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StartseiteForschung aktuellPflanzenschutzmittel ziehen Bienen an23.04.2015

StudiePflanzenschutzmittel ziehen Bienen an

Bienen und Neonicotinoide - über den Einfluss systemischer Pflanzenschutzmittel gibt es seit einigen Jahren eine hitzige Debatte. Heute veröffentlicht das Fachmagazin "Nature online" gleich zwei Studien über Neonicotinoide, die mit überraschenden Ergebnissen aufwarten.

Von Joachim Budde

Eine Biene sitzt am 7.1.2014 in Köln auf einer Blüte. (dpa)
Neonicotinoide haben einen pharmakologischen Effekt auf die Hirnzellen der Bienen, die für das Belohnungslernen verantwortlich sind. Wie Nikotin verstärken sie das Belohnungsgefühl, das die Bienen haben, wenn sie die Zuckerlösung trinken. (dpa)
Weiterführende Information

Biodiversität - Wilde Bienen in Amsterdam
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 09.04.2015)

Begattungsanstalt im Thüringer Wald - Vergnügungspark für Bienen
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 08.04.2015)

Bayer vs. BUND - Pestizide verantwortlich für Bienensterben?
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 24.02.2015)

Artensterben - Experte warnt vor wirtschaftlichen Konsequenzen für die Landwirtschaft
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 16.01.2015)

Schwund der Artenvielfalt - Der Niedergang begann mit Guano
(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 12.12.2014)

Raps ist ein Paradebeispiel für eine Feldfrucht, bei der Neonicotinoide gegen Schädlinge eingesetzt werden. Schon der Samen der Pflanzen ist damit gebeizt. Die Sprösslinge nehmen das Gift auf und verteilen es von den Wurzeln bis in die Blattspitzen. Doch auch Nützlinge wie Honigbienen kommen damit über Nektar und Pollen in Kontakt. Und es gibt großen Streit darüber, wie schädlich das für sie ist. Eine aufwendige Studie schwedischer Forscher liefert jetzt Antworten. Maj Rundlöf von der Universität Lund hat sie koordiniert.

"Wir haben 16 Rapsfelder benutzt, immer zwei in vergleichbarer Landschaft. In jedem Paar ließen wir auf einem Feld Sommerraps aussähen, der mit dem Neonicotinoid Clothianidin gebeizt war, auf dem anderen unbehandelten Raps. An jedem Feld stellten wir sechs Kästen mit Honigbienenvölkern auf, sechs Kolonien der Dunklen Erdhummel und 27 Kokons mit einzeln lebenden Wildbienen der Art Rote Mauerbiene."

Auf unbehandelten Feldern wir mehr Nektar und Pollen gesammelt

Zunächst beobachteten die Biologen, welche Bienenarten die Rapsblüten besuchten.

"Auf Feldern mit unbehandeltem Raps sammelten doppelt so viele wilde Bienenarten Nektar und Pollen wie auf behandelten Feldern."

Auch was die Entwicklung der Wildbienenarten im Verlauf des Jahres angeht, fanden die Forscher einen Zusammenhang zwischen Bruterfolg und Clothianidin.

"An sechs von acht Kontrollfeldern hat die Mauerbiene in unseren Nisthilfen gebrütet, jedoch an keinem der acht behandelten Felder. Das war eines der überraschendsten Ergebnisse. Die Hummelkolonien an den behandelten Feldern wuchsen beinahe überhaupt nicht. Und sie produzierten weniger Königinnen und Männchen."

Das ist ein großes Problem, denn nur die neuen Königinnen überwintern. Der Rest des Volkes stirbt am Ende des Jahres. Bei den Honigbienen hingegen konnten die Forscher nach einer Saison keine Auswirkungen des Neonicotinoids feststellen.

"Honigbienen bilden Kolonien mit Zehntausenden Arbeiterinnen, viel größer also als Hummelvölker mit ein paar Hundert. Wenn die Honigbienen einen Teil der Arbeitskraft verlieren, können sie immer noch überleben. Zudem können Hummeln die Neonicotinoide schlechter wieder ausscheiden als Honigbienen."

Gifte ziehen Bienen an

Wenn Bienen Nektar mit diesen Pflanzenschutzmitteln am Geschmack erkennen könnten, könnten sie den Giften ausweichen. Um das zu testen, ließen Forscher von der Universität Newcastle Hummeln und Honigbienen zwischen unbelastetem Zuckerwasser und solchem mit winzigen Mengen der Neonicotinoide Imidacloprid, Thiametoxam oder Clothianidin wählen. Die Konzentrationen entsprachen dem, was Bienen im Nektar behandelter Pflanzen finden, sagt Geraldine Wright.

"Wir haben erwartet, dass die Bienen die Lösung mit den Giften verschmähen, wenn sie sie herausschmecken, oder gleichviel von beiden Sorten trinken, wenn sie das nicht können. Es hat uns sehr überrascht, dass sie stattdessen mehr von der Lösung mit Thiametoxam und Imidacloprid tranken. Kleine Mengen dieser Stoffe ziehen Bienen an."

Um sicher sagen zu können, ob die Bienen die Gifte tatsächlich schmecken, maßen die Forscher die Aktivität ihrer Geschmacksnerven, wenn die Insekten Neonicotinoide tranken.

"Die Nervenzellen reagierten nicht auf die Neonicotinoide, Bienen können sie also nicht herausschmecken."

Warum also ziehen die Bienen den Nektar mit dem Gift vor? Die Biologen vermuten, es könnte bei den Tieren so ähnlich sein wie beim Menschen mit Kaffee oder Tabak. Geraldine Wright.

"Neonicotinoide haben einen pharmakologischen Effekt auf die Hirnzellen der Bienen, die für das Belohnungslernen verantwortlich sind. Wie Nikotin verstärken sie das Belohnungsgefühl, das die Bienen haben, wenn sie die Zuckerlösung trinken. Darum kehren die Bienen dorthin zurück."

Ob Imidacloprid und Thiametoxam die Bienen sogar süchtig machen können, das muss weitere Forschung zeigen.

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