Donnerstag, 14.12.2017
StartseiteCampus & KarriereZahl der Studienkredite nimmt deutlich ab29.06.2016

StudienfinanzierungZahl der Studienkredite nimmt deutlich ab

Trotz steigender Studentenzahlen werden in Deutschland weniger Studienkredite in Anspruch genommen. Die Zahl der 2015 abgeschlossenen Kreditverträge sank im Vergleich zum Vorjahr um rund zehn Prozent, ermittelte das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Grund dafür könnte sein, dass viele Studierende doch den Nebenjob der Verschuldung vorziehen.

Von Philip Banse

Die KfW- Kreditanstalt für Wiederaufbau in Frankfurt (imago stock&people)
Ein KfW-Studienkredit kostet 4,16 Prozent effektiven Jahreszins. (imago stock&people)
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Robert Klemm ist 26 Jahre, studiert im elften Semester Verkehrswesen an der Technischen Universität. Vor zwei Jahren kam er von einem Auslandssemester zurück, zog bei den Eltern aus, bekam kein BAföG mehr und trotz Nebenjob war klar: Es muss Geld her, und zwar schnell, schneller jedenfalls als Stipendien bewilligt werden.

"Und deswegen habe ich dann mich dazu entschieden, nicht tief in den Dispo zu rutschen, sondern stattdessen diese 300 Euro zu bekommen von der KfW."

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau, kurz KfW, ist eine staatliche Bank, die subventionierte und damit billigere Studienkredite vergibt: Ohne Sicherheiten und unabhängig vom Einkommen konnte Robert Klemm einen monatlichen Auszahlungsbetrag zwischen 100 und 650 Euro beantragen – nur mit Ausweis und Studienbescheinigung. Zwei Monate später war die erste Auszahlung auf dem Konto:

"Ich fand es relativ einfach, diesen Kredit zu bekommen. Das fand ich ziemlich leicht."

Schnelle Geldspritze im Mix der Studienfinanzierung

Ein KfW-Studienkredit kostet 4,16 Prozent effektiven Jahreszins. Das klingt viel, ist aber nach Berechnungen von Finanztip.de und Stiftung Warentest das günstigste Angebot. Nach der letzten Auszahlung kann man maximal zwei Jahre Luft holen, dann beginnt die Rückzahlung – je schneller desto billiger.

"Studienkredite sind ein Nischenprodukt."

Sagt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk, das Studierende bei der Studienfinanzierung kostenlos berät.

"Derzeit beanspruchen sechs Prozent der Studierenden einen Kredit, allerdings muss man da differenzieren. Vier Prozent nehmen einen Studienkredit der KfW in Anspruch; ein Prozent einen Bildungskredit der KfW, das ist ein vom Bund gefördertes Darlehn zum Studienabschluss und ein weiteres Prozent nimmt einen Studienkredit in Anspruch von einer anderen Bank oder Sparkasse."

Nach dem heute veröffentlichten Studienkredit-Test des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) wurden vergangenes Jahr 53.000 Studienkredit-Verträge abgeschlossen, ein Rückgang zum Vorjahr um zehn Prozent. Gründe dafür könnten sein, dass das BAföG erhöht werden soll, in Deutschland alle Gebühren für ein Erststudium gestrichen wurden oder Studierende lieber jobben als Schulden machen. CHE-Test und Studentenwerk jedoch halten Studienkredite als schnelle Geldspritze im Mix der Studienfinanzierung weiterhin für sinnvoll – während eines Auslandssemesters etwa oder für den Abschluss. Stefan Grob:

"Das heißt, es gibt Phasen im Studium, wo wir als Deutsches Studentenwerk sagen, es hat Sinn über einen Studienkredit nachzudenken. Wir raten allerdings ganz ausdrücklich davon ab, ein Studium vollständig und ausschließlich über einen Kredit zu finanzieren. Da sehen wir einfach ein zu hohes Verschuldungsrisiko."

"Ich würde es nicht mehr machen."

Studierende sollten die Höhe der Zinsen beim Vertragsabschluss verabreden

Melanie Trommer hat an der FH in Bochum ihr Diplom in Sozialpädagogik gemacht, wollte dann einen Master in Soziologie und Genderstudies dranhängen. Trotz Nebenjob reichte das Geld nicht und so beantragte sie bei der KfW einen Bildungskredit: 300 Euro im Monat, zwei Jahre lang. Ein Jahr nach der letzten Auszahlung begann die Rückzahlung, 150 Euro pro Monat. Doch nach dem Master folgten befristete Jobs, Arbeitslosigkeit, ein Kind. Melanie Trommer musste einige Raten stunden, die Zinsen stiegen und so zahlt sie ihren 7.200-Euro-Kredit noch heute ab, mit 36, über zehn Jahre, nachdem sie den Studienkredit beantragt hat:

"Ich zahle jetzt immer noch zurück, genau, und gedanklich belastet mich das immer noch und das hätte ich eigentlich lieber schneller weggehabt oder irgendwie anders geregelt."

Passt ein Studienkredit und welcher soll es sein? Brauche ich wirklich 650 Euro pro Monat oder kann ich vielleicht doch etwas jobben und noch Wohngeld beantragen? Bei solchen Fragen helfen der CHE-Studienkredittest oder die Studentenwerke. Soll es ein Studienkredit sein, rät Sarah Räsch vom Berliner Studentenwerk, oft zum KfW-Kredit, aber auch der hat Grenzen:

"Der KfW-Kredit geht ja nur bis zu einem bestimmten Alter, 44. Oder ich bin im Studienabschluss, interessiere mich für den KfW-Bildungskredit, bin aber schon im 14. Hochschulsemester, dann kommt der auch nicht mehr in Frage."

Dann bleiben nur Studienkredite von Banken und Sparkassen. Die sind in der Regel gut, sagt der CHE-Test, aber teurer und Studierende sollten die Höhe der Zinsen schon beim Vertragsabschluss verabreden – nicht erst, wenn die Rückzahlung ansteht.

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