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Testurteil "Mangelhaft" für Bankberatung

Weder Verbraucher noch Banken haben aus Kritik gelernt

Von Theo Geers, Deutschlandfunk

Ein Notausgangs-Schild vor der Skyline mit den Banken in Frankfurt am Main
Ein Notausgangs-Schild vor der Skyline mit den Banken in Frankfurt am Main (AP)

Testsieger sehen anders aus. Als kompetente Dienstleister für den Privatkunden – so verkaufen sich alle Banken gerne. Doch wie schon im Dezember haben sich Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken auch beim zweiten Test ihrer Beratungsgespräche bis auf die Knochen blamiert.

Das Testurteil ist eine öffentliche Hinrichtung: Kein einziges Mal "gut" oder gar "sehr gut", nur drei Mal "befriedigend", dafür zwölf Mal "ausreichend" und sogar sechs Mal "mangelhaft". Überraschend ist das nicht, skandalös schon. Skandalös ist es, weil Banken und Sparkassen ihren Anlegern immer noch vorgaukeln, sie säßen in einem Beratungsgespräch. In Wirklichkeit ist es fast immer ein interessengeleitetes Verkaufsgespräch, bei dem die Bankberater an ihre Provision oder die der Bank denken und – wenn überhaupt - erst in zweiter Linie an das Wohl des Anlegers. Und zu diesem Wohl gehört nicht nur, dass der Kontostand wächst, sondern auch, dass der Anleger dabei ruhig schlafen kann. Überraschend ist das Beratungsdesaster auch nicht . Denn es spiegelt die Drückermethoden wieder, unter die Anlageberater jeden Montag gestellt werden, wenn die Wochenziele festgelegt werden. Der Druck kommt von oben und immer heißt es verkaufen statt beraten, am besten die Produkte der eigenen Bank oder Finanzgruppe.

Und wenn eine Bank in dieser Woche Aktienfonds und in der nächsten Indexzertifikate auflegt, dann fließt das Geld der Anleger eben mal hierhin und mal dorthin, in fast jedem Fall aber in ein Produkt von der Stange. An dieser Praxis hat offenkundig auch das seit Januar gesetzlich vorgeschriebene Beratungsprotokoll so gut wie nichts geändert. Oft wird es, obwohl das vorgeschrieben ist, nicht erstellt oder ausgehändigt.

Das zeigt: Der Arm des Gesetzgebers ist kurz, so gut gemeint die Vorschrift auch ist. Auch die Forderung, die Banken bei den Beratungsprotokollen schärfer zu kontrollieren, geht letztlich ins Leere, solange die Anleger selbst nicht richtig mitspielen. Denn dass ihnen die falschen Produkte aufgeschwatzt werden bzw. aufgeschwatzt werden können, liegt oft auch an ihnen selbst. Wie selbstverständlich gehen sie davon aus, dass die Beratung kostenlos sei, was sie natürlich nicht ist. Die Kosten zahlen sie über die Provisionen und Ausgabeaufschläge, in denen diese versteckt sind. Damit nicht genug. Unvorbereitet gehen viele Anleger in die Gespräche, oft haben sie keine Vorstellungen über ihr Anlageziel, ihre Risikoneigung oder den Zeitraum, für den sie das Geld entbehren können. Kein Wunder, dass so etwas dann in riskanten Geldanlagen endet, die über den Horizont manches Anlegers hinaus und an seinen wahren Bedürfnissen vorbei gehen. Die Inkompetenz mancher Sparer in Gelddingen entlässt die Banken allerdings nicht aus der Fürsorgepflicht für ihre Kunden: Gerade wer sich nach außen als kompetenter Berater in Gelddingen präsentiert, muss sich freiwillig höhere Standards geben. Sonst ist er ein Abzocker, der es nur auf die Kohle seines Kunden abgesehen hat. Und so will doch wohl keine Bank da stehen – oder?

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