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StartseiteNachrichten vertieftSinti und Roma als Nachbarn unerwünscht03.09.2014

StudieSinti und Roma als Nachbarn unerwünscht

Sinti und Roma gehören laut einer Studie zu der unbeliebtesten Minderheit in Deutschland. Rund ein Drittel aller Deutschen empfindet eine direkte Nachbarschaft mit Sinti und Roma als "eher oder sehr unangenehm" – und alte Vorurteile prägen das Bild der Deutschen.

"Gemeinsam Antiziganismus bekämpfen" steht auf einem Banner, das mehrere Menschen vor dem Mahnmal für Sinti und Roma in Berlin bei einer Kundgebung festhalten. (dpa picture alliance / Florian Schuh)
Vorurteile gegenüber Sinti und Roma sind bei den Deutschen noch weit verbreitet. (dpa picture alliance / Florian Schuh)
Weiterführende Informationen

Rechtsextremismus - Der Hass im Netz (Deutschlandfunk, Aktuell, 12.08.2014)

Antiziganismus - Hass auf Roma-Kunst (Deutschlandfunk, Kultur heute, 24.07.2014)

Rassistische Angriffe - Amnesty verurteilt Gewalt gegen Roma (Deutschlandfunk, Aktuell, 08.04.2014)

Einwanderung - Alles nur Sozialtouristen? (Deutschlandfunk, Länderzeit, 19.03.2014)

Die Hälfte der Befragten gab in der Studie "Zwischen Gleichgültigkeit und Ablehnung - Bevölkerungseinstellungen gegenüber Sinti und Roma" an, dass Sinti und Roma durch ihr Verhalten Feindseligkeiten in der Bevölkerung hervorrufen würden.

Einreise für Sinti und Roma beschränken

In der repräsentativen Umfrage wurden mehr als 2000 Personen befragt. 80 Prozent der Befragten schlugen vor, den vermuteten Missbrauch von Sozialleistungen durch Sinti und Roma zu bekämpfen, 50 Prozent meinten, die Einreise für Roma und Sinti sollte beschränkt werden. Jeder Fünfte schlug eine Abschiebung aus Deutschland vor, 14 Prozent waren für eine "gesonderte Unterbringung."

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, hält die Befunde der Untersuchung für dramatisch: "Gleichgültigkeit, Unwissenheit und Ablehnung bilden zusammen eine fatale Mischung, die Diskriminierungen den Boden bereiten." Sinti und Roma würden von einem beträchtlichen Teil der Bevölkerung nicht als gleichberechtigte Mitbürgerinnen und Mitbürger wahrgenommen.

Medien bestärken Vorurteile

Sie regte deshalb an, die Partizipation von Sinti und Roma in der Gesellschaft zu erhöhen. Dies könne etwa über eine Teilhabe in den Rundfunkräten gewährleistet werden. Außerdem schlug sie eine entsprechende Arbeitsgruppe in der Kultusministerkonferenz vor. Die Gründung einer speziellen Bildungsakadamie, die von Bund und Ländern getragen wird, könne für einen gerechten Zugang zur Bildung sorgen.

Auch die Medien bestärken Klischees und Vorurteile gegenüber Sinti und Roma. Das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma legte bereits im Juli eine Studie vor, in der die Wirkung von Vorurteilen in Medien untersucht wurde. Als Beispiel für tief verwurzelte Vorurteile von den "kinderraubenden Zigeunern" wurde der Fall Maria aufgeführt, der vor einem knappen Jahr in ganz Europa große Aufmerksamkeit erfuhr. Bei Maria handelt es sich um ein blondes Mädchen, das angeblich von Roma in Griechenland geraubt worden sei, was sich später als falsch erwies.

(tzi/cc)

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