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StartseiteUmwelt und VerbraucherTeure Grundversorgung14.03.2018

Strom- und GaspreiseTeure Grundversorgung

Grundversorgungstarife von Strom- und Gas-Anbietern sind in der Regel wesentlich teurer als Sondertarife, meint Ute Bernhardt von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Wer einen Sondertarif bei einem neuen Anbieter wähle, könne sogar bis zu rund 100 Euro im Jahr sparen, sagte Bernhardt im Dlf.

Ute Bernhardt im Gespräch mit Stefan Römermann

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Ein grüner Stromstecker liegt am 03.11.2013 in Berlin auf einer Stromrechnung.  (dpa / picture-alliance / Jens Kalaene)
Wer nach einem Wohnungswechsel im Grundversorgungstarif bleibt, zahlt meist mehr für Strom und Gas als in einem Sondertarif oder bei einen anderen Anbieter (dpa / picture-alliance / Jens Kalaene)
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Stefan Römermann: Das ist doch mal ein Service! Wer in eine neue Mietwohnung einzieht, der muss sich beim Thema Strom und Gas oft um nichts kümmern. Der Vermieter übermittelt die Zählerstände und das Datum des Einzugs an die örtlichen Stadtwerke und ein paar Tage später bekomme ich von denen dann Post, in der sie mich freundlich als neue Kunden begrüßen. Sehr praktisch, aber leider auch eher teuer, denn auf diese Weise landen Kunden automatisch in der sogenannten Grundversorgung.

Am Telefon habe ich jetzt Ute Bernhardt von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Frau Bernhardt, Grundversorgung - dieses Wort klingt erst mal ein bisschen seltsam. Ordnen wir das mal ein wenig ein. Habe ich da als Verbraucher irgendwelche Einschränkungen?

Ute Bernhardt: Einschränkungen hat der Verbraucher dadurch erst mal gar nicht. Um das erst mal zu erklären, was heißt denn überhaupt Grundversorgung, muss man ein Stück ausholen. Und zwar geht das darauf zurück, dass man sich ja nun entschieden hat, auch in Deutschland, keine Monopole mehr zu haben, sprich die Energieversorgung zu privatisieren. Damit das dann aber nicht der Vertragsabschlussfreiheit unterliegt, wo man von einem Stromanbieter abgelehnt werden kann, gibt es die gesetzliche Verpflichtung, einen Stromvertrag zumindest abschließen zu können.

Römermann: Jeder hat das Recht, zumindest in dieser Grundversorgung drin zu sein, und dann fließt der Strom, aber es kostet im Zweifelsfall.

Bernhardt: Genau. Ein Anbieter kann mich an der Stelle nicht ablehnen, wenn er ein Grundversorger ist. Insofern gibt es für den Anbieter, der ein Grundversorger ist, eine gesetzliche Verpflichtung, mich mit Strom zu beliefern. Dann kann man schon mal sehen: Wer ist der Grundversorger? Das ist immer der Stromanbieter, der die meisten Haushaltskunden in einem bestimmten Versorgungsgebiet hat, was meistens die Stadtwerke sind.

Single-Haushalte können bis zu 98 Euro sparen

Römermann: Die örtlichen Stadtwerke zum Beispiel. - Wie schlagen sich denn diese Grundversorgungstarife im Preisvergleich? Sie haben da jetzt ja eine aktuelle Stichprobe gemacht.

Bernhardt: Ja. Diese Grundversorgungstarife sind in der Regel wesentlich teurer als die Sondertarife. Das heißt, wenn wir mal in unsere aktuelle Studie schauen, die wir erhoben haben, dann muss man unterscheiden zwischen einem Single-Haushalt und einem Mehr-Personen-Haushalt, um dort überhaupt eine Aussage treffen zu können.

Da kann man sagen, dass man sparen kann, wenn man von der Grundversorgung in einen Sondertarif bei seinem Grundversorger wechselt, dass da ein Single-Haushalt durchschnittlich 68 Euro sparen kann, oder aber, wenn er vom Grundversorgungstarif in den günstigsten Tarif eines anderen Anbieters wechselt, kann ein Single durchschnittlich 98 Euro sparen.

Römermann: Woher weiß ich denn, dass ich tatsächlich in dieser Grundversorgung bin? Steht das immer auf meiner Jahresrechnung drauf?

Bernhardt: Das können Sie auf Ihrer Jahresrechnung sehen. Darüber hinaus kann man auch beim Versorger nachfragen, welche Tarife gibt es bei ihm.

"Tarifrechner im Internet nützliche Hilfe"

Römermann: Die Versorger haben ja selber auch günstigere Tarife. Sollte ich bei den Grundversorgungstarifen der Stadtwerke zugreifen, oder sollte ich doch lieber zu einem komplett anderen Anbieter wechseln?

Bernhardt: Das ist ja gerade das, was ich eben schon sagte. Man kann schon sehr viel sparen, wenn man bei dem eigenen Grundversorger in einen anderen Sondertarif wechselt. Aber die Ersparnis ist noch mal wesentlich höher, wenn man zu einem anderen günstigeren Anbieter vergleichend schaut.

Römermann: Wie finde ich am besten einen günstigen Anbieter?

Bernhardt: Da sind die Tarifrechner im Internet eine nützliche Hilfe.

Worauf man bei Tarifrechnern achten sollte

Römermann: Da muss ich ein bisschen darauf achten: Da werden ja häufig Sachen angeboten mit irgendwelchen Bonustarifen oder so, die gezahlt werden. Das sollte ich am besten ausblenden, oder was würden Sie da empfehlen?

Bernhardt: Wir empfehlen da immer: Man hat ja die Möglichkeit, dort verschiedene Einstellungen bei diesen Tarifrechnern zu wählen, um sich nicht alles anzeigen zu lassen, weil diese Tarifrechner ja auch nicht unabhängig sind. Insofern sagen wir immer, auf die Voreinstellungen achten, nur maximal zwölf Monate Vertragsdauer zu haben. Das heißt, wenn sich da die Preise ändern, dann kann man nach diesem Jahr auch schnell mal wieder wechseln. Dabei sollte eine Preisgarantie in diesem Jahr sein. Darüber hinaus sollte nur eine Kündigungsfrist bis zu sechs Wochen sein. Der Vertrag sollte sich nach diesem einen Jahr um maximal einen Monat verlängern. Und man sollte auch darauf achten, dass man keine Paketpreise nimmt und auch nicht per Vorauskasse bezahlt.

Das was Sie ansprachen, was die Bonuszahlungen angeht, da muss man unterscheiden. Ist man als Verbraucher sehr aktiv oder will man sich eher nicht immer darum kümmern, dann sollte man sehen, ob man mit Bonus oder ohne Bonus einen Tarif sich anzeigen lässt.

Römermann: Hohe Kosten bei Grundversorgungstarifen von Strom- und Gasanbietern - Ute Bernhardt war das von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Ich sage vielen Dank für das Gespräch.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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