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StartseiteCampus & KarriereSpäte Berufsausbildung als Alternative01.06.2017

StudienabbruchSpäte Berufsausbildung als Alternative

Die Zahl derjenigen, die ihr Studium abbrechen, ist laut einer neuen Studie insgesamt leicht gestiegen. Besonders hoch ist die Quote bei Migranten. Die Studie zeigt aber auch: Immer häufiger ist eine nachträgliche Berufsausbildung eine attraktive Option.

Von Stefan Maas

Ein weißes Dokument mit aufgedruckter Schrift. Zu lesen ist: "Antrag auf Exmatrikulation". Auf dem Blatt Papier liegt ein rot-silberner Kugelschreiber. (imago stock&people)
In Deutschland ist die Abbruchquote an Universitäten leicht gesunken, an Fachhochschulen dagegen gestiegen. (imago stock&people)
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"Jetzt, wo es auf die Bachelorarbeit im Soziologiestudium zuging, habe ich gemerkt, dass ich an einem Punkt bin, ich bin irgendwie nicht weitergekommen im Leben. Ich habe nicht das Gefühl gehabt, dass ich einen Schritt in die richtige Richtung mache. Und die einzige Aussicht, die ich meiner Meinung nach hatte, war, noch einen Master hinten dran zu hängen, bei dem ich dann hinterher immer noch nicht weiß, was ich mit der ganzen Sache anfangen will."

Also habe er sich dafür entschieden, sein Studium abzubrechen, erzählt Philipp Seiffert, während er am Tisch in der WG-Küche sitzt. Wie dem 26-Jährigen geht es 29 Prozent aller Bachelor-Studierenden, zeigt eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung. Dafür haben die Autoren den Absolventenjahrgang 2014 untersucht.

Ihre Arbeit zeigt: An Universitäten ist die Abbruchquote seit 2008 leicht gesunken und liegt bei 32 Prozent, an Fachhochschulen etwas darunter. Sie ist aber von 23 auf 27 Prozent gestiegen. Dort ist es vor allem der Bereich der Ingenieurswissenschaften. Mit einem Anstieg der Studienanfänger in diesem Fach hat auch die Abbrecherquote zugelegt.

Jeder zweite Abbrecher exmatrikuliert sich schon während der ersten beiden Semester

An Universitäten hat sich die Abbruchquote vor allem bei Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften von 27 auf 30 Prozent erhöht. Knapp die Hälfte der Aussteiger verlässt bereits während der ersten beiden Semester die Hochschule, 29 Prozent im dritten oder vierten Semester. Für den Abbruch gebe es eine Reihe von Gründen, sagte Bundesbildungsministern Johanna Wanka bei der Vorstellung der Studie:

"30 Prozent derer, die abgebrochen haben, sehen die Ursache in Leistungsanforderungen, die sie nicht bewältigen konnten, also war zu schwer, war nicht leistbar. 17 Prozent sagen: mangelnde Studienmotivation. Und 15 Prozent sind der Meinung, dass sie stärker auf eine praktische Tätigkeit sich orientieren möchten, und das in dem, was bisher im Studium war, nicht wiedergefunden haben."

Im Masterstudium hat sich die Abbrecherquote sowohl an Universitäten als auch an Fachhochschulen erhöht. An Universitäten von elf auf 15 Prozent. Gestiegen ist die Quote dort vor allem bei Sprach- und Kulturwissenschaften, Mathematik und Naturwissenschaften. An Fachhochschulen ist die Quote gar von sieben auf 19 Prozent gesprungen. Der Grund: Rechts-, Wirtschafts-, Sozial-, Naturwissenschaften, Mathematik und Ingenieurswissenschaften.

Migranten brechen Studium deutlich häufiger ab

Eine Teilstudie kommt zu dem Ergebnis, dass vor allem Studierende mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich häufig ihr Bachelorstudium abbrechen. Die Quote liegt bei dieser Gruppe bei 43 Prozent. Das zeige, dass ein Studium für Menschen aus Zuwandererfamilien eine besondere Herausforderung darstelle, sagte Wolfgang Rohe, der Geschäftsführer der Mercator-Stiftung, die die Teilstudie gefördert hat:

"Die Frage ist natürlich dann, was kann man tun. Wichtig ist es dann, die ganze Bildungskette in den Blick zu nehmen."

Deshalb müsste diese Gruppe schon vor Studienbeginn stärker gefördert werden. Die Gesamt-Studie zeigt auch, dass rund ein halbes Jahr nach Verlassen der Hochschule 31 Prozent der ehemaligen Studierenden einen Job haben, 43 Prozent haben eine Berufsausbildung begonnen. So sei es auch bei ihm gewesen, erzählt Philipp Seiffert.

"Also, im Dezember entschieden, im Januar Umzug und Ausbildungsplatz, und dann im Februar angefangen."

Unternehmen halten verstärkt nach Studienabbrechern Ausschau

Geholfen hat ihm dabei ein Programm der Berliner Industrie- und Handelskammer mit dem Namen "Your Turn". Die IHK habe schon 2013 erkannt, sagt Nils Vogt, der die Studienabbrecher berät…

"…dass viele Unternehmen ihre Ausbildungsplätze nicht mehr besetzen können und anspruchsvolle Ausbildungsplätze anzubieten haben und auch leistungsstarke Bewerber brauchen. Und die sehen wir in den Studienaussteigern. Oder auch Zweiflern."

Das Konzept des Programms: Studienleistungen werden auf die Ausbildung angerechnet und dadurch deren Dauer auf 18 Monate verkürzt.

"Ich bin da sehr pessimistisch hingegangen. Und habe gedacht, wer will schon einen Soziologen als Fachinformatiker anstellen."

Erzählt Philipp Seiffert. Am Ende konnte er sogar zwischen mehreren Firmen auswählen. Natürlich gebe es Ausbildungen, die sich für den Umstieg und die verkürzte Ausbildung besser eigneten als andere, sagt Nils Vogt. Aber auch ungewöhnliche Kombinationen hätten Chancen auf Erfolg:

"Ich hatte erst vor kurzem ein interessantes Beratungsgespräch mit einer jungen Frau, die hat Koreanistik studiert und macht jetzt eine Ausbildung zur Immobilienfachfrau. Hätte man so nicht gedacht, aber klappt."

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