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StartseiteKommentare und Themen der WochePolemik statt Fakten15.06.2017

Strittige Antisemitismus-DokuPolemik statt Fakten

Die von Arte zurückgehaltene Antisemitismus-Doku biete lediglich Pauschalisierungen, keine Fakten, kommentiert Peter Kapern. Es sei richtig, dass der Film nicht mit einer Ausstrahlung bei den Öffentlich-Rechtlichen geadelt worden sei. Fragen ergeben sich allerdings an den redaktionell zuständigen WDR.

Von Peter Kapern

Szene von der Demonstration "Steh Auf! Nie wieder Judenhass!" vor dem Brandenburger Tor in Berlin am 14. September 2014. (imago stock & people)
Die Debatte um den von Arte nicht ausgestrahlten Film über Judenhass ebbt nicht ab. (imago stock & people)
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Da gibt es eine beeindruckende Szene gleich zu Beginn des vieldiskutierten Dokumentationsfilms über den Antisemitismus. Die Szene zeigt Mahmoud Abbas, den Palästinenserpräsidenten, bei einer Rede im Europaparlament. Wenn erst die israelische Besatzung des Westjordanlands endet, so sagt er dort, dann beendet das auch den Terrorismus, und zwar weltweit. So Abbas.

Die These ist Unfug, aber natürlich darf Abbas sie äußern. Schnitt. Nächste Szene: Julius Streicher, einer der schlimmsten Nazi-Hetzer, redet darüber, dass über die Welt der Frieden kommen wird, wenn erst das Judenproblem gelöst sei. Dass es die Autoren der Fernsehdokumentation fertig bringen, bildlich eine Verbindung zwischen Abbas und Streicher herzustellen, ist geschmacklos. Dass sie aber darüber hinaus die Forderung nach einem Ende der völkerrechtswidrigen israelischen Besatzung gleichsetzen mit dem Verlangen nach der Vernichtung der Juden, das ist widerlich.

Antisemiten im Fokus

Und so geht das systematisch weiter in dem 90-minütigen Film, der seit Wochen für Schlagzeilen sorgt, obwohl er erst seit zwei Tagen im Internet zu sehen ist. Kirchliche Gruppen, die sich hier in Deutschland für einen Palästinenserstaat einsetzen: Antisemiten, allesamt. Wohlgemerkt: nicht einzelne, wirre, vielleicht gar antisemitische Helfer dieser Organisationen, sondern die kirchlichen Gruppen in Gänze.

NGOs, die im Gazastreifen Schulen und Kindergärten, Suppenküchen und Krankenstationen betreiben: nützliche Idioten der Hamas. Und Antisemiten natürlich. Genauso wie die israelischen Bürgerrechtsgruppen, die die Besatzung des Westjordanlands anprangern. Alles Antisemiten. Pauschalisierungen statt Analyse, Polemik statt Fakten. Und keinerlei Äußerung von Leuten, die die Sache anders sehen.

WDR in Erklärungsnot

Solche Leute zu Wort kommen zu lassen, davon hätten sie sich nichts Außergewöhnliches versprochen, sagen die Autoren. Klar, hätte ja auch nur gestört: Ein Beharren darauf, dass man sich gegen die Besatzung, für einen palästinensischen Staat und für verarmte Palästinenser engagieren kann, ohne sich als antisemitisch abstempeln lassen zu müssen. Gut, dass dieser Film, der sich gern das Gütesiegel des Journalismus umgehängt hätte, nicht mit einer Ausstrahlung in einem öffentlich-rechtlichen Programm geadelt worden ist. Doch damit sind die Rundfunkanstalten noch nicht aus dem Schneider.

Warum hat die zuständige Redaktion beim WDR diesen Film für sendefähig gehalten, ehe sich Arte weigerte, ihn auszustrahlen? Auf diese Frage schuldet uns WDR-Intendant Tom Buhrow noch eine Antwort. Und dann kann er uns doch auch gleich wissen lassen, ob er sich bei Arte-Chef le Diberder schon dafür bedankt hat, dass jedenfalls dort journalistische Standards noch beachtet werden.

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