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StartseiteCampus & Karriere"Bessere Perspektiven schaffen"22.04.2015

Studieren nach der Ausbildung"Bessere Perspektiven schaffen"

Studieren ohne Abitur wird immer beliebter. Auch Sebastian Stegen ist diesen Weg gegangen: Er hat erst eine Ausbildung gemacht, um sich danach mit einem Studium weiterzubilden. Ein Weg, den er weiterempfehlen würde - obwohl die Praxis an der Hochschule seiner Meinung nach zu kurz kommt.

Sebastian Stegen im Gespräch mit Benedikt Schulz

Studenten sitzen am Campus Koblenz der Universität Koblenz-Landau im großen Hörsaal. (dpa / picture alliance / Thomas Frey)
Noch nie gab es so viele Studierende, die ohne Abitur oder Fachabitur auf eine Hochschule gehen. (dpa / picture alliance / Thomas Frey)
Weiterführende Information

Akademisierungswahn - Studium als Normalfall
(Deutschlandfunk, Hintergrund, 30.03.2015)

Uni gegen Fachhochschule - Der Kampf um die Praxis im Studium
(Deutschlandfunk, Hintergrund, 08.01.2015)

Steigende Studentenzahlen - Studium ist nicht der Königsweg zu beruflichem Erfolg
(Deutschlandradio Kultur, Interview mit dem Philosophie-Professor Julian Nida-Rümelin, 27.11.2014)

Benedikt Schulz: Noch nie gab es so viele Studierende, die ohne Abitur oder Fachabitur auf eine Hochschule gehen. Das Interesse an einem Studium für Menschen ohne die klassische sogenannte Hochschulzugangsberechtigung ist groß, aber eben nicht nur bei den Anwärtern, sondern auch bei der Wirtschaft. Denn praktische Erfahrung durch die berufliche Bildung plus akademische Ausbildung, das ergibt - so zumindest die Hoffnung - die dringend gesuchte Fachkraft. Nun gibt es leider immer noch ziemlich viele Hürden auf dem Weg zur Hochschule und dann auch in der Hochschule selbst. Sebastian Stegen ist diesen Weg gegangen, er hat Elektriker gelernt und studiert jetzt an der Hochschule in Hannover Elektro- und Informationstechnik. Und außerdem schreibt er gerade an seiner Bachelorarbeit. Ich grüße Sie!

Sebastian Stegen: Ja, schönen guten Tag!

Schulz: Als Sie das Studium angefangen haben, mit welchen Problemen, erzählen Sie mal, hatten Sie damals zu kämpfen?

Stegen: Die grundsätzlichen Probleme lagen natürlich erst mal darin, dass ich in der Ausbildung relativ wenig Mathematik, Physik und überhaupt diese naturwissenschaftlichen Grundlagen gebraucht habe und das natürlich dann erst wieder alles aufarbeiten musste, um da einen vernünftigen Einstieg zu finden und natürlich auch die Quellen dafür erst mal zu finden, wo ich mich informieren kann, wenn ich da Problematiken habe, wie ich die beseitigen kann, dass ich dann auf den Stand quasi von den Leuten komme, die mit dem Abitur direkt ins Studium eingestiegen sind und in dem Bereich einfach noch gerade firm sind.

Schulz: Was war Ihre Motivation, warum wollten Sie überhaupt studieren?

Stegen: Ja, da gab es natürlich viele Gründe. Ich sage mal, ich möchte mich natürlich weiterbilden, also neues und besseres Wissen für mich gewinnen. Dann natürlich diese zusätzliche Ausbildung, die mich dann im Job auch weiterbringen soll und mir dort halt auch bessere Perspektiven schaffen soll. Und natürlich richtet man den Blick immer in die Zukunft, wo möchte man irgendwann mal hin, man möchte ja dann auch ungerne irgendwo stehenbleiben.

Schulz: Sie haben bei Ihrem ehemaligen Arbeitgeber eine Anschlussgarantie bekommen, wenn Sie das Studium abgeschlossen haben. Hätten Sie ohne diese Sicherheit ebenfalls ein Studium aufgenommen?

Stegen: Das ist eine gute Frage, aber eher nicht. Denn es ist natürlich ein zugegebenes Gut, aber doch kein Garant dafür, dass ich dann 100-prozentig dann nachher einen Job bekomme.

"Ein bisschen mehr in die Tiefe gehen"

Schulz: Glauben Sie denn, dass der Übergang von Ausbildung in Studium gerade auch für Menschen, die kein Abitur oder Fachabitur haben, dass da genug getan wird, auch von den Hochschulen selber?

Stegen: Das ist eine gute Frage. Ich denke, die Ausbildungsinhalte sind zwar ähnlich den Inhalten wahrscheinlich, die man nachher im Studium hat, aber doch sehr oberflächlich. Vielleicht sollte man da ein bisschen mehr in die Tiefe gehen, um da, ich sage mal, die Vorbereitungen besser schaffen zu können. Vielleicht noch mal so einen Mathekurs nebenher, der dann einfach in diesen Bereich höhere Mathematik irgendwie schon mal ein bisschen einsteigt.

Schulz: Sie haben ja jetzt beide Bildungswelten kennengelernt, wenn ich es jetzt mal so sagen darf, also die berufliche Ausbildung und die akademische, also die Hochschulausbildung. Was kann denn die Hochschulausbildung von der praktisch-beruflichen Ausbildung noch lernen?

Stegen: Ich finde nach wie vor, dass auch an der Hochschule selber der praktische Anteil einfach noch zu gering ist. Ich sehe da halt diese Verknüpfung, dass man selber schon sieht, wo wendet man denn die Sachen an, die man im Studium erlernt, dass da doch, ich sage mal, der bessere Bildungsweg ist, um das halt zu festigen, also um das Wissen dann praktisch zu festigen.

Schulz: Da sind Sie ja schon seit einer Weile dabei und schreiben, wie gesagt ja gerade schon, Ihre Abschlussarbeit. Das ist also vielleicht noch ein bisschen zu früh für ein Fazit, aber dennoch die Frage: Würden Sie diesen Weg, also von der Ausbildung ins Studium, würden Sie den weiterempfehlen?

Stegen: Ja, definitiv. Ich denke, man darf halt nicht dafür bestraft werden, wenn man jetzt den Weg über die Ausbildung geht und nicht übers Abi, da dann nachher noch ein Studium nachzusteuern. Ja, ich denke mal, bessere Möglichkeiten, dann später im Job höher einzusteigen oder weiterzukommen, gibt es einfach nicht, als ein Studium abzuleisten.

Schulz: Sagt Sebastian Stegen. Er hat nach seiner Ausbildung ein Studium aufgenommen. Ganz herzlichen Dank und viel Erfolg bei Ihrer Abschlussarbeit!

Stegen: Vielen Dank!

 

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