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StartseiteCampus & Karriere"Der Soldat am Lehrerpult? Bundeswehr in der Schule"16.09.2014

Tagung "Der Soldat am Lehrerpult? Bundeswehr in der Schule"

Von Axel Schröder

Für Dirk Lange, Professor für Didaktik der politischen Bildung an der Uni Hannover, ist die Sache klar:

Die Jugendoffiziere der Bundeswehr leisten in den Schulen keine politische Bildung, sondern betreiben Werbung für die Standpunkte der Bundesregierung in Sachen Sicherheits- und Verteidigungspolitik und für den Soldatenberuf.

"Ich habe in der Statistik gelesen, dass 25 Prozent derjenigen, die mit Karriereberatern den "Berufsweg Bundeswehr" erörtern, dass die vorher in Kontakt waren mit Jugendoffizieren. Es ist schon ein Türöffner der Bundeswehr zu den Jugendlichen und dass ist natürlich nicht legitim."

"Rekrutierungsverbot"

Denn immerhin, so Dirk Lange auf der Tagung "Der Soldat am Lehrerpult" der Evangelischen Akademie der Nordkirche, gibt es das so genannte Rekrutierungsverbot: das Verbot, an den Schulen um Nachwuchs für die Bundeswehr zu werben. In acht Bundesländern haben die Landesregierungen Kooperationsvereinbarungen mit der Bundeswehr beschlossen, um die Arbeit der Jugendoffiziere zu erleichtern. Dagegen gewehrt haben sich aber schon etliche Schulen und sich auf Schulkonferenzen für ein Kooperationsverbot entschieden. Problematisch findet Dirk Lange, dass die 94 haupt- und 200 nebenamtlichen Jugendoffiziere in ihren Vorträgen auch fragwürdige Bedrohungsszenarien problematisieren: vom "Sicherheitsrisiko Migration" sei dann beispielsweise die Rede, so Dirk Lange, dass unter anderem mit militärischen Mitteln gelöst werden könnte. – Jugendoffizier Anne Malucha findet diese Argumente wenig stichhaltig.

"Wir erklären. Wir als Jugendoffiziere erklären Sicherheitspolitik und wir versuchen zu verdeutlichen und zu vermitteln, wie unsere Regierung zu bestimmten Entscheidungen kommt."

Dirk Lange von der Uni Hannover hält dagegen. Vor allem, weil Organisationen aus der Friedensbewegung gar nicht die Mittel und die personellen Ressourcen hätten, um an den Schulen ähnliches zu leisten wie der gut organisierte Pressestab der Bundeswehr; um deren Informationen und am Ende militärischen Lösungsansätzen etwas entgegen zu setzen. - besonders fragwürdig findet der Professor, dass die Jugendoffiziere Erkenntnisse über die politischen Ansichten der Schüler sammeln müssen. Ein Drittel des Jahresberichts der Jugendoffiziere nehmen diese Erkenntnisse ein:

"Es wird auch in der Kommunikation mit den Schulen, mit den Eltern, mit den Schülern nie benannt, dass diese Informationssituation auch andersherum genutzt wird als Informationsgewinnung, als eine Aufklärungsarbeit quasi, um einen Lagebericht "Politische Denkweisen in Klassenzimmern" zu erstellen."

Überrascht von der Kritik war der CDU-Abgeordnete Markus Grübel. Der Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium nahm an der Abschlussdiskussion der Veranstaltung teil:

"Wenn sie die Vielzahl von Berichten, die ich zum Beispiel dem Parlament vorlege, anschauen, wenn wir da alle Maßstäbe anlegen, das s den Hochschullehrern der Republik allen gefällt, dann bräuchten wir zusätzliche Abteilungen, die so was bearbeiten. Das ist schlechterdings unmöglich. Aber wir schauen uns das gerne mal an und sind eigentlich über jeden Verbesserungsvorschlag dankbar. Dann können wir es noch mal unter diesem Blickwinkel betrachten."

Vorwurf der Indoktrination

Den Vorwurf der Indoktrination junger Menschen weist Markus Grübel zurück. Schließlich würden die Jugendoffiziere nie allein vor der Klasse stehen, allein unterrichten, sondern nur Expertenwissen weitergeben. Der Lehrer sei immer dabei. Er allein sei verantwortlich für die Ausgewogenheit des Unterrichts, so Grübel. Jugendoffizier Anne Malucha sieht das genauso und betont, dass den Schülerinnen und Schülern eben auch ein realistisches Bild vom Krieg, auch von seinen grausamen Seiten geschildert werde.

"Natürlich! Ganz klar! Auch wir Soldaten wollen ja nicht in den Krieg ziehen und irgendwelche Handlungen dort vollführen. Auch das wollen wir ja nicht."

"Handlungen vollführen", also "andere Menschen töten": Nein, das will die Bundeswehr nicht. Die Realität des Krieges, so scheint es, wird den Schülerinnen und Schülern ganz schonend beigebracht.

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