Freitag, 24.11.2017
StartseiteVerbrauchertippWas Eltern wissen sollten09.11.2017

StudienfinanzierungWas Eltern wissen sollten

Ein Studium kostet. Eltern sollten sich frühzeitig Gedanken machen, wie sie die akademische Ausbildung ihrer Kinder finanzieren. Denn während der Ausbildungszeit haben sie eine Unterhaltspflicht, sofern sie selber über ein Mindesteinkommen verfügen.

Von Detlev Karg

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Formular für den Antrag auf Ausbildungsförderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) (dpa/picture alliance/Jan-Peter Kasper)
BAföG wird auf Antrag für die Ausbildungsförderung gewährt. Meist müssen Eltern kräftig dazuzahlen. Den Anspruch berechnet das Studentenwerk. (dpa/picture alliance/Jan-Peter Kasper)
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Grundsätzlich müssen Eltern die Kinder während der Ausbildung unterstützen. Wie hoch die Unterstützung ausfällt, lässt sich aber nur im Einzelfall entscheiden. Wer sehr wenig Einkommen hat, muss möglicherweise gar keinen Unterhalt bezahlen. Außerdem müssen Eltern nur eine Ausbildung finanzieren, danach ist Schluss. Rund 800 Euro im Monat braucht ein Student im Schnitt im Monat mindestens, rechnet etwa die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein vor. Deren Finanzexperte Michael Herte rät deshalb:

"Können es sich die Eltern leisten, einen während des Studiums zu unterhalten, ja oder nein? Wenn nein, bitte alle Unterlagen bereits frühzeitig fertigmachen um einen BAföG-Antrag stellen zu können, und, was viele vergessen: Es gibt ja auch Möglichkeiten, über Stipendien ein Studium zu finanzieren, und da ist es bereits möglich, als Schüler eine Bewerbung abzusenden."

Studentenwerk ermittelt BAföG-Anspruch

Ob die Kinder einen Anspruch auf BAföG haben, berechnet das Studentenwerk auf Antrag nach dem Einkommen der Eltern. Hier zählt das Einkommen des Vorjahres. Hinzu kommen weitere Faktoren – wohnt ein Kind nicht mehr bei den Eltern, gibt es mehr Geld. Bedenken sollten Eltern wie Studierende, dass das BAföG nach dem Studium zur Hälfte wieder zurückgezahlt werden muss. Was Eltern leisten müssen, wenn sie selber das Studium finanzieren, zeigt das Beispiel des Hamburger Polizisten Torsten Schwarz und seiner Familie. Beide Kinder studieren, und beide wohnen nicht mehr zu Hause.

"Also, ich hab mir das schon durchgerechnet, wie man das stemmen könnte. Ich habe auch mit beiden die Gespräche geführt. Das bekommen wir aus dem laufenden Betrieb gestemmt. Und dann haben wir auch Ersparnisse, wo wir gesagt haben, ok, da würden wir der Kinder zuliebe herangehen."

Studienkredit nur mit Einschränkungen zu empfehlen

An BAföG erhalten die Geschwister derzeit je 93 Euro monatlich. Um den Unterhalt für die beiden Kinder zu finanzieren, hat die Mutter noch einen Zweitjob auf 450 Euro-Basis angenommen. Immerhin: Pro Kind können Eltern bis zu 8820 Euro Unterhaltskosten jährlich als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen. Wer das nicht leisten kann, greift vielleicht zum Studienkredit. Dieser Weg ist für Eltern und Studenten jedoch nur mit Einschränkungen zu empfehlen, sagt Michael Herte:

"Bei Studienkrediten müssen wir aufpassen. Es gibt staatlich geförderte Darlehen insbesondere von der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Dort kann man entweder mal eine kleine Finanzspritze abholen. Man kann aber auch sein ganzes Studium finanzieren. Aber Achtung! Auch wenn die KfW eine Förderbank ist: Im Unterschied zum BAföG möchte sie zum einen das gesamte Geld zurückhaben und nicht nur die Hälfte, und sie verlangt natürlich auch Zinsen."

Kredit "nur eine Notlösung"

Am Ende eines Studiums kann so schnell eine fünfstellige Schuldensumme zusammenkommen. Somit kann ein Kredit nur eine Notlösung sein und es sollte Aussicht auf einen guten Job direkt nach dem Studium bestehen. Meist sind also die Eltern in der Pflicht. Familienvater Torsten Schwarz indessen findet die BAföG-Regelungen für Bezieher mittlerer Einkommen wie ihn und seine Frau gemessen an der allgemeinen Forderung nach mehr Akademikern in Deutschland unzureichend:

"Man muss mal sehen, wo das schon aufhört mit dem BAföG. Ich würde mich nicht als Spitzenverdiener oder im oberen Segment sehen, ich finde es nur in der Relation extrem wenig. Weil wir auch an der Grenze zur Null kratzen."

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