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Sümpfe ausgetrocknet?

Im italienischen Latina wird mit den Arbeiten an einem Mussolini-Denkmal begonnen

Von Thomas Migge

Benito Mussolini  im Jahr 1936
Benito Mussolini im Jahr 1936 (AP)

Latina erweckt einen angenehmen Eindruck: breite und baumbestandene Straßen, niedrige Häuser und viele Grünflächen. Hässliche Neubauten findet man hier nur wenige. Der Stil der Gebäude ist mehr oder weniger gleich. Eine Retortenstadt, die nach den Prinzipien von Corbusier errichtet worden ist.

Prinzipien, die den Baumeistern des italienischen Faschismus zusagten: Auch wenn sie den französischen Architekten, der nur zu gern auch in Italien gebaut hätte, nicht anstellten, so übernahmen sie doch dessen Ideen zum Bau einer menschenfreundlichen Stadt. Einer Stadt, in der, wie es in den dreißiger Jahren hieß, der "neue faschistische Mensch" glücklich werden sollte. Latina heißt die Stadt. Sie wurde 1932 errichtet und war der Prototyp verschiedener anderer Kunststädte, die Benito Mussolini in Mittelitalien aus dem Boden stampfte: Sabaudia, Pontinia, Aprilia. Seit Jahren zieht Latina - das früher den faschistischen Namen Littoria trug - Baumeister aus aller Welt an. Sie alle studieren vor Ort ein gelungenes Beispiel humanen Bauens, erklärt die Kommunalpolitikerin Maria Procaccini:

Wir haben hier eine ganze Reihe von Umfragedaten, die uns zeigen, dass die Menschen sich hier wohl fühlen. All das können wir Mussolini verdanken. Aus diesem Grund ist es nur richtig, wenn ihm jetzt ein Denkmal errichtet wird. Mussolini war ja nicht nur ein Diktator und Kriegsherr, ein Mann der Rassengesetze, sondern auch jemand, der viel Gutes und vor allem Innovatives getan hat.

Unglaublich aber wahr: Kommunalpolitiker aus dem rechts regierten Latina lassen von lokalen Künstlern ein Fussbodenmosaik anfertigen, mit dem der Duce gewürdigt werden soll. Unter den Bogengängen des Rathauses soll in den nächsten Wochen ein mehrere dutzend Quadratmeter grosses Mosaik entstehen, das immer wieder Mussolini zeigt: den Duce mit hochgekrämpelten Ärmeln bei der Weizenernte, bei der Einweihung der Stadt Latina und bei der Arbeit an einem Schreibtisch. Die Künstler liessen sich von zeitgenössischen Fotografien der faschistischen Propagandamschinerie inspirieren. Finanziert wird das städtische Kunstprojekt von Bürgermeister Vincenzio Zaccheo, der, wie auch der Stadtrat, der Partei Alleanza Nazionale angehört, die vor zehn Jahren aus den Neofaschisten hervorgegangen ist. Ziel der fragwürdigen Kunstaktion ist es, erklärt Waldo Cicchi von der Jugendorganisation der Alleanza Nazionale, Touristen nach Latina anzulocken:

Wir glauben, dass es wichtig ist, auch die positiven Seiten jener Epoche vorzustellen. Wenn wir Touristen anziehen wollen dann deshalb, weil Latina ein städtebauliches Projekt ist, das in Italien einzigartig ist. Auch wenn unsere linken Medien immer wieder das Gegenteil behaupten.

Interessant ist, dass die Mosaikidee in der italienischen Öffentlichkeit nicht viel Aufsehen erregt. Die oppositionellen Linksdemokraten in Latina protestieren zwar gegen die Initative, geben aber hinter vorgehaltener Hand zu, dass jede Idee gut sei, die mehr Touristen in das verschlafene Städtchen holt. Auch Italiens bekanntester Kunsthistoriker und ehemalige stellvertretende Kulturminister Vittorio Sgarbi hat an dem Duce-Mosaik nichts auszusetzen:

Natürlich müssen rechtsradikale Parolen immer unterbunden werden, aber es muss auch gesagt werden, dass die Kunst, die in der Zeit des Faschisms entstand - im Gegensatz zur Nazikunst - ihre Unabhängigkeit erhalten hat. Unter Mussolini malten und bauten Futuristen und andere moderne Künstler. Ob das allerdings ein Grund ist, Mussolini mit einem Mosaik zu ehren, ist schwer zu sagen.

Mit der Erinnerung an Mussolini wollen nicht nur rechte Politiker Touristen anziehen. So lässt der linke Bürgermeister von Predappio in der norditalienischen Region Emilia ein steinernes Riesenporträt des Duce restaurieren. In den dreissiger Jahren war ein gigantischer Bergfelsen, der sich über dem Tal Gola del Furlo erhebt, in das Antlitz des Oberfaschisten umgemeisselt worden. Nach dem Ende des faschistischen Spuks zerstörten Partisanen mit Kanonenschüssen die obere Gesichtshälfte. Sie soll soll nun wieder hergestellt werden - und die Partei des linken Bürgermeisters hat ihren Segen dazu gegeben.

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