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StartseiteCampus & KarriereTandem in der Wissenschaft31.08.2005

Tandem in der Wissenschaft

Projekt zur Förderung akademischer Karrieren von Behinderten

"Vieles ist möglich - Tandems für die Wissenschaft". Das ist der Titel eines von der EU geförderten Projekts für mehr Chancengleichheit im Akademikerberuf für behinderte Menschen. Gestartet wurde es erst vor wenigen Wochen und beteiligt sind Hochschulen, Forschungsinstitute und auch Unternehmen. Auf Hochschulseite ist das beispielsweise die Universität Dortmund, wo Behindertenförderung eine lange Tradition hat.

Von Andrea Groß

Blinde müssen für die Karriere mehr aufwenden als Sehende. (AP)
Blinde müssen für die Karriere mehr aufwenden als Sehende. (AP)

Birgit Drolshagen ist Akademische Rätin in der Blinden- und Sehbehindertenpädagogik an der Uni Dortmund. An der Uni hat sie auch studiert, promoviert und dort arbeitet sie auch im Zentrum für Behinderung und Studium. Sich auf dem Campus zurechtzufinden, war für sie nie ein Problem. Als sie allerdings promovieren wollte, stellte sich ihr ein Hindernis in den Weg, wie es auch für Menschen ohne Behinderung manchmal unüberwindlich ist. Ein Hindernis bürokratischer Art.

" Es war so, dass ich für meine Promotion ein Stipendium bekommen habe, des Landes Nordrhein-Westfalen, so dass mein Lebensunterhalt gesichert war, aber die Kosten für den PC mit Brallzeile und Sprachausgabe oder auch die Kosten für die Vorlesekräfte, die mir die Bücher vorlesen, die waren natürlich mit diesem Stipendium nicht abgedeckt. "

Die Kosten für eine blindengerechte Ausstattung fiel in die Zuständigkeit einer anderen Behörde, und die entschied damals, dass eine Promotion für die Ausbildung der Antragstellerin nicht notwendig sei. Birgit Drolshagen erkämpfte sich ihre Promotion also mit ihrer mechanischen Schreibmaschine.

Inzwischen sind die Kosten des so genannten behinderungsbedingten Mehrbedarfs kein Thema mehr. Fragen des Rechts, der Zuständigkeiten und der Kostenerstattung für behinderte Studierende sind eine Spezialität der Dortmunder, die sie auch in das Projekt "Tandem für die Wissenschaft" einbringen wollen. Birgit Rothenberg erklärt, was andere Teilnehmer beitragen wollen.

" Einige Projektpartner haben als Schwerpunkt die Zeit nach dem Diplom. Sie ermöglichen diplomierten Naturwissenschaftlern eine Promotion. Sie richten Promotionsarbeitsplätze ein und zwar sowohl in Forschungseinrichtungen, wie das Paul Ehrlich Institut und das Robert Koch Institut, als auch Promotionsplätze in der freien Wirtschaft. "

Und das ist längst nicht alles. Andere Projektteilnehmer arbeiten am anderen Ende des Wissenschaftlerlebens mit Eltern und Lehrern Behinderter zusammen, um Schwellenängste vor einer akademischen Laufbahn abzubauen. Wieder andere arbeiten mit Ausbildungsbetrieben zusammen, denn der Zugang zu einer naturwissenschaftlich-technischen Ausbildung ist ebenfalls für Behinderte nicht leicht.

Zu einem Tandem gehören zwei. Das ist Andrea Rietmann, die erst durch das Tandem-Projekt zur Dortmunder Zentrale für Behinderung und Studium gekommen ist, zuwenig. Ihr schwebt ein großes Netzwerk vor. Ein Netzwerk aus Studienfachberatern, Rechtsberatern, Unternehmen, Selbsthilfegruppen und behinderten Wissenschaftlern, die sowohl Fachleute sind, was ihre Behinderung angeht, als auch was ihr Studienfach angeht und die aus ganz Deutschland kommen.

" Das Ziel dieses Projektes ist, Menschen mit Behinderung auf ihrem Weg durch die Wissenschaft, in die Wissenschaft als Arbeitsfeld zu begleiten. Und in dem Sinne Tandempartnerschaft als das ein - ja ein Ansprechpartnernetzwerk aufgebaut werden soll, um Schwierigkeiten, Hindernisse, die einfach existieren im Studienalltag von Behinderten und chronisch Kranken Studierenden. Sich darüber austauschen zu können, Mut zu machen, konkrete Hilfestellung geben zu können. "

Die Tandems sind also keine festgefügten Mentor-Mentee-Partner, sondern sie sollen in allen erdenklichen Konstellationen immer wieder neu zusammengespannt werden.

Die Uni Dortmund hat bereits in den siebziger Jahren angefangen barrierefrei und behindertengereicht zu bauen. Da der Campus überhaupt erst in dieser Zeit entstanden ist, war das nicht allzu schwer. Rollifahrer, sagt Birgit Rothenberg, kommen in jedes Gebäude, finden überall eine Toilette vor und sie kommen in jeden Hörsaal. Als Lehrende wäre für sie allerdings nicht jedes Vorlesungspult für sie erreichbar. Es gibt also noch etwas zu tun für das Tandem-Projekt in Dortmund.

Ansprechpartner an der Universität Dortmund:
Andrea Rietmann, 0231 – 755 6565
Andrea.rietmann@uni-dortmund.de
Tandem in Science

Dortmunder Zentrum Behinderung und Studium, DoBuS
Birgit Rothenberg, 0231 – 755 2848
Birgit.rothenberg@uni-dortmund.de

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