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StartseiteUmwelt und VerbraucherDeutscher Umweltpreis fürs Fairphone12.10.2016

Telefonieren mit gutem GewissenDeutscher Umweltpreis fürs Fairphone

Das Fairphone ist ein "faires" Smartphone - verbaut sind darin nur Rohstoffe, die nicht unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen gefördert wurden. Für diese Idee bekommt der niederländische Unternehmer Bas van Abel den mit 250.000 Euro dotierten Deutschen Umweltpreis.

Von Stefan Römermann

Das Fairphone 2, hier zerlegt in seine einzelnen Module (Fairphone (CC BY-NC-SA))
Das Fairphone 2, hier zerlegt in seine einzelnen Module (Fairphone (CC BY-NC-SA))
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"Die Idee zum Fairphone kam uns, als wir an einer Kampagne zu Konfliktmineralien gearbeitet haben. Das sind Mineralien, die beispielsweise in Minen im Ost-Kongo abgebaut werden, wo es bewaffnete Konflikte um die Minen gibt."

Erzählt Bas van Abel, Gründer und Geschäftsführer von Fairphone. Das Problem dabei: Solche Konfliktmineralien wie Zinn oder Coltan werden in fast jedem Computer oder Smartphone verbaut. Den fertigen Geräten sieht man aber nicht mehr an, unter welchen oft unmenschlichen Bedingungen die Rohstoffe gefördert wurden – und wie rücksichtslos dabei auch die Umwelt zerstört wird. Und genau da liegt für van Abel das Problem. Denn irgendwie sollten ja Kunden und Hersteller für das Problem sensibilisiert werden.

"Wenn man eine Kampagne machen will, dann braucht man entweder einen Bösewicht – oder man braucht eine gute Lösung. Und wir hatten keins von beiden. Dann haben wir gesagt: Machen wir doch selbst ein Telefon, und schauen uns an wie die Lieferketten funktionieren. Und dann können wir die Dinge verstehen und schritt für Schritt verbessern. Und so ist Fairphone entstanden."

Rohstoffe dürfen nicht aus Konfliktregionen stammen

Die erste Version des Fairphone kam im Dezember 2013 auf den Markt. Und auf dem ersten Blick sah es eigentlich aus, wie ein typisches Mittelklasse-Smartphone.

"Der entscheidende Unterschied ist, dass wir die Mineralien zurückverfolgen, die im Telefon benutzt werden. Bis hin zu denen im Kongo – damit die Rohstoffe eben nicht aus Minen in Konfliktregionen stammen. Und wir sind die ersten, die in der Lieferkette auf Gold aus fairem Handel setzen. Und die Elektronikbranche ist immerhin der drittgrößte Absatzmarkt für Gold."

Außerdem achten die Fairphone-Macher auf die Arbeitsbedingungen in den Fabriken in China und haben dort Sozialprogramme gestartet. Trotzdem kann das alles nur ein erster Schritt sein zu einem wirklich fair und nachhaltig produzierten Telefon. Schließlich besteht ein modernes Smartphone aus über 1.200 Komponenten erklärt van Abel.

"Da sind wirklich tausende von Fabriken beteiligt, die wieder andere Firmen beliefern. Wenn man also ein wirklich komplett faires Telefon produzieren will, müssten wir zuerst mal Weltfrieden schaffen. Ich kann also nicht sagen, wie viel Prozent von unserem Telefon wirklich fair sind. Wir versuchen erst einmal die wichtigsten Verbesserungen anzugehen."

Neben den besseren Arbeitsbedingungen und dem Verzicht auf Konfliktmineralien soll aber auch das Fairphone selbst ein besonders nachhaltiges Produkt sein. Die Macher setzen dabei auf eine modulare Bauweise: Das gesamte Telefon besteht aus einzelnen Komponenten, die besonders einfach getauscht werden können. Geht zum Beispiel das Display kaputt – kann der Besitzer das problemlos selbst tauschen. Sogar ohne Werkzeug. Das Fairphone soll dadurch unter dem Strich deutlich länger halten, als andere Telefone.

"Wenn man die Leute dazu bekommt, dass sie ihre Telefone doppelt so lange benutzen, dann muss man halb so viele Telefone produzieren. Und für die Umwelt ist das wirklich ein riesiger Gewinn, wenn wir einfach weniger Produkte herstellen."

Modul-Bauweise: Wer sich eine andere Kamera wünscht, baut sie ein

Durch die Modul-Bauweise können die Nutzer mittelfristig auch einzelne Komponenten austauschen. Beispielsweise soll es demnächst eine verbesserte Kamera geben. Wer mit seinem Telefon grundsätzlich zufrieden ist, aber trotzdem gerne bessere Fotos möchte, braucht dann einfach nur noch dieses Teil austauschen. Für Heinrich Bottermann von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ein preiswürdiges Konzept.

"Der Ausstieg aus dieser Wegwerfgesellschaft, das ist eigentlich das, was dahinter steht. Und das finden wir eigentlich als Ansatz für die Philosophie unseres Konsumierens einen ganz wichtigen Ansatz, dass wir sagen: Wir wollen die Produkte weiter nutzen und auch reparaturfreundlich machen. Dass man eben nicht so ein Ding gleich wegwerfen muss. Das ist glaube ich ein ganz wichtiger Ansatz, mit begrenzt verfügbaren Ressourcen vorsichtig umzugehen."

Die Soziale Mission der Fairphone-Macher war für die Vergabe des Deutschen Umweltpreises aber genauso wichtig wie die reinen Umweltaspekte, erklärt Bottermann.

"Wir müssen das zusammen denken. Nachhaltiges wirtschaften beinhaltet eben immer die soziale Komponente und die Rohstoffeinsparung. Das gehört zusammen und das können wir nicht mehr von einander trennen."

Verliehen wird der Umweltpreis am 30. Oktober in einer feierlichen Zeremonie durch Bundespräsident Joachim Gauck.

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