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StartseiteVerbrauchertippFür wen sich Elektroautos lohnen24.05.2017

Strom statt Benzin oder DieselFür wen sich Elektroautos lohnen

Wer über die Anschaffung eines Elektroautos nachdenkt, sollte vor dem Kauf einiges beachten. Denn auch wenn der Staat den Neukauf von Elektroautos mit 4.000 Euro bezuschusst: Nicht für jeden lohnt sich der Umstieg von Benzin oder Diesel auf Strom. Vor allem Wenigfahrer sollten genau rechnen.

Von Daniela Siebert

Ein Elektroauto. (dpa/picture-alliance/Sebastian Kahnert)
Verkehrsclub Deutschland (VCD): Vor allem Pendler könnten vom Umstieg auf ein Elektroauto profitieren. (dpa/picture-alliance/Sebastian Kahnert)
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Wer die Anschaffung eines Elektroautos durchrechnen will, der sollte ein großes Blatt Rechenpapier zur Hand nehmen. Denn es gehören mindestens diese Faktoren mit dazu: Kaufpreis, Kaufprämie, Steuern, Stromkosten und Betriebskosten. Und außer der finanziellen Bilanz in Euro und Cent kann man auch die CO2-Bilanz durchrechnen.

Der Reihe nach: In der Anschaffung sind Elektroautos deutlich teurer als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, sagt Michael Müller-Görnert vom Verkehrsclub Deutschland, VCD. Etwa 10.000 Euro, mitunter sogar mehr. Die Anschaffung wird vom Staat mit 4.000 Euro Kaufprämie unterstützt. Außerdem werden E-Autos für zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit.

"Andererseits muss man auch sehen: Die Kfz-Steuer ist nicht sonderlich hoch, ein durchschnittlicher Benziner zahlt auch nur 40 Euro im Jahr, ich glaube bei zehn Jahren sind es 400 Euro, das ist nichts, was einem als Anreiz dienen könnte", sagt Michael Müller-Görnert. Richtig attraktiv seien dagegen mittelfristig die geringeren Werkstattkosten, die Elektroautos verursachten.

"Man hat natürlich erstmal geringere Wartungskosten, Elektromotoren sind viel wartungsfreundlicher, sie haben also selten irgendwelche Probleme, anders als bei normalen Fahrzeugen."

Vorsicht bei den Verbrauchsangaben der Hersteller

Dafür muss man sich bei einem Elektroauto genau überlegen, aus welcher Steckdose der Strom dafür kommen soll. Wer einen eigenen Stellplatz hat, kann dort eine spezielle Dose installieren lassen. Das Öko-Institut veranschlagt dafür einmalig rund 800 Euro Installationskosten. Komplizierter wird es mit dem Strompreis, den man später beim Betanken zahlt. Dazu Lukas Minnich vom Öko-Institut:

"In der Regel, die allermeisten heutigen Nutzer von Elektrofahrzeugen laden ihr Fahrzeug über Nacht zuhause, das heißt, da habe ich dann einen eindeutigen Strompreis, wenn ich stark auf öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen bin, da gibt es sehr vielfältige Lösungen und auch sehr vielfältige Kosten.

Da gibt es Ladesäulen, wo ich umsonst tanken kann, wo nach Zeit abgerechnet wird, nach abgegebener Strommenge. Da sollte ich mich vorher wirklich genau informieren, was ist bei mir verfügbar und zu welchen Preisen wird der Strom dort angeboten?"

Ein Stromkabel ist am 10.05.2016 in Berlin (Berlin) an der Steckdose eines Elektroautos angeschlossen und am Auto ist der Schriftzug "NULL CO2" zu sehen.  (dpa / picture alliance / Tobias Hase)Wer sich ein Elektroauto anschafft, sollte sich vorab über die Auflademöglichkeiten Gedanken machen. (dpa / picture alliance / Tobias Hase)

Als Durchschnittspreis pro Kilowattstunde hält Michael Müller-Görnert 30 Cent für realistisch. Vorsicht sei aber bei den Verbrauchsangaben der Hersteller geboten. Genau wie Autos mit Verbrennungsmotor verbrauchten auch Elektrofahrzeuge fast immer mehr als im Prospekt stehe.

Weil die Kostenkalkulation eines Elektroautos viele besondere Aspekte aufweist, bietet das Öko-Institut seit kurzem einen speziellen Kostenrechner auf seiner Internetseite an, der diese berücksichtigt und mit Diesel-, Benzin- und Hybrid-Fahrzeugen vergleicht. Sowohl was die Kosten angeht, als auch den CO2-Ausstoß. Allerdings werde dabei nicht der höhere CO2-Aufwand bei der Herstellung von Elektroautos eingepreist.

Langsamfahrer sind im Vorteil

"Dieser Nachteil des Elektroautos in der Herstellung wird aber sehr schnell wieder reingeholt. Bei im Mittelwert etwa Pi mal Daumen 40.000 Kilometer Fahrleistung, habe ich diesen CO2-Nachteil wieder drin."

Am ehesten rechnet sich ein Elektroauto für Pendler, die um die 50 Kilometer am Tag fahren, schätzt Michael Müller-Görnert vom VCD, vorausgesetzt, es gebe zu Hause und an der Arbeitsstätte Lademöglichkeiten.

Lukas Minnich glaubt, Wenigfahrer profitierten weniger als Vielfahrer ab 8.000 Kilometer pro Jahr. Wer auf der Autobahn in der Regel um die 120 Kilometer pro Stunde fährt ist auch besser bedient als Raser. Ein guter Kompromiss könnten aber auch Hybrid-Fahrzeuge sein. Bei Hybridfahrzeugen beträgt die staatliche Kaufprämie nur 3.000 Euro, und es fallen Kfz-Steuern an.

 

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