Montag, 20.11.2017
StartseiteNachrichten vertieftBundesregierung: "Pressefreiheit ist nicht verhandelbar"07.09.2016

Streit zwischen Deutscher Welle und TürkeiBundesregierung: "Pressefreiheit ist nicht verhandelbar"

Nun schaltet sich auch die Bundesregierung in den Fall eines beschlagnahmten Interviews der Deutschen Welle mit dem türkischen Minister Akif Kilic ein: Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, die Pressefreiheit sei nicht verhandelbar. Der deutsche Botschafter sprach in Ankara mit Kilics Büroleiter.

Der türkische Sportminister Akif Kilic sitzt auf einem Sessel, im Hintergrund die türkische Flagge, ihm gegenüber Michel Friedman, von dem nur der Hinterkopf zu sehen ist. (DW/Monika Martin)
Der türkische Sportminister Akif Kilic am 6.09.2016 im Interview mit DW-Journalist Michel Friedman (DW/Monika Martin)
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Es sei ein konstruktives Gespräch geführt worden "über das, was geschehen ist", erklärte ein Sprecher des Außenministeriums in Berlin. Der Botschafter habe deutlich gemacht, dass Pressefreiheit für die deutsche Regierung und die deutschen Medien sehr wichtig sei. Zugleich wünsche sich die Regierung, dass "die Pressefreiheit auch in der Türkei zur Anwendung kommt". Der Vorfall solle aber nicht zu weiteren Verwerfungen mit der Türkei führen. 

Friedman: Verfügen über keine Aufzeichnungen mehr

Ein nach Angaben der Deutschen Welle (DW) beschlagnahmtes Interview mit dem türkischen Minister für Jugend und Sport, Akif Cagatay Kilic, hatte zu einem Schlagabtausch zwischen dem deutschen Auslandssender und dem Ministerium in Ankara geführt. Nach Darstellung des Senders hat das DW-Team das Material nicht aus freien Stücken an die Vertreter des türkischen Ministeriums übergeben. Der Auslandssender widersprach damit Kilic, der zuvor im Kurznachrichtendienst Twitter bestritten hatte, dass das Interview beschlagnahmt wurde. Man habe lediglich gefordert, das Interview nicht auszustrahlen. Die Deutsche Welle müsse diesem Wunsch nach Autorisierung nachkommen.

Das Interview mit dem Minister hatte Michel Friedman am Montagabend für die Sendung "Conflict Zone" der Deutschen Welle geführt. Friedman sagte im DLF, das Material sei sehr wohl beschlagnahmt worden. Man verfüge jetzt über keinerlei Aufzeichnungen des Gesprächs mehr. Der Pressereferent Kilics habe nach dem Interview Druck auf das türkisches Technik-Team der Deutschen Welle ausgeübt, berichtete Friedman. Der Kameramann habe daraufhin den Chip mit den Aufnahmen ausgehändigt. Bereits zuvor hätten Mitarbeiter des Ministeriums verlangt, noch einmal über das Interview zu sprechen. Das habe er aber abgelehnt: Es gelte das gesprochene Wort, habe seine Antwort gelautet.

Kritik von der Linken

Die Linken-Abgeordnete Sevim Dagdelen kritisierte das Vorgehen von Kilic. Sie warf der türkischen Regierung im DLF vor, "Öffentlichkeitsarbeit im Mafiastil" zu betreiben. "Es ist ein Stück aus dem Tollhaus", sagte Dagdelen. Ein ähnliches Vorgehen kenne man nur aus Diktaturen. Was der Deutschen Welle passiert sei, "ist genau das, was viele Journalisten in der Türkei seit Jahren erleben." Sie forderte eine deutliche Reaktion von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

(cvo/am)

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