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StartseiteForschung aktuellOrganismen als Fabriken14.12.2016

Synthetische BiologieOrganismen als Fabriken

In diesem Jahr steht auch die Synthetische Biologie auf der Agenda, also gentechnische Verfahren, mit denen sich Designer-Organismen erschaffen lassen. Vor allem das Verfahren Crispr/Cas steht dabei im Vordergrund. Damit lassen sich genetische Manipulationen meist sehr zielgenau und effizient durchführen. Eine neue Qualität in der Gentechnik wird dadurch möglich.

Ricarda Steinbrecher im Gespräch mit Arndt Reuning

Ein "CRISPR/CAS" Komplex (weiß) benutzt eine 'Anleitung' aus RNA (blau) um DNA zu schneiden (rot). (IMAGO / Science Photo Library)
Ein "CRISPR/CAS" Komplex (weiß) benutzt eine 'Anleitung' aus RNA (blau) um DNA zu schneiden (rot). (IMAGO / Science Photo Library)
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Arndt Reuning: Welche Möglichkeiten eröffnen sich durch das "Genome Editing" mit CRISPR/CAS?

Ricarda Steinbrecher: Man kann mit diesen Gen-Scheren hauptsächlich Sachen ausschalten. Wenn man ein Merkmal hat, dass man einfach wegschalten kann. Zum Beispiel: Ich will nicht, dass das so früh reif wird. Dann kann man die Gene ausschalten. Oder ich will, dass die weibliche Form steril ist. Sowas kann man damit machen.

Reuning: Noch einmal ganz konkret: Wo sehen sie die Gefahren bei der Veränderung von Organismen mit dieser zielgerichteten Genschere?

Steinbrecher: Die Risiken, die da entstehen hängen natürlich damit zusammen, was ich genau damit machen will. Im Grunde genommen kann man nicht davon ausgehen, dass man, wenn man eine kleine Veränderung macht, dass das harmlos ist. Oder man kann auch nicht sagen, dass das automatisch gefährlich ist. Man muss es eben überprüfen. Aber die Möglichkeit, dass etwas schief läuft und unvorhersehbar ist, die ist bei allen gegeben.

Also muss das reguliert werden. Man kann zum Beispiel auch Herbizidresistenz herstellen. Und wir wissen: Wenn man das in der Landwirtschaft verwendet, hat das eine Wirkung auf die Nachhaltigkeit. Aber man kann auch diese Methoden mehrfach verwenden, das heißt häufiger oder parallel. Auch wenn das nur an kleinen Stellen ist. Aber wenn man das an mehreren Stellen gleichzeitig macht, kann man ganze Stoffkreisläufe ausschalten. Das hat natürlich Auswirkungen.

Reuning: Warum sind diese neuartigen gentechnischen Verfahren denn ein Thema auf der Konferenz zur Biodiversität?

Erhebliche Auswirkungen auf Biodiversität

Steinbrecher: Das Thema ist hier natürlich sehr groß mit der synthetischen Biologie. Das heißt es ist eben ein Fortschreiten von der herkömmlichen Gentechnik. Und dann kommen noch ein paar Andere hinzu. Dass ein Organismus kaum noch als solcher gesehen wird, sondern eher als eine Fabrik betrachtet wird.

Als etwas, dass einfach umgebaut werden kann. Wo man mehr Ingenieurwissenschaften und IT reinbringt, um das umzudefinieren. Und da ist natürlich dieses CRISPR/CAS eines der Werkzeuge in der Kiste. Und im Zusammenhang mit der synthetischen Biologie sind natürlich ziemlich große Sorgen der Folgen davon vorhanden. Je nachdem, wie es verwendet wird kann es erhebliche Auswirkungen auf Biodiversität oder auch sozioökonomische Auswirkungen haben. Auf Kleinbauern, deren Produkte, die sie sonst vielleicht herstellen, wie Vanille, die auf einmal hergestellt werden in großen Behältern im Norden, von kleinen Mikroorganismen. Und deren Lebensgrundlage verschwindet.

Reuning: Könnte es auch sein, dass im Labor eine Art Superorganismus entsteht, der andere Lebewesen verdrängt, sollte er jemals in die Umwelt gelangen?

Steinbrecher: Das ist interessant, dass sie das ansprechen. Denn wir betrachten gleichzeitig hier auch eine ganz bestimmte Anwendung, die CRISPR/CAS mitverwendet. Und zwar den sogenannten "Genedrive". Wo Gene durch ganze Populationen durchgetrieben werden und man dadurch ein bestimmtes Charakteristikum durch eine ganze Spezies durchtreibt in Windeseile. Oder man kann mit Genedrive die einfach ausradieren. Was das für Folgen hat, ist natürlich unvorhersehbar. Es wird für viele Anwendungen dabei gedacht. Im landwirtschaftlichen Bereich oder auch bestimmte Fruchtfliegen, die Krankheitsüberträger sind, Mäuse die im Naturschutzbereich auf einmal Schwierigkeiten machen, weil sie Krankheiten übertragen. Da gibt es vielen Gedanken, die sich Leute machen und denken "das ist eine tolle Sache". Und wo wir natürlich sagen: "Mensch, was sind die Auswirkungen, wenn das nach hinten losgeht. Dann brechen uns die ganzen Ökosysteme hier zusammen." Oder dann kommen, anstelle von diesen bestimmten Moskitos, andere hinein, die vielleicht noch etwas Schlimmeres übertragen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

 

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