen Ressourcen angreife. Man müsse gleichzeitig versuchen, den Zustrom von Kämpfern zu unterbinden. Diese gingen aber ohnehin drastisch zurück. Paris müsse in diesem Sinne auch als eine Art PR-Maßnahme des IS verstanden werden, um neue Anhänger zu gewinnen. Der IS habe damit seine Stärke unter Beweis stellen wollen.

Das komplette Interview können Sie im Audio-Archiv nachhören.

 

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