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StartseiteKommentare und Themen der WocheOhne Putin geht nichts mehr11.12.2017

SyrienOhne Putin geht nichts mehr

Nachdem die USA nicht einschritten, ergriff Russlands Präsident Wladimir Putin in Syrien die Initiative. Jetzt habe er Luftwaffe und Flotte in der Region auf Dauer installiert und sei so zum Player geworden, kommentiert Sabine Adler. Doch der Konflikt sei nicht gelöst.

Von Sabine Adler

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Syriens Präsident Baschar Al-Assad, Russlands Präsident Wladimir Putin und Russlands Verteidigungsminister Sergei Schoigu am 11. Dezember 2017 auf dem russischen Luftwaffenstützpunkt Hmeimim in Syrien (picture alliance / Mikhail Klimentyev/TASS/dpa)
"Wenn jemand den Krieg in Syrien als Sieg für sich verbuchen kann, dann ist das der Chef im Kreml": Wladimir Putin mit Baschar Al-Assad (links) in Latakia (picture alliance / Mikhail Klimentyev/TASS/dpa)
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Hoher Besuch auf der Luftwaffenbasis Latakia in Syrien. Der Oberkommandierende der russischen Streitkräfte befahl heute bei einem überraschenden Zwischenstopp den Abzug des größten Teils seiner Truppen. Wladimir Putin machte zudem seinem Amtskollegen Baschar al-Assad seine Aufwartung.

Wenn jemand den Krieg in Syrien als Sieg für sich verbuchen kann, dann ist das der Chef im Kreml. Als der damalige US-Präsident Barack Obama 2013 selbst dann nicht handelte, als Syriens Streitkräfte Giftgas gegen die eigene Bevölkerung anwendeten, setzte Wladimir Putin seine Luftwaffe in Bewegung, freilich erst zwei Jahre später.

Iran will den Krieg gegen Israel

Der als Chefsache behandelte Krieg ist mit dem heutigen Tag aber leider immer noch nicht zu Ende, auch wenn die Terror-Organisation Islamischer Staat kräftig dezimiert wurde. Denn auf syrischem Boden braut sich der nächste, vielleicht noch viel gefährlichere Konflikt zusammen. Iran wird immer mächtiger, schickt seine Revolutionsgarden und Waffen nach Syrien. Von dort und vom Libanon aus soll mit Hilfe der Hisbollah ein Krieg gegen Israel gestartet werden.

Israel ist der Erzfeind des Iran, ein anderer ist Saudi Arabien. Beide, Iran und Saudi Arabien ringen um die Vorherrschaft in der Region, ein Machtkampf zwischen Schiiten und Sunniten, Schauplatz: Syrien.

Schon jetzt fliegt die israelische Luftwaffe Vernichtungsschläge auf die Waffendepots.

Unübersichtliche und explosive Gemengelage 

Nach sechs Jahren Krieg ist Syrien von einer politischen Lösung meilenweit entfernt, das kurdische Referendum im Irak hat die Türkei auf den Plan gerufen. Ein Kurdistan, von türkischem, über syrisches bis ins irakische Territorium hinein, ist der Albtraum für Präsident Erdogan.

Die Gemengelage ist unübersichtlich und explosiv, im Spiel sind hochgerüstete Armeen, Atomwaffen. Iran könnte sein Nuklearprogramm wieder aufnehmen, wenn die USA das Atom-Abkommen aufkündigen, indem sie Sanktionen beschließen.

Geht dieses Pulverfass hoch, wird sich die syrische Flüchtlingskrise im Vergleich dazu als ein Kinderspiel erweisen.

Risikofaktor Trump

Dass von US-Präsident Trump keinerlei diplomatisches Geschick zu erwartet ist, macht die Lage noch ernster.

Einstweilen aber ist der Mann aus Moskau der lachende Dritte: Er wurde aktiv, wo die USA apathisch blieben, er hat Luftwaffe und Flotte in der Region auf Dauer installiert und wurde zum Player, ohne den jetzt nichts mehr geht.

Die Kriegsgefahr ist allerdings nicht geringer, sondern sehr viel größer geworden, so groß, das selbst der durch die amerikanische Jerusalem-Anerkennung neu angefachte Israel-Palästina-Konflikt dahinter verschwindet. Das allerdings kann man nicht zuerst Moskau ankreiden.  

Sabine Adler (Deutschlandradio / Bettina Straub )Sabine Adler (Deutschlandradio / Bettina Straub )Sabine Adler, Journalistin und Buchautorin. Journalistik-Studium Universität Leipzig, danach Sender Magdeburg, radio ffn, Deutsche Welle. Seit 1997 beim Deutschlandradio, u.a. als Russland-Korrespondentin, Leiterin des Hauptstadtstudios. 2011-2012  Leiterin Presse und Kommunikation Deutscher Bundestag. Derzeit Osteuropa-Korrespondentin.

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