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StartseiteSport am WochenendeVom Ladenhüter zum Super Sunday07.02.2016

Super Bowl im FootballVom Ladenhüter zum Super Sunday

Bei der Premiere des Super Bowl 1967 kostete eine Eintrittskarte sechs Dollar und ein Drittel der Plätze im Stadion blieb leer. Heute ist das Saisonfinale des American Football das Haupt-Sportereignis in den USA - und ein lukratives Spektakel.

Von Heiko Oldörp

Eine Spiel-Szene im Super Bowl, dem Finale des "American Football" (picture-alliance / dpa / Tannen Maury)
Das Endspiel im American Football 2014: der Super Bowl (picture-alliance / dpa / Tannen Maury)
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"For a full twelve months a year, the teams of the National Football League prepare for one day - Super Bowl Sunday."

Als sich am 15. Januar 1967 im Coliseum von Los Angeles die Green Bay Packers und die Kansas City Chiefs gegenüberstanden, kostete eine Eintrittskarte sechs Dollar und der 30 Sekunden-Werbeclip 40.000 Dollar. Es gibt ein Foto, das Chiefs-Quarterback Len Dawson dabei zeigt, wie er auf der Bank eine Zigarette raucht. Und das Endspiel hieß noch "World Championship Game" - obwohl Kansas City-Besitzer Lamar Hunt bereits einen anderen Namen im Hinterkopf hatte.

"Meine Kinder hatten jeder einen Ball, einen Super-Ball, so ein Ding aus Vollgummi, das sehr hoch sprang. Meine Tochter redete andauernd über diesen Super-Ball. Da kam mir spontan die Idee, dass das letzte Spiel der Football-Saison der Super Bowl sein sollte."

Lokalfernsehen: Funke nicht übergesprungen

Bei der Premiere gab es Tickets noch an der Tageskasse - und dennoch blieb ein Drittel der rund 90.000 Plätze im Stadion leer. Im lokalen Fernsehen war gar davon die Rede, dass der Funke für ein Spiel zwischen einem Team aus Wisconsin und einem aus Missouri nicht bis nach Los Angeles überspringe.

"The team from Wisconsin meeting one from Missouri is not inflaming Los Angeles."

Tom Pratt war damals Assistenz-Trainer der Kansas City Chiefs. Er erinnert sich noch gut an das Spiel und vor allem an die Ungewissheit. Man habe schlichtweg keine Ahnung gehabt, was von dieser Partie zu erwarten sei, sagt Pratt.

"You know, we didn't know. We didn't have any idea what to expect from this game."

Green Bay gewann das Endspiel 35:10 - es ist bis heute das einzige Finale geblieben, das nicht ausverkauft war. In den Folgejahren erfreute sich die Partie wachsender Bedeutung und Begeisterung.

Bereits beim 25. Super Bowl im Jahr 1991 hatte sich das Endspiel, so hieß es im US-Fernsehen, zu einem Spektakel entwickelt. Weder Fans, Spieler, noch Teambesitzer hätten dies vorhersehen können.

"It is hard to image, NFL fans, players or even team owners could have anticipated the spectacle that Super Sunday has become today."

Super Bowl ist Inbegriff von Gigantismus

In den vergangenen Jahren ging der Aufstieg immer weiter - die Preise für Tickets und Werbespots wurden immer teurer, der Hype um den Super Bowl von Jahr zu Jahr größer. Mittlerweile hat sich das Football-Finale zum Inbegriff für Gigantismus im Sport entwickelt und ist das größte Eintages-Sportereignis der Welt.

Da interessiert es viele Zuschauer und Fans kaum, dass es schwere Dopingvorwürfe gegen einen der Haupt-Protagonisten gibt. Den Quarterback der Denver Broncos, Peyton Manning. Die NFL hatte angekündigt, den Anschuldigungen nachzugehen, jedoch umgehend klargestellt, dass die Untersuchung nicht vor dem Super Bowl abgeschlossen sein werde.

Und so wird Manning am Sonntag der Superlative auf dem Platz stehen. Der Super Sunday hat sich längst zu einem inoffiziellen Feiertag entwickelt. Er wurde kreiert, um zu konsumieren.

Die Amerikaner treffen sich zu Super-Bowl-Partys – die nicht mehr nur die Football-verrückten Männer anziehen, sondern unter anderem durch die bekannten Werbespots zu einem sozialen Event für die ganze Familie geworden sind. Die ganze Woche über locken Supermärkte mit speziellen Super-Bowl-Angeboten.

Der Verband für den amerikanischen Einzelhandel hat errechnet, dass in diesem Jahr 15,5 Milliarden Dollar für Essen, Trinken und Super-Bowl-Fan-Utensilien ausgeben werden - so viel wie nie zuvor. Nur an Thanksgiving wird noch mehr umgesetzt.

Party-Zutaten: Chicken Wings, Guacamole, Bier

Am wichtigsten Sonntag des Sportjahres treffen sich die Menschen in Sportbars oder laden Freunde zu sich nach Hause ein. Im Schnitt besteht eine Super-Bowl-Party aus 17 Personen. Ganz oben auf der Speisekarte stehen Chicken Wings, Pizza, Chips, Guacamole und natürlich Bier.

Wer den Super Bowl live erleben möchte, muss tief ins Portemonnaie greifen. Diesmal kostet ein Ticket im Schnitt 4.300 Dollar und für einen Werbespot wird gar der Rekordpreis von fünf Millionen Dollar aufgerufen. Doch an ihrem Football-Festtag scheint den Amerikanern schlichtweg nichts zu teuer zu sein.

Jim Nantz, der das Spiel für den Fernsehsender CBS live kommentieren wird, bringt die Faszination seiner Landsleute auf den Punkt.

"The Super Bowl is must watch television. It's a happy occasion. America celebrates."

Amerika mag vor allem Sieger. Und deshalb gibt es erstmals in der 50-jährigen Geschichte des Super Bowls ein Novum. Das Endspiel ist nicht mit einem römischen Buchstaben versehen, sondern mit der Zahl 50. Denn "Super Bowl L" hätte nun gar nicht zum Jubiläum gepasst. Schließlich steht das L im US-Sport für "Loser".

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