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Seit 06:50 Uhr Interview
StartseiteNachrichten vertieftKinderarmut in Deutschland alarmierend10.05.2015

Studie Kinderarmut in Deutschland alarmierend

Kinder- und Familienarmut hat in Deutschland alarmierende Ausmaße angenommen, zugleich geht die staatliche Unterstützung zu oft am Bedarf vorbei. kommen zwei Erhebungen im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. Die Studie zeichnet das Bild einer Gesellschaft, die ein Viertel ihrer Kinder abhängt.

Kind mit Puppe (dpa / picture alliance)
"Materielle Unterversorgung und fehlende soziale Teilhabe sind eine schwere Hypothek, mit der manche Kinder ins Leben starten." (dpa / picture alliance)
Weiterführende Information

Weihnachten in armen Familien - "Kinderarmut ist immer abgeleitete Armut der Erwachsenen"
(Deutschlandfunk, Wirtschaft und Gesellschaft, 22.12.2014)

Unicef-Bericht - Arme Kinder in reichen Ländern
(Deutschlandfunk, Aktuell, 28.10.2014)

UNICEF-Studie - Kinderarmut in Industrieländern nimmt zu
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 28.10.2014)

Appell - Kinderhilfswerk fordert Programm gegen Kinderarmut
(Deutschlandradio Kultur, Ortszeit, 14.01.2014)

Jedes siebte Kind ist arm
(Deutschlandfunk, Wirtschaft und Gesellschaft, 25.09.2012)

Jedes fünfte Kind unter 15 Jahren ist armutsgefährdet, wächst also unterhalb der Armutsgrenze auf, heißt es in der am Sonntag in Gütersloh veröffentlichten Studie. Demnach leben 2,1 Millionen Jungen und Mädchen in Familien, die weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Netto-Einkommens zur Verfügung haben. Bei einer vierköpfigen Familie liegt diese Schwelle bei 1.848 Euro im Monat.

Knapp die Hälfte der Haushalte, in denen diese 2,1 Millionen Kinder leben, beziehen staatliche Grundsicherung, also SGB-II-Leistungen, besser bekannt als Hartz IV. Bei der anderen Hälfte ist das allerdings nicht der Fall: Sie leben ohne diese Unterstützung. Zu diesen insgesamt 2,1 Millionen armutgefährdeten Kindern kommen noch einmal 480.000 Kinder hinzu, die nur dank der Hilfen der SGB-II-Leistungen knapp oberhalb der Armutsschwelle leben.

Zehn Prozent ohne ausreichende Winterkleidung

Den Autoren der Studie zufolge bedeutet dies für den Alltag etwa, dass nahezu 20 Prozent der Kinder, die Grundsicherung beziehen, in beengten Verhältnissen leben. 76 Prozent der Kinder, deren Eltern auf Hartz IV angewiesen sind, können sich keinen Urlaub von mindestens einer Woche leisten. Auch lasse in vielen Fällen das schmale Budget nicht zu, dass Freunde nach Hause eingeladen werden.

Rund 14 Prozent wachsen zudem in Haushalten ohne Internet auf, 38 Prozent in Familien ohne Auto. Bei zehn Prozent der Kinder reichen die Ressourcen nicht für ausreichende Winterkleidung für alle Familienmitglieder. Zugleich stellt die repräsentative Erhebung heraus, dass elementare Güter - eine warme Mahlzeit am Tag oder pünktliche Mietzahlungen - in Familien mit SGB-II-Bezug in der Regel gewährleistet sind.

Ein Viertel der Kinder wird abgehängt?

Die Studie skizziert das Bild einer sich verschärfenden Dreiviertelgesellschaft. Mithin lebt hierzulande drei Viertel aller Kinder in finanziell gesicherten, ein Viertel dagegen in finanziell unsicheren Verhältnissen. Die Auswertung der Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung zeigt eine deutliche Benachteiligung von Kindern einkommensarmer Familien im Vergleich zu Haushalten mit gesicherten finanziellen Verhältnissen.

Bertelsmann-Stiftung: Umdenken im Kampf gegen Kinderarmut nötig

Der Bertelsmann-Stiftung zufolge offenbart die Befragung, dass das staatliche Unterstützungssystem Armut nur unzureichend auffange. Ein Umdenken im Kampf gegen Kinderarmut sei nötig. "Materielle Unterversorgung und fehlende soziale Teilhabe sind eine schwere Hypothek, mit der Kinder ins Leben starten", betonte Stiftungschef Jörg Dräger.

Der Bedarf der Kinder, ihr Wohlbefinden und ihre Teilhabechancen müssten in den Mittelpunkt rücken, die staatliche Grundsicherung solle erhöht werden. Bislang konzentriere sich die Familien- und Sozialpolitik zu stark auf die Integration von Eltern in den Arbeitsmarkt. Empfehlenswerter sei dagegen die Einrichtung zentraler Anlaufstellen mit festen Ansprechpartnern, die die jeweilige Familiensituation kennen.

(tön/tgs)

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