Montag, 18.12.2017
StartseiteKoran erklärt Eine klare Absage an Vater, Sohn und Heiliger Geist12.05.2017

Sure 4 Vers 171Eine klare Absage an Vater, Sohn und Heiliger Geist

Sehr früh versuchten sich die Muslime von der christlichen Lehre abzusetzen. Ein Hauptansatzpunkte war die Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Heiliger Geist. Die Muslime warfen den Christen wegen der Trinitätslehre einen mangelhaften Monotheismus vor. So kommt es auch, dass die Beziehung des Propheten zu Gläubigen nie der von Vätern oder Patriarchen entspricht, sondern der von Geschwistern und Genossen.

Von Dr. Hamza Mahmood Zafer, University of Washington, Seattle, USA

Weiterführende Information

Das Buch "Koran erklärt". (Suhrkamp)Zu unserer Sendereihe ist ein Buch "Koran erklärt" im Suhrkamp-Verlag Berlin erschienen, herausgegeben von Deutschlandradio-Intendant Dr. Willi Steul. (Suhrkamp)

"Siehe Christus Jesus, Marias Sohn, ist der Gesandte Gottes
und sein Wort, das er an Maria richtete,
und ist Geist von ihm.
So glaubt an Gott und seine Gesandten,
und sagt nicht: ‚Drei!‘
Hört auf damit, es wäre für euch besser.
Denn siehe, Gott ist ein Gott;
fern sei es, dass er einen Sohn habe."

Der Koran betont eine ausdrückliche Gegnerschaft zur Trinitätslehre - also zur Auffassung von Vater, Sohn und Heiliger Geist als Wesenseinheit Gottes. Er polemisiert insbesondere gegen die Vater-Sohnschaft Gottes, betrachtet diese als stark mangelhaften Monotheismus und abscheuliche Äußerung über das Einssein Gottes und hält sie für theologischen Fanatismus. 

Teaserbox zur Sendereihe "Koran erklärt" im Deutschlandfunk

Die Sendereihe Koran erklärt als Multimediapräsentation

Die koranische Kritik an der Trinität hat mehrere Aspekte. Zusätzlich zum Verstoß gegen die absolute Singularität - arabisch: "tauhîd" - gilt der Glaube an die Vater-Sohnschaft Gottes als Fehlschluss im Glaubensbekenntnis und in der Metaphorik.

Hamza M. Zafer mit strahlendem Lächeln.  (priv. )Koranforscher Hamza Zafer arbeitet als Assistant Professor am Stroum Center for Jewish Studies der University of Washington. (priv. )Hinsichtlich des Bekenntnisses gilt die Vater-Sohnschaft Gottes insofern als Fehlschluss, als dass sie einem Schlüsselelement der koranischen Lehre entgegensteht: nämlich Gottes vollständige Erhabenheit und Überlegenheit - arabisch: "subhâna wa-ta'âla". Der Gott im Koran ist zwar lebendig ("al-hayy") und erschafft ("al-khâliq" / "al-bâri" / "al-fâtir"), aber er ist gänzlich ohne Ursache und selbstevident. (Sure 112 Verse 1-4) Das heißt, er wurde nicht geboren und stirbt nicht. Gott zeugt nicht und wurde nicht wie biologisches Leben gezeugt. Er ist überweltlich. 

Trotzdem enthält die koranische Theologie einen explizit biologischen Wortschatz. So ist etwa von Gottes Hand und Gesicht die Rede. Frühe Theologen erklärten, dieser Wortschatz müsse allegorisch verstanden werden. Er stehe für Gottes Macht und Allwissenheit.

Die Über-Betonung einer wortgetreuen Auslegung des Korans in klassisch-islamischer Zeit führte noch zu einer anderen Erklärung. Man stellte das Prinzip des Glaubens, ohne nach dem Wie zu fragen, auf. Gott hat demnach Hand und Gesicht, aber man fragt nicht, wie man sich das vorzustellen hat.

Den Schaffensprozess ("takhlîq") stellt der Koran als sprachlichen nicht als physikalischen Akt dar: Gott spricht: "Sei!", und es ist. Die Geburt Jesu wird im Koran folglich mit sprachlicher Begrifflichkeit beschrieben: Jesus ist eine Äußerung Gottes ("kalima") gerichtet an Maria.

Oft erwähnt der Koran Jesus mit dem Metronym: Sohn der Maria. Die koranische Jesus-Erzählung ist untergeordneter Teil der Maria-Erzählung. Die ausführlichste Darstellung des Auftrags Jesu im Koran findet sich in der 19. Sure. Sie trägt den Namen Maria. Marias verheißungsvolle Niederkunft und nicht Jesu Geburt bildet den Rahmen dieser Sure.

Nach den Bestimmungen des Korans ist die Vater-Sohnschaft Gottes auch metaphorisch ein Fehlschluss. Der Koran benutzt für seine Gemeinschaft der Gläubigen nicht die Bildsprache der väterlichen Nachkommenschaft. Die Gläubigen stellen weder die echte noch die allegorische Nachkommenschaft eines Patriarchen dar, sondern eine seitenverwandtschaftliche Brüderschaft ("mu’akhkha").

Die Beziehung des Propheten zu den Gläubigen entspricht der von Geschwistern und Genossen, nie der von Vätern oder Patriarchen. Sure 33 Vers 40 besagt: "Mohammed ist nicht der Vater eines eurer Männer." So werden die biblischen Stammväter aus dem ersten Buch Mose im Koran allesamt zu Propheten mit Völkern gemacht. Der Anspruch der koranischen Gemeinschaft auf die Figur des Abraham erfolgt explizit über sein Bekenntnis - "millatu Ibrâhîm" -, nicht über eine väterliche Erbfolge.

Die Audioversion wurde aus Gründen der Sendezeit leicht gekürzt.

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