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Täterschutz wird groß geschrieben

Katholische Kirche legt Missbrauchsbericht vor

Von Claudia van Laak, Landesstudio Berlin

Die Deutsche Bischofskonferenz hat die Studie über Priester, die sich an Kindern vergangen haben, in Auftrag gegeben.
Die Deutsche Bischofskonferenz hat die Studie über Priester, die sich an Kindern vergangen haben, in Auftrag gegeben. (dapd)

In einem von zwei Fällen hatten die Gutachter überhaupt keine Bedenken gegen die Weiterbeschäftigung des Täters in der Gemeinde. Weiter Jugendarbeit machen, ins Zeltlager fahren? Kein Problem. Ist der Priestermangel mittlerweile so groß, dass da ein Auge zugedrückt wird? Es wäre entsetzlich.

Blickt ein Lehrer in seine Klasse, hat er mindestens ein Kind vor sich, das schon einmal sexuell belästigt, wenn nicht missbraucht worden ist. Eine Tatsache, vor der fast alle Verantwortlichen jahrzehntelang die Augen verschlossen haben.

Als einige Opfer vor drei Jahren Mut bewiesen und die skandalösen Vorfälle in katholischen Internaten, aber auch an der reformpädagogischen Odenwaldschule öffentlich machten, war der Skandal groß. Wegsehen, vertuschen, die Täter schützen, den Opfern keinen Glauben schenken, das war der gängige Umgang in kirchlichen, aber auch weltlichen Institutionen mit dem Thema.

Diese Zeiten sind hoffentlich vorbei. Die Öffentlichkeit ist kritischer geworden, Eltern schenken ihren Kindern mehr Glauben als früher und die meisten Ehrenamtlichen in den Gemeinden laufen nicht mehr rot an und schweigen schamhaft.

Auch die Amtskirche hat einiges auf den Weg gebracht: eine materielle Entschädigung der Opfer, heute nun die Veröffentlichung einer Studie, die Täterprofile untersucht hat. Doch leider zeigt die Studie, dass der Opferschutz innerhalb der katholischen Kirche nach wie vor klein, der Täterschutz groß geschrieben wird.

So hatten die Gutachter in einem von zwei Fällen überhaupt keine Bedenken gegen die Weiterbeschäftigung des Täters in der Gemeinde. Weiter Jugendarbeit machen, ins Zeltlager fahren? Kein Problem. Ist der Priestermangel mittlerweile so groß, dass da ein Auge zugedrückt wird? Es wäre entsetzlich.

Außerdem: Nur drei von vier Bistümern beteiligten sich überhaupt an dieser Studie. Auch ein zweites Forschungsprojekt zeigt, dass es mit dem behaupteten Aufklärungswillen der katholischen Kirche nicht so weit her ist. Es geht um die endlich zu beantwortende Frage: Wie viele Priester haben in den letzten Jahrzehnten sexuelle Gewalt ausgeübt? Wie viele Opfer sind zu verzeichnen? Also: Wie groß ist der Skandal wirklich?

Diese Frage wollen viele lieber nicht beantwortet haben. Das Forschungsprojekt droht zu scheitern, weil einige Bistümer die entsprechenden Akten nicht freigeben wollen - obwohl alles vertraglich mit der Bischofskonferenz vereinbart ist.

Ein Trauerspiel, das allerdings nicht besser wird, wenn man den Blick weg von der Kirche hin zur Politik richtet. Der vor einem Jahr versprochene 100-Millionen-Hilfsfonds für diejenigen, die in ihrer Kindheit Opfer sexuellen Missbrauchs wurden? Nicht in Sicht. Das Gesetz zur Stärkung der Rechte der Opfer? Schmort seit eineinhalb Jahren im Rechtsausschuss des Bundestags. Die versprochene Bilanzsitzung des Runden Tisches Kindesmissbrauch in der nächsten Woche? Aus fadenscheinigen Gründen von der Bundesregierung abgesagt.

Für die Opfer, die den Mut hatten zu sprechen, ist das eine niederschmetternde Erfahrung.



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