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Streit mit dem eigenen Rechtsanwalt

Wenn Mandanten sich über ihren Verteidiger ärgern

Von Daniela Siebert

Auch mit dem eigenen Anwalt kann es Ärger geben.
Auch mit dem eigenen Anwalt kann es Ärger geben. (picture alliance / dpa - Andrey Starostin)

Wenn sich ein Mandant über seinen Rechtsanwalt ärgert, liegt das oft an der Kommunikation. Aber es kann auch passieren, dass ihm ein echter Schaden entsteht. Der Mandant hat viele Möglichkeiten, etwas zu unternehmen.

"Die Beschwerden, die es gibt, richten sich vor allem auf eine Störung in der Kommunikation zwischen Anwalt und Mandant, dass der Mandant sich vielleicht nicht ganz so informiert fühlt, dass er bestimmte Entscheidungen, die der Anwalt trifft, besser erläutert haben möchte und dass der Anwalt vielleicht auch schlecht erreichbar ist. Das sind die Hauptfälle von Beschwerden."

So die Einschätzung von Marcus Mollnau. Er ist Fachanwalt für Erbrecht und Präsident der Rechtsanwaltskammer Berlin.
Für Verstimmung im Verhältnis zwischen Mandanten und Anwälten sorgen vor allem zwei Faktoren: schlechte Aufklärung durch die Anwälte und unrealistische Erwartungen der Klienten.

Intensives Nachfragen empfiehlt sich daher für jeden Mandanten, bis er den Inhalt des Rechtsstreits, den Verfahrensweg und die Strategie des Anwalts verstanden hat. Das gilt insbesondere, wenn es ums Geld geht. Denn rund um Anwaltshonorare und Gebühren entsteht leicht Unmut.

"Der Rechtsanwalt ist grundsätzlich verpflichtet, dem Mandanten vor Eingehen des Anwaltsvertrages darüber zu informieren, dass überhaupt Gebühren anfallen. Er muss ihn nicht über jede einzelne eventuell dann später tatsächlich anfallende Gebühr informieren und belehren."

Auf konkrete Nachfragen des Mandanten dazu müsse ein Rechtsanwalt aber jederzeit eingehen. Gegen solche Kosten können sich Mandanten absichern, indem sie von vornherein ein Pauschalhonorar mit dem Anwalt vereinbaren.

Mandanten sollten genau kontrollieren, was Anwälte in ihrem Namen tun, denn auch Schlampigkeit oder Flüchtigkeitsfehler des Anwaltes können zu ihren Lasten gehen. Beispielsweise bei Zahlendrehern in Schriftsätzen.

"Das kann auch zum Teil dramatische Folgen haben. Es gilt in diesen wie in vielen anderen Fällen: Die wichtigste Frage ist immer, man muss miteinander reden. Und selbstverständlich muss der Mandant den Anwalt gleich darauf hinweisen. Es muss auch deutlich werden für den Anwalt, dass er hier einen Fehler gemacht hat, den er nachbessern muss."

Auch bei Untätigkeit des Anwaltes sollten die Mandanten nachhaken. Wenn sie auf persönlichem Wege nichts erreichen, können sie auch die Rechtsanwaltskammer einschalten. Denn:

"Das ist eine Berufspflichtverletzung. Hier hat der Mandant jederzeit die Möglichkeit, sich beschwerdeführend an die örtliche Rechtsanwaltskammer zu wenden und die Kammer, die ja die Einhaltung der Berufspflichten zu überwachen hat, wird dann ein Verfahren einleiten und gegebenenfalls auch disziplinarische Schritte gegen den Anwalt unternehmen."

Schlimmstenfalls kommt es durch die Untätigkeit des Anwaltes zur Verjährung von Ansprüchen des Mandanten. In diesem Fall würde möglicherweise die Berufshaftpflichtversicherung des Anwalts einspringen, die jeder zugelassene Rechtsanwalt haben muss. Doch das setzt oft eine erfolgreiche Schadensersatzklage des Mandanten vor einem Zivilgericht voraus.

Ein Beschwerdeverfahren bei der Anwaltskammer kann für Mandanten auch bei Verstößen gegen die Verschwiegenheitspflicht oder sogenannten Fremdgeldverstößen hilfreich sein, wenn der Anwalt von Dritten Geld für seinen Mandanten entgegengenommen hat und die Summe ohne Begründung ganz oder teilweise einbehält.

Bei Streit um Honorare oder Haftungsfragen unter 15.000 Euro gibt es seit Januar 2011 noch eine zusätzliche Option: Mandanten können kostenlos die zentrale "Schlichtungsstelle der Anwaltschaft" in Berlin anrufen.

Unabhängig davon gibt es – außer bei Pflichtverteidigern im Strafprozess– auch stets diese Reißleine:

"Es ist für den Mandanten jederzeit möglich - auch ohne Angabe von Gründen - den Anwaltsvertrag, den er geschlossen hat, sofort zu beenden."

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