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StartseiteDossierSie nennen uns Verräter21.02.2014

Super-GAUSie nennen uns Verräter

Atomflüchtlinge aus Fukushima

Sanai Okamoto war hochschwanger, als sich der Super-GAU in Fukushima ereignete. Sie und ihr Mann lebten damals 60 Kilometer vom AKW entfernt. Sanai flüchtete gleich nach Nagoya. Ihr Mann musste in seiner Firma kündigen, um seiner Frau nachfolgen zu können und wird seither von ehemaligen Kollegen und Freunden als Verräter geächtet.

Von Judith Brandner

Ein Frau schaut auf eine Karte Japans, auf der Atomkraftwerke eingezeichnet sind. (picture alliance / dpa / Marcus Brandt)
Sogenannte selbstbestimmte Flüchtlinge erhalten keine Entschädigungen. (picture alliance / dpa / Marcus Brandt)

Masako Hashimoto, ihr Mann Toshihiko und die gemeinsame Tochter Kaya lebten zum Zeitpunkt der Katastrophe 45 Kilometer vom AKW entfernt. Mutter und Tochter flüchteten in die Berge. Toshihiko, der eine eigene Praxis als Heilpraktiker hat, ist in Fukushima geblieben. Er reist mit Vorträgen über Selbstheilungskräfte durch die Präfektur und sieht seine Familie nur zweimal im Monat. Yuko Nishiyama ist mit ihrer vierjährigen Tochter aus Fukushima-Stadt nach Kyoto geflohen.

Dort hat sie einen Hilfsverein für Flüchtlinge aus Fukushima aufgebaut. Ihr Mann, der aus beruflichen Gründen mehrere hundert Kilometer entfernt lebt, versteht weder, weshalb sie geflohen ist, noch ihr Engagement für die NGO. Die beiden haben sich völlig voneinander entfremdet. In allen drei Fällen sind die Menschen freiwillig geflüchtet, die Behörden sprechen daher von "selbstbestimmter" Flucht, denn sie bekommen keine Entschädigung.

Während die Okamotos unter großen finanziellen Schwierigkeiten ein neues Leben aufbauen und die Hashimotos sehr unter der Trennung leiden, ist Yuko Nishiyama selbstbewusst und stark aus der Katastrophe hervorgegangen.

Produktion: ORF/DLF 2014

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