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Streik vorerst abgewendet

Einigung im Tarifkonflikt der Lufthansa

Von Anke Petermann

Bis Ende 2014 wird es bei der Lufthansa keine betriebsbedingten Kündigungen geben
Bis Ende 2014 wird es bei der Lufthansa keine betriebsbedingten Kündigungen geben (dpa / picture alliance / Fredrik von Erichsen)

Die Lufthansa hat sich mit ihren Flugbegleitern über ein neues Tarifpaket geeinigt. Es sieht hohe Gehaltssteigerungen am Laufbahnbeginn, dafür aber einen geringen Zuwachs am bisher üppig vergüteten Karriereende vor. In einer Urabstimmung im Dezember müssen jedoch noch mehr als die Hälfte der UFO-Mitglieder die Einigung annehmen.

Betriebsbedingte Kündigungen abgewendet bis Ende 2014, ein Lohnplus von 4,6 Prozent bei zweijähriger Laufzeit des Tarifvertrags, wenn man die Einmalzahlung von 320 Euro mit berücksichtigt. 33 Millionen Euro kostet das die Lufthansa brutto im Jahr 2013. Doch die Mehrkosten werden teilweise aufgefangen: Ohne Lohnausgleich kann der Konzern die Arbeitszeit von Flugbegleitern um fünf Prozent zurückfahren, der Schritt in die nächste Gehaltsstufe wird für alle Kabinen-Mitarbeiter für ein Jahr ausgesetzt, insgesamt wird die Heraufstufung gestreckt. Neue Flugbegleiter werden die dann abgesenkte Endstufe erst nach 24 Jahren Konzernzugehörigkeit erreichen. In Bruttogehälter übersetzen das UFO-Chef Nicoley Baublies und Peter Gerber, Personalvorstand der Lufthansa Passage, so:

"Wenn jemand seit fünf Jahren im Unternehmen ist, verdient er derzeit 1733 Euro und in Zukunft 2050 Euro."

"Und vielleicht, um das zu ergänzen: Die Endstufe der Tabelle, die jetzt noch gilt für alle, die da sind. Da ist die Endstufe etwas über 4400 Euro, die zukünftige Tabelle für Leute, die jetzt eingestellt werden, wird sie bei 3700 Euro sein. Also, da eine signifikante Abflachung."

Das ist das Bonbon, das der Schlichter dem Konzern hinhielt. Kräftige Gehaltsteigerungen bis 18 Prozent am eher schlecht bezahlten Laufbahnbeginn, bescheidener Zuwachs am bislang üppiger vergüteten Ende - auf soziale Ausgewogenheit legte der frühere Wirtschaftsweise Rürup wert, aber auch darauf, dem größten europäischen Luftfahrtkonzerns in Krisenzeiten die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

Der Konzernführung will, dass die Passage bis Ende 2015 mit Einsparungen von 920 Millionen Euro zum Lufthansa-Sanierungsprogramm "Score" beiträgt. Der Abschluss der Kabine macht dazu den Auftakt. Das erklärt wohl auch die Härte der Auseinandersetzung. Noch während der Schlichtung beschloss der Lufthansa-Vorstand, die Kurzstreckenflüge von den dezentralen Stationen wie Hamburg und Stuttgart an die Billigtochter Germanwings auszulagern. Betroffen davon etwa 500 Flugbegleiter.

Die können nun frei entscheiden, ob sie mit Abfindung gehen, oder Lufthanseaten bleiben und dazu an die Drehkreuze nach Frankfurt oder München wechseln. Als dritte Möglichkeit eröffnet das Kompromisspaket für den Kabinenmitarbeiter, so umreißt der UFO-Chef:

"Er kann sich entscheiden, per Arbeitnehmerüberlassung temporär für die Germanwings zu fliegen und erhält aber auch die aller maßgeblichsten Teile unserer Arbeitsbedingungen, während er dort überlassen ist."

"Das wird aber perspektivisch keine so große Anzahl sein, dass es die Wettbewerbsfähigkeit von Germanwings auf Dauer beeinflusst, jedenfalls nach unserer Ansicht."

ergänzt der Personalvorstand der Lufthansa-Passage. Noch steht die Einigung über das Tarifpaket unter einem Vorbehalt: Mehr als die Hälfte der UFO-Mitglieder muss sie in einer Urabstimmung bis zum zehnten Dezember annehmen.



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