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Stromsperren vermeiden

Bei Zahlungsverzug sollte sich schnell um Hilfe bemüht werden

Von Annette Eversberg

Der Energieversorger sollte ebenfalls schnellst möglich kontaktiert werden.
Der Energieversorger sollte ebenfalls schnellst möglich kontaktiert werden. (AP Archiv)

In den vergangenen Jahren sind die Energiekosten laufend gestiegen. Anfang 2013 haben viele Versorger die Preise um mehr als zehn Prozent erhöht. Immer mehr Menschen können ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen. Im schlimmsten Fall droht dann eine Sperre des Anschlusses.

Für die Betroffenen ist es eine Katastrophe: Ohne Strom ist Wohnen heute kaum noch vorstellbar. Doch 2011 wurden, so die Bundesnetzagentur, 312.000 Stromsperrungen ausgesprochen. Sechs Millionen mal wurde eine Sperrung angedroht. Wer mit seiner Strom- und Gasrechnung in Zahlungsverzug gerät, sollte sich schnell um Hilfe bemühen, empfiehlt Energiereferentin Claudia Bruhn von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

"Als Erstes sollte ich mal gucken, in was für einem Tarif ich drin bin, was zahle ich überhaupt für meinen Strom, dann wo kommt überhaupt der ganze Energieverbrauch her, ist das, weil ich viel verbrauche, oder ist da etwas nicht mit meiner Rechnung nicht in Ordnung, das würde ich auch mal überprüfen lassen, und eine Budgetberatung in Anspruch nehmen, um zu schauen, kann ich vielleicht mein Geld anders ausgeben. Habe ich irgendwie Schwerpunkte, die ich bezahle, die ich auch verschieben könnte."

Auch den Energieversorger sollte man schnellst möglichst kontaktieren, rät Sigrid Bäumer, Sprecherin der Stadtwerke Münster.

"Wenn unsere Rechnung nicht bezahlt wird, wird eine Mahnung verschickt, und wenn auf diese Mahnung überhaupt nicht reagiert wird, wenden wir uns auch noch mal an die Kunden, und wenn dann irgendwann wieder nicht reagiert wird, dann sehen wir uns gezwungen, zu sperren."

Eine Sperrandrohung ist allerdings nur dann zulässig, wenn die Rückstände mindestens 100 Euro betragen. Und sie muss verhältnismäßig sein. Das bedeutet, so Claudia Bruhn von der Verbraucherzentrale NRW:

"Wenn der Verbraucher nachweisen kann, dass er zahlungsbereit ist, oder dass vielleicht ein Härtefall vorliegt, dass eine Hochschwangere im Haus lebt, oder dass Kinder im Haus leben, oder Kranke im Haus leben, dann sollte man auf jeden Fall mit dem Versorger in Verhandlungen treten und nachweisen, dass es so ist, dann wird im Einzelfall vielleicht auch nicht gesperrt."

Ist die Mahnung korrekt, hat man vier Wochen Zeit zu bezahlen oder auf andere Weise zu reagieren. Sigrid Bäumer.

"Man kann auch Ratenzahlungen vereinbaren. Und zwar besonders auf die Schlußrechnung bezogen. Wenn man zum Beispiel Nachschlag zahlen muss und man sich überfordert fühlt, diesen Nachschlag auf einmal zu bezahlen, und einfach sagt, wie können wir das jetzt hier staffeln."

Dafür bieten die Stadtwerke Münster ebenso wie die Kommunen, kirchliche Organisationen und die Verbraucherzentralen eine Schuldnerberatung an. Wer arbeitslos gemeldet ist, kann sich – so Claudia Bruhn - an sein Jobcenter wenden.

"Wenn Sie zum Beispiel eine hohe Nachzahlung haben, dann können Sie zum Jobcenter gehen und nachfragen, ob diese auf Darlehnsbasis übernommen wird. Und dann kann man das peu à peu beim Jobcenter abstottern."

Auf jeden Fall sollte man genau schauen, was die Energiekosten hochtreibt. Für Thermostatregler an den Heizungen muss der Vermieter sorgen. Ladegeräte für Handys oder Fernseher und DVD-Player im Standby, ebenso alte Kühlschränke und Heizpumpen sind Stromfresser. Auch um hier zu sparen, dafür kann man sich beraten und bei einem Neukauf sogar helfen lassen. Claudia Bruhn.

"Einige Versorgungsunternehmen kooperieren auch mit den Verbraucherzentralen und der Caritas. Und ansonsten gibt es auch immer mal wieder Förderprogramme von Energieversorgungsunternehmen wie Kühlschrankcontracting oder Zuschuß zum Kauf einer Heizungspumpe etc."

Wer schon in die Schuldenfalle geraten ist, dem rät die Verbraucherschützerin, auf die Prioritäten zu achten.

"Erst mal sollte ich die Energieversorgung und den Wohnraum aufrechterhalten. Erst mal die Stromrechnung bezahlen und die Miete bezahlen, bevor ich andere Gläubiger bediene."

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