• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 17:05 Uhr Markt und Medien
StartseiteEuropa heuteLitauen kämpft um Energieunabhängigkeit27.02.2015

Stromtrasse nach WestenLitauen kämpft um Energieunabhängigkeit

Russland ist für Litauen derzeit der wichtigste Energielieferant. Litgrid, der litauische Netzbetreiber, baut nun mit Hochdruck an neuen Stromtrassen Richtung Westen - aus politischen Gründen: Denn die kleine Republik will von Russland unabhängig werden.

Von Andrea Rehmsmeier

(picture alliance / dpa / Dieter Ebeling)
EU-Außengrenze in Litauen: Ziel der neuen Trassen ist eine Diversifizierung der Energiequellen. (picture alliance / dpa / Dieter Ebeling)
Weiterführende Information

Rüstungsgeschäfte - Keine Panzerlieferung an Litauen
(Deutschlandfunk, Informationen am Mittag, 22.02.2015)

Spannungen mit Russland - Litauen verteilt Ratgeber für den Kriegsfall
(Deutschlandfunk, Informationen am Morgen, 29.01.2015)

Neue Währung für Litauen - Euro besiegelt Abkehr von Russland
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 01.01.2015)

Dutzende Baukräne ragen in den Himmel; Arbeiter in dicken Winterjacken ziehen Wände hoch. Udo Schwarz ist der Arbeitsschutzbeauftragte des Bauprojekts "LitPol". Hier, im dünn besiedelten Umland der Industriestadt Alytus, entsteht vor seinen Augen ein Umspannwerk, das die Stromnetze Litauens und Polens miteinander verbinden soll. Mit dem Finger zeichnet Schwarz den Verlauf der neuen Stromtrasse nach - Richtung Südwesten, wo in gut 50 Kilometern Entfernung die polnische Grenze liegt. Dann dreht sich der gebürtige Pfälzer nach Osten, von wo Litauen seine Energie bislang bezieht. Er weist in die Richtung, wo er die Grenze zu Weißrussland vermutet.

"Ähhh - hier! Ungefähr 120 Kilometer. Hier ist auch die Transitstrecke für die Leute, die dann von Russland hier rüber fahren. Ist politisch im Moment ein bisschen schwierig. Man sieht wenige russische Fahrzeuge momentan. Das war vor drei Monaten hier heftig - und auf einmal gar nichts mehr. Wo die alle sind? Naja, ich denk, Politik sollen andere machen. Uns fällt's nur auf ..."

Keine Kompatibilität mit europäischen Netzen

Die Wege trennen sich: Noch ist Russland Litauens wichtigster Lieferant von Strom - eingespeist über ein Netz, das aus der Sowjetzeit stammt. Zwar bieten die alten Trassen auch für die Ansprüche einer Hightech-Gesellschaft genug Kapazität. Aber die Republik Litauen baut die neuen Hochspannungs-Leitungen nicht aus technischen, sondern aus politischen Gründen - und dabei scheut sie keine Kosten. Doch die postsowjetischen Stromnetze Litauens sind mit dem europäischen System nicht kompatibel. Das macht die LitPol-Anbindung schon aus technischen Gründen zu einem hoch komplexen Projekt. Für die Synchronisierung der Netze sind nicht weniger als acht Transformatoren notwendig, jeder einzelne ein Hightech-Ungetüm mit einem Gewicht von weit über 100 Tonnen. "LitPol" kostet die kleine Balten-Republik 145 Millionen Euro. Ein Großteil des Auftragsvolumens geht an die ABB-Gruppe. Der Arbeitsschutzbeauftragte Schwarz deutet auf die frisch gebaute Halle, wo sich das Herzstück der Anlage befinden wird: eine sogenannte Back-to-Back-Konverter-Station.

"Ich geb ein ganz einfaches Wort: Kommt ein Kabel rein, wird verteilt. Und das wird dann auf verschiedene Stärken verteilt, und hinten wieder zusammengeführt. Also, das ist ein Wechselspiel, damit man nicht hohe Verluste fährt, mit dem Strom. Deswegen kommt ja auch der Gleichstrom hier rein, wird dann in Wechselstrom umgewandelt, und dann wieder in Gleichstrom, um wieder weitergelenkt zu werden. Ja, weil wenn Sie Wechselstrom haben, dann haben Sie einen hohen Stromverlust, bei den langen Leitungen."

Zweite Trasse nach Schweden 

Ende 2015 soll LitPol in Betrieb genommen werden. Dann wird Litauens Stromnetz zwar weiterhin Teil des russischen Netzes sein, doch zusätzlich wird es durch 163 Kilometer Oberleitung an Polen angebunden sein. Für die Energiesicherheit Litauens war diese Großinvestition unverzichtbar, sagt Vorstandsmitglied Karolis Sankovksi, der bei Litgrid die strategischen Infrastrukturprojekte leitet.

"Man nennt uns die "Inselländer" von Europa, weil wir keine direkte Netzverbindung zu Kontinentaleuropa haben. Bislang sind wir nur über die Tiefseekabel-Verbindungen Estlink 1 und Estlink 2 auf dem Umweg über Estland und Finnland mit Nordeuropa verbunden. Darum ist die Anbindung an Polen im Moment unser wichtigstes strategisches Projekt. Die baltischen Staaten wollen nicht länger Energieinseln sein. LitPol ist der erste Schritt."

Auch den zweiten Schritt hat Litauen bereits getan. Das Projekt heißt "NordBalt", und bezeichnet eines der längsten Tiefseekabel der Welt, das Litgrid gerade durch die Ostsee nach Schweden legen lässt: eine 550-Millionen-Euro-Investition. Zwar wird auch dieses Megaprojekt keine völlige Unabhängigkeit von Russland bringen - aber es bricht seine Marktmacht.

"Das ist das Hauptziel - nicht, kategorisch von einem System auf das andere umstellen, und alle bestehenden Verbindungen zu kappen. Unser Ziel ist die Diversifizierung unsere Energiequellen, die Versorgungssicherheit und die Unabhängigkeit."

 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk