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StartseiteCampus & KarriereStreit um Paulineraula in Leipzig30.05.2008

Streit um Paulineraula in Leipzig

Vor genau 40 Jahren wurden in Leipzig die über 700 Jahre alte Universitätskirche vom SED-Regime gesprengt. Auf ihren Grundfesten entsteht seit einiger Zeit ein neues Aulagebäude für die Uni Leipzig, das im kommenden Jahr fertig gestellt sein soll. Doch pünktlich zum Jahrestag der Sprengung werden wieder Stimmen laut, die dort lieber eine Kirche sähen.

Von Christian Werner

Die Installation "Erinnerung an die Sprengung der Paulinerkirche" von Axel Guhlmann vor dem Hauptgebäude der Uni Leipzig am Augustusplatz (Armin Kühne/Uni Leipzig)
Die Installation "Erinnerung an die Sprengung der Paulinerkirche" von Axel Guhlmann vor dem Hauptgebäude der Uni Leipzig am Augustusplatz (Armin Kühne/Uni Leipzig)

Unter dem Baugerüst am Leipziger Augustusplatz zeichnen sich langsam die Umrisse des neuen Universitätsgebäudes ab. Schon ist der Giebel zu erkennen, der außen an die gesprengte Universitätskirche erinnern wird. Im Inneren entsteht eine 18 Meter hohe Aula, durch eine Glaswand getrennt von einem dreischiffigen Andachtsraum dessen Kreuzgewölbe dem der Paulinerkirche nachempfunden ist. Das Paulinum - so der Name, verbindet Vergangenes und Gegenwärtiges architektonisch miteinander. Doch jetzt verlangt der Paulinerverein, das Gebäude Universitätskirche Sankt Pauli zu nennen. Außerdem verlangt er die trennende Glaswand müsse verschwinden, Altar und Kanzel der Paulinerkirche aufgestellt werden. Denn die bisherige Form erinnere nur ungenügend an die zerstörte Kirche. Unterstützt wird der Paulinerverein von Christian Führer, dem ehemaligen Pfarrer der Nikolaikirche:

" Der Name spielt eine ganz wichtige Rolle, weil wenn man den Namen eliminiert, dann ist die Kirche noch nachhaltiger zerstört als wenn man den Korpus der Kirche, das Gebäude sprengt. Deshalb treten wir jetzt so vehement dafür ein, dass dieser Jahrhunderte alte Name als Kern der Universität bleibt. "

Die Leipziger Studenten beobachten die hitzige Debatte mit Abstand, falls sie sich überhaupt dafür interessieren.

" Also ich weiß über die Paulinerkirche, dass sie 68 gesprengt wurde und dass es da zur Zeit einen mächtigen Wirbel gibt, also von diesem Paulinerverein, der will, dass sie wieder originalgetreu aufgebaut wird, wird sie inzwischen ja nicht mehr und da gibt es immer Hin und Her zwischen Uni und diesem Verein.

Also mich interessiert es gar nicht, ich habe gar keinen Bezug dazu, auch zu der Geschichte nicht.

Ich weiß gar nicht, worum es geht.

Es ist mir egal, ja es ist okay. wenn man da irgendwie daran irgendwie erinnern kann so, ich finde das auch ganz gut mit diesen Stilelementen da, mit diesem Spitzbogen, gefällt mir. "

Baulärm dringt von allen Seiten in die Büros des Leipziger Studierendenrates. Hier sind die Probleme der Uni nahezu mit Händen zu greifen. Überall wird gebaut, einige Fakultäten befinden sich seit Jahren in Übergangsquartieren. Kein Zustand für eine Uni mit fast 30.000 Studenten, sagt Thomas Dudzak, Sprecher des Studierendenrates der Uni Leipzig. Für ihn ist die erneute Debatte überflüssig wie ein Kropf. Es gebe viel dringendere Themen, so Thomas Dudzak. Zum einen der 600. Uni-Geburtstag im kommenden Jahr.

" Darüber hinaus die Einführung von Bachelor und Master. Es gibt also inneruniversitäre Fragen, akademische Fragen, Studienfragen, die eigentlich im Mittelpunkt stehen müssten und dementsprechend wünschten wir uns eigentlich, dass wir die Debatte abschließen könnten und uns wieder den drängenden Fragen dieser Universität zuwenden könnten. "

Hier sind sich Studentenschaft und Unileitung ausnahmsweise einig. Rektor Professor Franz Häuser kann nur schwer an sich halten, wenn er auf die erneuten Forderungen des Paulinervereins angesprochen wird. Schließlich sei 1968 nicht nur die Kirche gesprengt, sondern auch das historische Universitätsgebäude mit seiner prachtvollen Aula abgerissen worden. Die Uni brauche aber eine Aula und die kann laut Häuser nicht Paulinerkirche heißen.

" Das ist eine Forderung, die häufig von Personen erhoben wird, die sich keine intensiven Gedanken machen über das, was dort gebaut wird. Dort wird ja zunächst einmal eine große Halle gebaut, die sich unterschiedlichen Nutzungen zuwendet. Die sicherlich zu zwei Drittel als universitäre Aula ausgestaltet sein wird und zu einem Drittel eben als gottesdienstlich zu nutzender Bereich. Darüber wird es drei Geschosse geben, in denen die Fakultät für Mathematik und Informatik unterbracht wird. Ich habe jetzt eine schwierige Vorstellung, dass Universitätskirche zu nennen. "

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